His-Bündel

blau: Sinusknoten, rot: AV-Knoten, His-Bündel, Tawara-Schenkel und Purkinje-Fasern

Das His-Bündel (lat. fasciculus atrioventricularis), benannt nach dem Internisten Wilhelm His, ist ein Bestandteil des Erregungsleitungssystems. Es liegt distal des Atrioventrikularknotens in Richtung der Herzspitze.

Anatomie

Das 0,5 bis 0,8 cm lange His-Bündel durchbohrt als normalerweise einzige muskuläre Brücke zwischen Vorhöfen und Kammern das Herzskelett. Es teilt sich in einen rechten und linken Schenkel (Tawara-Schenkel), die rechts und links der Herzscheidewand verlaufen und in die Purkinje-Fasern auslaufen.

Histologie

Histologisch besteht das His-Bündel aus einer Ansammlung spezieller Herzmuskelzellen. Diese haben die Fähigkeit, die Erregung weiter zu leiten und zur spontanen Depolarisation, wobei die Frequenz beim Menschen mit 20–30 Schlägen pro Minute wesentlich geringer ist als beim Sinusknoten (Nodus sinuatrialis) oder beim Atrioventrikularknoten (Nodus atrioventricularis).

Funktion

Im Sinusknoten entsteht die Erregung und gelangt zum Atrioventrikularknoten. Zwischen den beiden Knoten besteht keine direkte Verbindung, so dass die Erregungsübertragung hier über Herzmuskelzellen erfolgt. Von dort gelangt die Erregung zum His-Bündel und von dort über die Tawara- Schenkel in die Purkinje-Fasern. Auch alle anderen Bestandteile des Erregungsleitungssystem haben die Fähigkeit zur spontanen Depolarisation. Da im Sinusknoten die Erregungsbildung schneller abläuft, drängt er allen anderen Teilen des Erregungsleitungssystems seine höhere Frequenz auf, so dass ihre Fähigkeit im Normalfall nicht zum Tragen kommt. Sollte aber der Sinus- und der Atrioventrikularknoten ausfallen, so bildet das His-Bündel einen eigenen Rhythmus von 20–30 Erregungen pro Minute. Das wird auch als Kammerersatzrhythmus bezeichnet.

Funktionsstörungen

Eine Funktionsstörung ist z. B. der His-Bündel-Block. Das ist eine Herzrhythmusstörung durch ischämische, entzündliche oder primär degenerative Erkrankung des His-Bündels. Eine sehr seltene Funktionsstörung bei Neugeborenen, außer nach einer Herzoperation, ist die junktionale ektopische Tachykardie oder His-Bündel-Tachykardie. Sie ist elektrokardiografisch durch eine Tachykardie mit normalen Kammerkomplexen bei atrioventrikulärer Dissoziation gekennzeichnet. Außerdem beruht sie auf einem im His-Bündel gelegenen ektopischen Schwerpunkt.

Literatur

  • Waldeyer: Anatomie des Menschen, de Gruyter, Berlin 2003, ISBN 3110165619 S. 869f.

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