Francisco J. Ayala

Francisco José Ayala (* 1934 in Madrid, Spanien) ist ein US-amerikanischer Genetiker, Evolutionsbiologe und Philosoph. Er ist Professor für Biologie und Professor für Philosophie an der University of California, Irvine.

Leben

Francisco José Ayala studierte an der Universität von Madrid, wo er 1955 seinen B.S.-Abschluss erreichte. Er arbeitete an Drosophila, die sich so schnell vermehrt, dass sie das ideale Untersuchungsobjekt der Evolutionsgenetiker wurde. Ayala studierte auch Theologie und wurde 1960 zum Priester geweiht. 1960 traf er Theodosius Dobzhansky. 1961 ging er in die USA und erreichte 1963 seinen M.A. und 1964 seinen PH.D an der Columbia University in New York. Zunächst arbeitete er an der Rockefeller University in New York. 1971 wurde er US-amerikanischer Staatsbürger.

Er zog mit seiner Frau Hana und seinen Kindern nach Kalifornien. Dort nahm er 1971 eine Professorenstelle am Department of Genetics an der University of California, Davis an. Sein ehemaliger Lehrer Theodosius Dobzhansky wechselte ebenfalls nach Davis. Hier entstanden die Bücher 'Evolving', 'Molecular Evolution' und 'Modern Genetics'. 1981 war er Hauptzeuge bei Gerichtsverhandlungen (McLean vs. Arkansas Board of Education) in Arkansas, wo es um die Stellung der Religion und der Evolution im Unterricht ging (KreationismusEvolutionstheorie). 1987 wechselte er zum Department of Ecology & Evolutionary Biology an der University of California, Irvine, wo ihm auch eine Professorenstelle am Department of Philosophy angeboten wurde. Hier konnte er seine Interessen an der Religion, Metaphysik und Philosophie mit seiner wissenschaftlichen Forschung verbinden. Hier forschte er auch an Trypanosoma cruzi, dem Erreger der Chagas-Krankheit.

Seine Forschungsschwerpunkte sind:

  • Untersuchung von DNA- und Proteinsequenzen um die Geschichte und den zeitlichen Ablauf der Evolution zu bestimmen (molekulare Uhr)
  • Untersuchung der Populationsstruktur und Evolution von parasitischen Einzellern, wie den Erregern von Malaria und der Chagas-Krankheit
  • Untersuchung der Genregulation, Evolution von Pseudogenen, Herkunft und Evolution von Introns
  • philosophische Betrachtungen über Wissenschaft (Biologie), Ethik und Religion.

Ayala war seit 1992 ein Mitglied in Präsident Clintons „Scientific Advisory Committee“. Von 1994 bis 2001 war er Präsident der „American Association for the Advancement of Science“ (AAAS). Von 1994 bis 2001 war er im „Committee of Advisors on Science and Technology“ des amerikanischen Präsidenten. Er ist Autor von mehr als 700 Artikeln und 15 Büchern.

Ayala gilt als Kritiker der religiös-fundamentalistisch motivierten Intelligent-Design-Bewegung. Diese von ihren Vertretern als Theorie bezeichnete Idee sei voll von Fehlern. Der Aufbau von Organismen sei stattdessen nicht das, was von einem intelligenten Designer zu erwarten wäre, sondern unvollkommen und schlechter. Mängel, Störungen, Seltsamkeiten, Verschwendung und Grausamkeit würden die Welt des Lebens durchziehen. All dies lasse sich am besten mit der biologischen Evolution erklären.[1] 2010 erhielt Ayala den Templeton-Preis.

Ehrungen

  • 1979: Medal of the College of France
  • 1980: National Academy of Sciences
  • 1987: Scientific Freedom and Responsibility Award from the AAAS
  • 1994: Gold Honorary Gregor Mendel Medal, Czech Academy of Sciences
  • 1994–2001: Präsident der American Academy of Arts & Sciences (AAAS)
  • 1995: President's Award of the American Institute of Biological Sciences
  • 1995: UCI Medal, University of California
  • 1998: Distinguished Scientist Award from the Society for the Advancement of Chicanos and Native Americans in Science SACNAS
  • 1998: 150th Anniversary Leadership Medal, American Association for the Advancement of Science
  • 2000: Gold Medal of the Accademia Nazionale dei Lincei (Rom)
  • Gold Medal of the Stazione Zoologica (Neapel)
  • 2000: Gold Medal of the National Academy of Sciences of Italy
  • 2000: William Procter Prize for Scientific Achievement (Sigma Xi)
  • 2001: U.S. National Medal Of Science
  • 2003: Gold Medal, Stazione Zoologica Naples (Italien)
  • 2003–2006: President Elect, President, and Past President, Sigma Xi, “The Scientific Research Society.”
  • 2010: Templeton-Preis
Ehrendoktorwürden
  • 1991: Universities of Athens (Griechenland)
  • 2000: Bologna (Italien)
  • Barcelona (1986), Balearen (1997), León (1982), Madrid (1986), Valencia (1999) und Vigo (1996) (Spanien)
  • Wladiwostok („Far East National University“), Russland
  • Masaryk University (Brno, Tschechische Republik)
Mitglied
  • U.S. National Academy of Sciences
  • American Academy of Arts and Sciences (1977)
  • American Philosophical Society
  • American Association for the Advancement of Science
  • California Academy of Sciences
  • Genetics Society of America
  • Society for the Study of Evolution
  • Sigma Xi, The Scientific Research Society
  • Guggenheim-Stipendium (1977, 1978)
  • Fulbright Fellow (1979, 1981)
  • Russian Academy of Sciences (1994)
  • Royal Academy of Sciences of Spain
  • World Institute of Science (1997)
  • Accademia Nazionale dei Lincei (Rom) (1998)
  • Mexican Academy of Sciences
  • Latin American Institute for Advanced Studies
  • Serbian Academy of Arts and Sciences

Veröffentlichungen

  • Studies in the Philosophy of Biology (1974)
  • Molecular Evolution (1976)
  • Evolution (1977)
  • Evolving: The Theory and Processes of Organic Evolution (1979)
  • Population and Evolutionary Genetics: A Primer (1982).
  • Modern Genetics (second edition, 1984)
  • Tempo and Mode in Evolution (1995)
  • Genetics and The Origin of Species (1997)
  • Variation and Evolution in Plants and Microorganisms (2000)

Weblinks

Einzelnachweise

  1. http://news.bbc.co.uk/2/hi/europe/7920205.stm

Diese Artikel könnten dir auch gefallen

Die letzten News

22.01.2021
Ethologie | Primatologie
Befreundete Schimpansen kämpfen gemeinsam gegen Rivalen
Menschen kooperieren in großen Gruppen miteinander, um Territorien zu verteidigen oder Krieg zu führen.
22.01.2021
Ökologie | Neobiota
Invasion: Bedrohung durch den Afrikanischen Krallenfrosch wesentlich größer als gedacht
Ein internationales Forscherteam um die beiden Herpetologen Philipp Ginal und Dennis Rödder vom Zoologischen Forschungsmuseum Koenig – Leibniz-Institut für Biodiversität der Tiere (ZFMK, Museum Koenig) nutzen einen neuen Ansatz zur Abschätzung des invasiven Potenzials einer Art.
22.01.2021
Neurobiologie
Grösse von Nervenverbindungen bestimmt Stärke des Signals
Nervenzellen kommunizieren miteinander via Synapsen.
22.01.2021
Mykologie | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Getreidelagerung: Naturstoffe wirksamer als chemische Insektizide
Senckenberg-Wissenschaftler Thomas Schmitt hat die Wirksamkeit von Kieselerde und einem parasitischen Pilz als Schutz vor Schadinsekten an Getreide im Vergleich zu einem chemischen Insektizid untersucht.
22.01.2021
Biotechnologie | Insektenkunde
Bioinspirierte Robotik: Von Libellen lernen
Forschungsteam der Uni Kiel entschlüsselt Fangapparat der aquatischen Jäger.
20.01.2021
Genetik | Evolution
Was das Genom des Lungenfischs über die Landeroberung der Wirbeltiere verrät
Das vollständig sequenzierte Genom des Australischen Lungenfisches ist das größte sequenzierte Tiergenom und hilft, den Landgang der Wirbeltiere besser zu verstehen.
20.01.2021
Zoologie | Ethologie
Weniger gestresst: Hochrangige Hyänenmännchen haben bei Weibchen beste Chancen
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) haben herausgefunden, dass die Interaktion mit anderen Männchen für rangniedrige Tüpfelhyänenmännchen "stressiger" ist als für hochrangige.
18.01.2021
Zytologie | Entwicklungsbiologie
Die ersten Löwen-Embryonen aus eingefrorenen Eizellen
E
18.01.2021
Mikrobiologie | Biochemie | Biotechnologie
Mikroorganismus baut Phenol unter extremen Bedingungen ab
Forschende vom Leibniz-Institut DSMZ in Braunschweig haben den Abbau von Phenol durch Saccharolobus solfataricus charakterisiert.
18.01.2021
Physiologie | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Methanausstoß von Milchkühen messen
Wissenschaftler des Instituts für Nutztierbiologie Dummerstorf haben ein neues Verfahren zur Vorhersage des Methanausstoßes einer Milchkuh entwickelt.
18.01.2021
Zoologie | Genetik | Ethologie
Berliner Igel bilden keine genetisch isolierten Bestände
Igel leben sowohl auf dem Lande als auch in größeren Städten.
16.01.2021
Botanik | Taxonomie
Die einzigartige Flora Neukaledoniens
Sieben neue Arten der Hundsgiftgewächse (Apocynaceae) haben Forscher*innen der Universität Bayreuth in Neukaledonien entdeckt. Auf den Spuren des britischen Entdeckers James Cook untersuchten sie im Frühjahr 2019 die Flora auf der Inselgruppe im Südwestpazifik.
16.01.2021
Taxonomie | Fischkunde
Neue Fischgattung aus Indien: Der Kiemenschlitzaal
Senckenberg-Wissenschaftler Ralf Britz hat gemeinsam mit internationalen Kolleg*innen eine neue Fischgattung beschrieben.
16.01.2021
Anthropologie
Wo man lebt, prägt das Verhalten
Je nachdem, wo auf der Welt sie leben, organisieren Menschen aus Jäger- und Sammlergesellschaften sich ihr Leben zum Beispiel bei der Nahrungssuche, Fortpflanzung, Betreuung des Nachwuchses und sogar hinsichtlich ihres sozialen Umfelds ähnlich wie Säugetier- und Vogelarten, mit denen sie ihren Lebensraum teilen.
16.01.2021
Ökologie | Biochemie
Wie Pflanzen Abwehrgifte bilden ohne sich selbst zu schaden
In einer neuen Studie klären Forschende des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie und der Universität Münster die Biosynthese und genaue Wirkungsweise von Diterpen-Glykosiden in wilden Tabakpflanzen auf.
13.01.2021
Zoologie | Ethologie | Meeresbiologie
Kegelrobben fressen Seehunde, Schweinswale – und ihre Artgenossen
Kegelrobben (Halichoerus grypus) sind Deutschlands größte freilebende Raubtiere. Viele Feriengäste kennen das Bild, wenn sie auf Helgoland am Strand oder in anderen Nordseeregionen auf Sandbänken liegen – friedlich nebeneinander oder neben Seehunden.
12.01.2021
Botanik | Ökologie | Insektenkunde
Schmetterling beweist: Karpaten waren in der Eiszeit teilweise bewaldet
Senckenberg-Wissenschaftler haben die Rückzugsorte des Tagfalters Erebia aethiops während der letzten Eiszeit in Europa untersucht.
12.01.2021
Mikrobiologie | Biochemie
Bakterium produziert pharmazeutische Allzweckwaffe
Ein Wirkstoff aus den Blättern einer Zierpflanze gilt seit einigen Jahren als möglicher Vorreiter einer neuen Gruppe potenter Medikamente.
11.01.2021
Zoologie | Physiologie | Video
Neon-grünes Leuchten beim Wüstengecko
Forschende der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM), der LMU und der Hochschule München haben entdeckt, dass der Wüstengecko Pachydactylus rangei aus Namibia unter UV-Licht stark neon-grün fluoreszierende Streifen an den Körperseiten und um die Augen zeigt.
11.01.2021
Ethologie | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Ziegen mögen Denksport
Wissenschaftler untersuchten in einem Deutsch-Schweizer Projekt die Lernfähigkeit von Ziegen.
09.01.2021
Ethologie | Neurobiologie
Schlaf für Erholung des Gehirns unersetzlich
Forscher*innen des Universitätsklinikums Freiburg weisen erstmals direkt nach, dass während des Schlafens im Gehirn aktive Erholungsprozesse ablaufen, die sich nicht durch Ruhe ersetzen lassen. Die Erkenntnisse sind relevant für optimale Leistung.
07.01.2021
Ökologie | Biodiversität
Starker Rückgang einer einst zahlreichen Tierart
Eine erneute Untersuchung der Puku-Antilopen im Kasanka Nationalpark in Sambia dokumentiert einen starken Rückgang.
07.01.2021
Ethologie | Video | Primatologie
Guineapaviane grunzen mit Akzent
Vokales Lernen führt zur Anpassung der Lautstruktur in einer mehrstufigen Pavian-Gesellschaft.
07.01.2021
Klimawandel | Meeresbiologie
Das neue Gesicht der Antarktis
Die Antarktis könnte künftig ergrünen und von neuen Arten besiedelt werden. Andererseits dürften Spezies verschwinden.
07.01.2021
Klimawandel | Meeresbiologie | Neobiota
Biodiversitäts-Kollaps im östlichen Mittelmeer
Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Paolo G.