Important Bird Area

Important Bird Areas (IBA) sind Gebiete, die nach globalen Kriterien als wichtig für den Arten- und Biotopschutz speziell für Vögel eingestuft werden. Das Programm wurde Ende der 1970er Jahre vom Welt-Dachverband der Vogelschutzverbände BirdLife International ins Leben gerufen und ist eine nichtstaatliche Naturschutzinitiative. Die Gebiete werden durch die nationalen Mitgliedsorganisationen von BirdLife unabhängig von einer staatlichen Ausweisung als Naturschutzgebiet gelistet und dienen unter anderem als Vorschlagslisten für künftige Schutzgebietsausweisungen oder erhöhte Schutzanordnungen.

Die erste Liste wurde 1981 veröffentlicht, 2004 gab es rund 7500 IBAs in annähernd 170 Staaten der Erde, Ende 2008 lag die Zahl bei etwa 10.000.

Kriterien

Vier Kriterien können zur Einstufung von Important Bird Areas herangezogen werden:[1]

A1 – Global vom Aussterben bedrohte Arten

Gelistet werden alle Gebiete, in denen eine Population von Vogelarten nachgewiesen oder vermutet wird, die auf der Roten Liste der Weltnaturschutzorganisation IUCN als vom Aussterben bedroht, stark gefährdet oder gefährdet ausgewiesen sind. Bei vom Aussterben bedrohten oder stark gefährdeten Arten kann ein regelmäßiger Nachweis im Gebiet reichen, auch wenn keine Brut oder ein längerer Aufenthalt belegt ist. Bei gefährdeten Arten hängt die Einstufung vom Nachweis mehrerer Arten ab, der Schwellenwert wird regional festgelegt.

A2 – Arten mit beschränktem Verbreitungsgebiet

Gebiete werden als IBA ausgewiesen, wenn sie eine besondere Bedeutung für Arten mit geographisch beschränktem Verbreitungsgebiet haben.

A3 – Arten mit beschränkten Biotopanforderungen

Arten, die innerhalb eines großen Verbreitungsgebietes auf bestimmte Biotoptypen angewiesen sind, können die Einstufung solcher Gebiete auslösen, die eine besondere Bedeutung für diese Arten haben. Dies gilt insbesondere, wenn die Art von den anderen Kriterien nicht erfasst wird.

A4 – Bündelung von Wasser-, Meeres- oder Zugvögeln

Insbesondere bei Wasser-, Meeres- und Zugvögeln versammeln sich einige Arten zu bestimmten Jahreszeiten an wenigen Orten mit für diese Arten existentieller Bedeutung. Daher werden Gebiete als IBA eingestuft, in denen sich

  • Wasservögel: mehr als 1 % der Individuen einer Großregion gemäß den Kriterien der Ramsar-Konvention [über Feuchtgebiete, insbesondere als Lebensraum für Wasser- und Watvögel, von internationaler Bedeutung]
  • Meeresvögel: mehr als 1 % des Weltbestandes
  • über 20.000 Individuen an Wasservögeln oder mehr als 10.000 Paare Meeresvögel (jeweils einer oder mehrerer Arten kumuliert) gleichzeitig aufhalten oder
  • die von über 5000 Störchen oder über 3000 Greifvögeln oder Kranichen auf dem Vogelzug passiert werden.

Europa ist aufgrund gut organisierter Naturschutzverbände und der flächendeckenden wissenschaftlichen Datenbasis führend. Etwa die Hälfte aller IBAs liegen in Europa. Für europäische Listungen wurden deshalb seit den 1990er Jahren besondere Kriterien erarbeitet.[2] Spezielle Kriterien gibt es wegen der besonderen Bündelungswirkung von Feuchtgebieten und weniger Vogelzugrouten in der Region inzwischen auch für den Nahen Osten.[3]

Bedeutung des Programms

Important Bird Areas bilden eine wesentliche Grundlage für die Ausweisung von Europäischen Vogelschutzgebieten nach der EWG-Vogelschutzrichtlinie, die wiederum in das Programm Natura 2000 der Europäischen Union einbezogen werden. Der Europäische Gerichtshof und nationale Obergerichte haben mehrfach die Umsetzung europäischen Naturschutzrechts danach beurteilt, ob IBAs unter staatlichen Schutz gestellt wurden.[4] Europäische Naturschutzverbände nutzten die bestehenden Listen von IBAs gegenüber der Europäischen Kommission als Instrument um politischen Druck auf Mitgliedsstaaten auszuüben, die der Verpflichtung zur Ausweisung von Schutzgebieten nicht nachkommen wollten.[5]

Siehe auch

  • Key Biodiversity Areas

Weblinks

Einzelnachweise

  1. BirdLife International: Global Criteria
  2. BirdLife International: European IBA
  3. BirdLife International: Middle East IBA
  4. EuGH, Urteil vom 20. September 2007 – C-388/ 05: Kommission der Europäischen Union gegen Italien (mwN)
  5. Akademie des Naturschutzbunds Deutschland: FFH-Richtlinie

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