Entinostat

Strukturformel
Strukturformel Entinostat
Allgemeines
Freiname Entinostat
Andere Namen
  • (Pyridin-3-yl)methyl ({4-[(2-aminophenyl)carbamoyl]phenyl}methyl)carbamat
  • MS-275
  • SNDX-275
Summenformel C21H20N4O3
CAS-Nummer 209783-80-2
PubChem 4261
Arzneistoffangaben
Wirkstoffklasse

Zytostatikum

Wirkmechanismus

HDAC1&3

Eigenschaften
Molare Masse 376,4 g·mol−1
Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [1]
keine Einstufung verfügbar
H- und P-Sätze H: siehe oben
P: siehe oben
EU-Gefahrstoffkennzeichnung [1]
Keine Einstufung verfügbar
R- und S-Sätze R: nicht bekannt
S: nicht bekannt
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden


Entinostat ist ein Klasse 1 HDAC-Inhibitor, mit besonderer Affinität zu HDAC1&3 und soll somit als Zytostatikum verwendet werden. Momentan befindet sich Entinostat in Phase-2 der Klinischen Studie und wird von dem Pharmaunternehmen Syndax entwickelt.

Pharmakologie

Wirkmechanismus

Die HDAC-Enzyme, die von der 2′-Aminogruppe des Entinostat gehemmt werden, regulieren die Genexpression durch Deacetylierung von Lysinresten in Histonen. Durch Hemmung der HDAC-Enzyme kommt es zum vermehrten Vorliegen von acetylierten Lysinresten, die keine positive Ladung mehr besitzen und nicht mehr mit der negativ geladenen DNA interagieren können. Es kommt zu einer Entspannung der Chromatinstruktur.

Die entspannte Chromatinstruktur ermöglicht DNA-bindenden Proteinen, wie Transkriptionsfaktoren, den Zugang zur DNA. Dies führt zu einer erleichterten Genexpression. Bei der Therapie mit Entinostat werden zwei Ziele verfolgt:

  1. Eingriff in die Expression von Genen, die in der Regelung des Zellzyklus eine Rolle spielen, dadurch wird z. B. die Zelldifferenzierung oder die Apoptose beeinflusst.
  2. Sensibilisierung (Medizin) der Tumore für Zytostatika, daher soll Entinostat als Kombinationspräparat mit Zytostatika oder Strahlentherapie eingesetzt werden.

Das Wirkungsspektrum von Entinostat ist groß, es soll gegen Brustkrebs, Lungenkrebs, Darmkrebs, Blutkrebs und Bauchspeicheldrüsenkrebs eingesetzt werden. Außerdem zeigt Entinostat eine Selektivität gegenüber Tumorzellen und bis jetzt keine gravierenden Nebenwirkungen.

Eigenschaften

Entinostat soll oral appliziert werden und hat eine sehr lange Plasmahalbwertszeit von 45–100 Stunden, daher reichen ein bis zwei Dosen pro Woche.

Literatur

  • T. Suzuki, T. Ando, K. Tsuchiya, N. Fukazawa, A. Saito, Y. Mariko, T. Yamashita, O. Nakanishi: Synthesis and Histone Deacetylase Inhibitory Activity of New Benzamide Derivatives. J.Med.Chem 42(15), 3001–3003, 1999
  • H. Hess-Stumpp, T. Bracker, D. Henderson, O. Politz: MS-275, a potent orally available inhibitor of histone decetylases – The development of an anticancer agent. Int J Biochem Cell Biol. 39, 1388–1405, 2007
  • M. Jung: Inhibitor of Histone Decetylase as New Anticancer Agents. Current Medical Chemistry (8), 1505–1511, 2001
  • S. Witta, R. Gemmill, F. Hirsch, C. Coldren, K. Hedman, L. Ravdel, B. Helfrich, R. Dziadziusko, D. Chan, M. Sugita, Z. Chan, A. Baron, W. Franklin, H. Drabkin, L. Girand, A. Gazdar, J. Minna, P. Bunn: Restoring E-Cadherin Expression Increases Sensitivity to Epidermal Growth Factor Receptor Inhibitors in Lung Cell Lines. Cancer Research 66(2), 944–950, 2006
  • K.Camphausen, W.Burgan, M.Cerra, K.Oswald, J.Trepel, M.Lee, P.Tofilon. Enhanced Radiation-Induced Cell Killing and Prolongation of γH2AX Foci Expression by the Histone Decetylase Inhibitor MS-275. Cancer Research 64, (316-321 2004)
  • S. Park, S. Lee, B. Kim, E. Cho, S. Patel, H. Kang, E. Sausville, O. Nakanishi, J. Trepel, B. Lee, S. Kim: Transcriptional Regulation of the Transforming Growth Factor β Type II Receptor Gene by Histone Acetyltransferase and Deacetylase is Mediated by NF-Y in Human Breast Cancer Cells. The Journal of Biological Chemistry (7), 5168–5174, 2002

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 In Bezug auf ihre Gefährlichkeit wurde die Substanz von der EU noch nicht eingestuft, eine verlässliche und zitierfähige Quelle hierzu wurde noch nicht gefunden.

Die News der letzten Tage

19.05.2022
Virologie | Parasitologie | Insektenkunde
Neue Virusvariante bedroht Bienengesundheit weltweit
Eine gefährliche Variante des Krüppelflügelvirus ist weltweit auf dem Vormarsch: Das Virus befällt Honigbienen, wird von der Varroamilbe übertragen und sorgt dafür, dass ihre Flügel verkümmern und die Tiere sterben.
17.05.2022
Evolution | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Leben am Vulkan – in zwei Schritten zur Anpassung
Ein internationales Team hat eine Wildpopulation der Ackerschmalwand (Arabidopsis thaliana) untersucht, die sich am Fuß eines Stratovulkans angesiedelt hat.
18.05.2022
Klimawandel | Insektenkunde | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Insektensterben: Was stört die Kolonie-Entwicklung der Steinhummel?
Bestäubende Insekten sind für die Biodiversität und die landwirtschaftliche Produktion unersetzlich - doch seit Jahren geht der Bestand an Bienen, Hummeln und weiteren Insekten stark zurück.
18.05.2022
Biodiversität | Insektenkunde | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Insektenvielfalt: Öko-Landbau oder Blühstreifen besser?
Wie wirksam Agrarumweltmaßnahmen für die biologische Vielfalt sind, hängt von verschiedenen Faktoren und dem jeweiligen Blickwinkel ab.
18.05.2022
Ethologie | Primatologie
Wie flexibel Orang-Utan-Mütter mit ihrem Nachwuchs kommunizieren
Ein Forschungsteam hat Mutter-Kind-Interaktionen bei Orang-Utans untersucht und dabei besonderes Augenmerk auf individuelle Unterschiede und Flexibilität in den Kommunikationsstrategien von Orang-Utan-Müttern gelegt.
17.05.2022
Ökologie | Biodiversität | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Ökologie: Fließgewässer stehen weltweit schlecht da
Landwirtschaft, Habitatverlust oder Abwässer – menschgemachte Stressoren wirken sich negativ auf die biologische Vielfalt in Bächen und Flüssen aus.
17.05.2022
Ethologie | Primatologie
Schimpansen kombinieren Rufe zu einer Vielzahl von Lautsequenzen
Verglichen mit dem menschlichen Sprachgebrauch erscheint Tierkommunikation einfach, doch unklar blieb bisher, wie sich unsere Sprache aus einem so einfachen System entwickelt haben könnte.
17.05.2022
Anatomie | Taxonomie | Paläontologie
Unbekannte Delfinarten aus dem Schweizer Mittelland identifiziert
Vor 20 Millionen Jahren schwammen Delfine dort, wo heute das Schweizer Mittelland liegt.
12.05.2022
Physiologie | Neurobiologie
Das bewusstlose Gehirn ist alles andere als stumm
Die Grosshirnrinde gilt als zentrale Hirnregion für bewusste Verarbeitung: Während einer Vollnarkose wird dieser Bereich jedoch nicht lahmgelegt.
12.05.2022
Ökologie | Insektenkunde
Was Heuschrecken fressen
Über die Nahrungsnetze pflanzenfressender Insekten ist nicht viel bekannt: Ein Team vom Biozentrum forscht nach – in Unterfranken ebenso wie in den Berchtesgadener Alpen.
12.05.2022
Mykologie | Biodiversität
Artenschutz für Pilze
Eines vorweg: Es geht nicht um die großen Speisepilze, sondern um die mikroskopisch kleinen Vertreter im Wasser.
11.05.2022
Evolution | Biochemie
Der Ursprung des Lebens: Eine neue Weltsicht
Chemiker schlagen ein neues Konzept vor, eine Mischung aus RNA-Molekülen und Peptiden brachten die Evolution hin zu komplexeren Lebensformen in Gang.
10.05.2022
Genetik
Für Weinliebhaber: Roter Riesling entstand aus Weißem Riesling
Die Erbinformation für die Riesling-Rotfärbung ist auf dem Chromosomensatz des weißbeerigen Elter "Weißer Heunisch" verortet.