Kabuler Zoo

Kabuls Zoo – Außenansicht

Der Kabuler Zoo (persisch ‏ باغ وحش کابل‎ Bāgh-e Vahsch-e Kābol) wurde im Jahr 1967 in Kabul (Afghanistan) eröffnet und legte seinen Schwerpunkt auf die inländische Tierwelt.

Im Jahr 1972 lag die Zahl der Besucher bei 150.000. Der Zoo hatte insgesamt 116 Tiere, die von 60 Mitarbeitern gepflegt wurden. Ausländer zahlten den zehnfachen Eintritt, der normalerweise 10 Afghani beträgt.[1] Durch den Bürgerkrieg in den 1990er Jahren wurde der Zoo wesentlich beschädigt, die Tiere wurden weitgehend getötet. Erst in den letzten Jahren wurde der Zoo wieder teilweise hergerichtet. Aktuell befinden sich etwa 34 Tierarten und die Statue eines Löwen im Zoo.

Geschichte

Der Zoo wurde 1967 am Ufer des Flusses Kabul großflächig angelegt. Hierfür war von dem damaligen Prinz Nadir ein Komitee für zoologische Projekte einberufen worden, das in Zusammenarbeit mit der Fakultät für Naturwissenschaften der Universität Kabul sowie dem deutschen Zoologen und damaligen Präsidenten der World Zoo Organization Gunther Nogge die Aufbauarbeiten leitete.

1972 verfügte der Zoo über 32 Arten von Säugetieren, 85 Vogelarten und vier Spezies von Reptilien. Insgesamt beherbergte der Zoo 417 Tiere, von denen einige von der IUCN auf der Roten Liste gefährdeter Arten geführt wurden. Zu den Geschenken auswärtiger Zoos zählten unter anderem ein Tigerpaar (Kölner Zoo), ein junger weiblicher Elefant (vom indischen Präsidenten Giri), ein Löwen- und Bärenpaar (neben weiteren Tieren) (China) sowie der allgemeine Zooliebling Marjan, ein männlicher Löwe (Kölner Zoo).

Der Zoo litt deutlich an den lang anhaltenden Gefechten im Land. Die Nahrungsmittel der Tiere gingen an die Machthaber, Mudschaheddin erschossen den einzigen Elefanten des Zoos und die meisten der Wildtiere, um diese zu essen.[2]

Aktuelle Situation

2010 befindet sich das einzige Schwein Afghanistans, ein Geschenk Chinas, im Kabuler Zoo. Der Zoo verfügt momentan über 36 Fisch- sowie 42 Vogel- und Säugetierarten und zieht pro Wochenende bis zu zehntausend Besucher an. Er gilt als einer der wenigen Plätze in Kabul, an dem sich Männer und Frauen gemeinsam aufhalten dürfen. Für die Kinder gibt es am Spielplatz ein kleines Riesenrad und eine Schiffsschaukel. Ein beliebtes Motiv für Erinnerungsfotos ist die von China spendierte bronzefarbene Statue eines Löwen.[2]

Die Wiederherstellung und Erweiterung des Zoos wird seit 2001 durch mehrere internationale Organisationen, darunter die World Society for the Protection of Animals, die amerikanische Association of Zoos and Aquariums und der North Carolina Zoo[3], mit Futter für die Tiere, Medikamente und tierärztliche Betreuung unterstützt.[4]

Tiere

Zu den Tieren, die im Kabuler Zoo betrachtet werden konnten, zählten 1972 noch seltene Arten wie der Kaspische Tiger, der Schneeleopard, der Manul, die Bengalkatze oder der Bucharahirsch. Hinzu kamen Murmeltiere, die Kropfgazelle, der Luchs, die Streifenhyäne, der Braunbär und der Asiatische Schwarzbär sowie Vogelarten wie Fasane, Papageien, Königshühner, die Rostgans und Flamingos.

2010 leben im Zoo unter anderem zwei Löwen (ein aktuelles Geschenk Chinas), einige Bären, Affen, Wildschweine, Schakale und diverse Vogelarten.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. The Survival Guide to Kabul - What to see, Stand 2003 mit Fotos zerstörter Gehege (englisch)
  2. 2,0 2,1 Artikel Es lebt ein Schwein in Afghanistan (von Tobis Matern), Süddeutsche Zeitung, 4. März 2010, S. 10; Golnar Motevalli: Afghanistan's only pig quarantined in flu fear, auf reuters.com
  3. Info des North Carolina Zoos
  4. Kabul Zoo provides a haven for humans, 11. Januar 2010 Los Angeles Times (engl.), abgerufen am 8. März 2010

34.50944444444469.155277777778Koordinaten: 34° 30′ 34″ N, 69° 9′ 19″ O

Diese Artikel könnten dir auch gefallen

Die News der letzten 7 Tage

31.07.2021
Ökologie | Neobiota
Teure Invasoren
Wissenschaftlerinnen haben die durch invasive Arten entstandenen Kosten in Europa und Deutschland untersucht.
31.07.2021
Anthropologie | Neurobiologie
Lernpausen sind gut fürs Gedächtnis
Wir können uns Dinge länger merken, wenn wir während des Lernens Pausen einlegen.
31.07.2021
Botanik | Immunologie | Parasitologie
Eichenwälder widerstandsfähiger machen
Kahlgefressene Eichen sind ein Bild, das in den letzten Jahren immer wieder zu sehen war. Verursacher sind häufig die massenhaft auftretenden Raupen des Eichenwicklers.
29.07.2021
Ökologie | Toxikologie
Wasser blau – Badestrand grün
Viele klare Seen der Welt sind von einem neuen Phänomen betroffen: In Ufernähe, wo Menschen spielen oder schwimmen, ist der Seeboden mit grünen Algenteppichen bedeckt.
29.07.2021
Anatomie | Paläontologie
Patagonischer Langhalssaurier neu beleuchtet
Ein Team der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie (SNSB-BSPG) untersuchte im Rahmen einer Neubeschreibung die Überreste des Langhalssauriers Patagosaurus fariasi (175 Mio Jahre) aus Argentinien.
29.07.2021
Anthropologie | Virologie | Bionik, Biotechnologie, Biophysik
Hochwirksame und stabile Nanobodies stoppen SARS-CoV-2
Ein Forscherteam hat Mini-Antikörper entwickelt, die das Coronavirus SARS-CoV-2 und dessen gefährliche neue Varianten effizient ausschalten.
29.07.2021
Zytologie | Biochemie
Pflanzen haben ein molekulares „Gedächtnis“
Wie eine Pflanze wächst, hängt einerseits von ihrem genetischen Bauplan ab, zum anderen aber davon, wie die Umwelt molekulare und physiologische Prozesse beeinflusst.
29.07.2021
Ökologie | Bionik, Biotechnologie, Biophysik | Meeresbiologie
Forschungsfahrt: Hydrothermale Wolken in der Nähe der Azoren
Sie entstehen, wenn von glühendem Magma aufgeheizte Lösungen aus der Erdkruste in der Tiefsee austreten und auf kaltes Meerwasser treffen: Hydrothermale Wolken stecken voller Leben, sie versorgen die Ozeane mit Nährstoffen und Metallen.
28.07.2021
Physiologie | Bionik, Biotechnologie und Biophysik
Spurensuche im Kurzzeitgedächtnis des Auges
Was wir sehen, hinterlässt Spuren: Mit schnellen Bewegungen, sogenannten Sakkaden, springt unser Blick zwischen verschiedenen Orten hin und her, um möglichst scharf abzubilden, was sich vor unseren Augen abspielt.
27.07.2021
Bionik, Biotechnologie und Biophysik
Neue Möglichkeiten: Topologie in der biologischen Forschung
Ein aus Quantensystemen bekanntes Phänomen wurde nun auch im Zusammenhang mit biologischen Systemen beschrieben: In einer neuen Studie zeigen Forscher dass der Begriff des topologischen Schutzes auch für biochemische Netzwerke gelten kann.
27.07.2021
Anthropologie | Neurobiologie
Viel mehr als Gehen
Jahrzehntelang dachte man, dass ein Schlüsselbereich des Gehirns lediglich das Gehen reguliert.
26.07.2021
Ökologie | Paläontologie
Uralte Haizähne geben Hinweis auf eine globale Klimakrise
Die stete Drift der Kontinente formt nicht nur Gebirgszüge, sondern hat auch großen Einfluss auf die Tierwelt im Meer.
26.07.2021
Anatomie | Bionik, Biotechnologie und Biophysik | Bioinformatik
Wie tierische Sprinter enorme Spitzengeschwindigkeiten erreichen
Eine interdisziplinäre Forschungsgruppe hat ein physikalisches Modell entwickelt, um zu erforschen, von welchen Eigenschaften die maximale Laufgeschwindigkeit bei Tieren abhängig ist.
26.07.2021
Anthropologie | Zoologie | Ethologie
Hunde als „Gedankenleser“
Dass Hunde vielfach als der „beste Freund des Menschen“ bezeichnet werden, ist bekannt.
26.07.2021
Mikrobiologie | Genetik | Biochemie
RNA kontrolliert die Schutzhülle von Bakterien
Der Magenkeim Helicobacter pylori weiß, wie er sich gegen Angriffe des Immunsystems oder durch Antibiotika schützen kann.