Karl Michahelles

Georg Christian Karl Wilhelm Michahelles (* 5. Mai 1807 in Nürnberg; † 15. August 1834 in Nauplia, Griechenland) war ein deutscher Zoologe und Arzt aus Bayern.

Michahelles bereiste große Teile Dalmatiens und Kroatiens und eignete sich in dieser Zeit umfangreiches Wissen über die Vögel dieser Gegend an. Er starb im Alter von 27 Jahren in Griechenland, wo er die Tierwelt studierte und als Arzt praktizierte. Er beschrieb, neben vielen anderen Mittelmeer-Vögeln, den Felsenkleiber (Sitta neumayer) und die Maskenschafstelze (Motacilla feldegg), die bei manchen Autoren auch als Unterart Motacilla flava feldegg betrachtet wird.

Außerdem ist er Erstbeschreiber der Gattung Rippenmolche (Pleurodeles) und der Art des Spanischen Rippenmolches (Pleurodeles waltl). Auf dem Gebiet der Herpetologie arbeitete er auch mit dem ebenfalls in München tätigen Johann Georg Wagler zusammen, den er mit einigen Beiträgen in dessen illustriertem Folioband Descriptiones et icones amphibiorum unterstützte.[1]

Die Mittelmeermöwe (Larus michahellis) wurde von Johann Friedrich Naumann (1780–1857) nach ihm benannt, indem er den Namen von Christoph Feldegg (1780–1845) übernahm.

„Eine andere (vielleicht die nämliche) Art lebt, nach Feldegg (s. Isis. Jahrg. 1832 X. S. 1107.) am adriatischen Meer, namentlich an der Küste von Dalmatien; er nennt sie L. Michahellis.[2]

Naumann konnte zu diesem Zeitpunkt nicht genau beurteilen, ob die neue Art dem Typusexemplar Feldeggs entsprach. So schrieb er:

„Ich sahe sie nur flüchtig im K.K. Naturalienkabinette zu Wien, habe sie auch jener des Berliner Museums gegenüber nicht vergleichen können, um mit Bestimmtheit zu sagen, ob beide identisch sind.[2]

Feldegg wiederum begründete die Namensgebung wie folgt:

„Soviel ich aber erfahren konnte, ist sie noch nirgends beschrieben, ich möchte daher, aus Rücksicht auf die großen Verdienste des Herrn Doctor Michahelles um die Naturgeschichte Dalmatiens, vorschlagen, dieser schönen Meve seinen Namen zu geben, unter welchem ich sie auch schon seit einigen Monaten, zur Unterscheidung von ihren nördlichen Anverwandten, in meiner Sammlung aufgestellt habe.[3]

Der Mainzer Notar und Ornithologe Carl Friedrich Bruch (1789–1857) nannte sie in Ahnlehnung an Feldegg Glaucus michahellesii.[4] In einem Nachbetrachtung zur Art widerlegte Johann Heinrich Blasius (1809-1870), dass es sich hierbei um eine für die Wissenschaft neue Art handle, sondern vielmehr um die in Dalmatien relativ häufige anzutreffende Silbermöwe (Larus argentatus) Pontoppidan, 1763.[5]

Werke

  •  Ueber einige Dalmatinische Vertebraten, die zugleich im westlichen Asien vorkommen. In: Isis von Oken. 1830, S. 809-820 (online, abgerufen am 26. August 2011).
  •  Das Malo di Scarlievo in historischer und pathologischer Hinsicht. J. M. Steinischen Buchhandlung, Nürnberg 1832 (online, abgerufen am 26. August 2011).
  • Neue südeuropäische Amphibien. In: Isis von Oken, XXIII, Leipzig 1830, S. 189–195, S. 806–809

Literatur

  •  August Hirsch, Ernst Julius Gurlt, Albrecht Wernich, Wilhelm Haberling, Franz Hübotter, Hermann Vierordt: Biographisches Lexikon der hervorragenden Ärzte aller Zeiten und Völker. Bd. 4, Urban & Schwarzenberg, München 1962.
  •  Carl Friedrich Bruch: Monographische Uebersicht der Gattung Larus Lin.. In: Journal für Ornithologie. Bd. 1, Nr. 2, 1953, S. 96-108 (online, abgerufen am 26. August 2011).
  •  Johann Heinrich Blasius: Beilage Nr. 13 Ornithologische Bemerkungen. In: Naumannia. Bd. 1, 1856, S. 475-484 (online, abgerufen am 26. August 2011).
  •  Christoph Feldegg in Carl Friedrich Bruch: Ornithologische Mittheilungen. In: Isis. 1832, S. 1105-1111 (online, abgerufen am 26. August 2011).
  •  Johann Friedrich Naumann: Naturgeschichte der Vögel Deutschlands: nach eigenen Erfahrungen entworfen. Bd. 10, Ernst Fleischer, Leipzig 1840 (online, abgerufen am 26. August 2011).

Einzelnachweise

  1. Josef F. schmidtler: Die Wurzeln einer bayrischen Herpetofaunistik im 18. und beginnenden 19. Jahrhundert. Zeitschrift für Feldherpetologie, 14, S. 93–119, 2007, S. 115
  2. 2,0 2,1 Johann Andreas Naumann, S. 382
  3. Christoph Feldegg, S. 1108
  4. Carl Friedrich Bruch, S. 101
  5. Johann Heinrich Blasius, S. 483f

Diese Artikel könnten dir auch gefallen

Die News der letzten 7 Tage

13.06.2021
Anthropologie | Virologie | Immunologie
Wie Viren Immunzellen zu Trojanischen Pferden machen
Zytomegalieviren programmieren Fresszellen der Lunge so um, dass sie selbst Viren produzieren und diese in der Lunge verbreiten.
13.06.2021
Bionik und Biotechnologie | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Zuckerhirse: Süßes Versprechen für die Umwelt
Zuckerhirse lässt sich zur Herstellung von Biogas, Biokraftstoffen und neuen Polymeren nutzen, zudem kann sie dazu beitragen, Phosphatdünger zu ersetzen.
13.06.2021
Botanik | Physiologie
Todesduft der Pfeifenwinde lockt Sargfliegen in die Blüten
Ein internationales Pflanzenforscherteam hat in einer neuen Studie eine ungewöhnliche und bisher unbekannte Fortpflanzungsstrategie bei Pflanzen entdeckt.
11.06.2021
Ökologie | Biodiversität | Meeresbiologie
Untermieter auf Manganknollen: Schwämme sorgen für Artenreichtum
Tief auf dem Meeresgrund lagern wertvolle Rohstoffe – beispielsweise Knollen aus Mangan, Eisen, Kobalt und Kupfer.
11.06.2021
Morphologie
Das Metallgebiss des Borstenwurms
Metallatome sind für die bemerkenswerte Stabilität von Borstenwurm-Kiefern verantwortlich, zeigen Experimente der TU Wien.
11.06.2021
Paläontologie | Entwicklungsbiologie
Versteinert: 99 Millionen Jahre alte Geburt
Einem Forschungsteam ein außergewöhnlicher Fund gelungen: Sie fanden eine fossile weibliche Landschnecke, die gemeinsam mit ihren fünf Jungtieren in einem 99 Millionen Jahre alten Bernstein eingeschlossen wurde.
09.06.2021
Genetik | Neurobiologie
Menschen-Gen macht Mäuse schlauer
Ein Gen, das nur beim Menschen vorkommt, führt bei Mäusen zu einem größeren Gehirn, erhöhter Flexibilität des Gedächtnisses und weniger Ängstlichkeit.
09.06.2021
Taxonomie
„Zombie-Frosch“ entdeckt
Senckenberg-Wissenschaftlerinnen haben mit einem internationalen Team drei neue Froscharten aus dem nördlichen Amazonasgebiet beschrieben.
09.06.2021
Klimawandel | Primatologie
Kein Platz für Menschenaffen
Der Klimawandel wird das Verbreitungsgebiet afrikanischer Menschenaffen in den nächsten 30 Jahren drastisch verkleinern.
07.06.2021
Ökologie | Klimawandel | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Art der Waldnutzung beeinflusst Lebensrhythmus der Wildpflanzen
Durch die Klimaerwärmung verschieben sich bei vielen Pflanzen die jahreszeitlichen Rhythmen, zum Beispiel die Blütezeit.
07.06.2021
Ethologie | Vogelkunde
Junge Seeadler bleiben länger im elterlichen Revier
Seeadler reagieren sensibel auf Störungen durch den Menschen, weshalb in unmittelbarer Umgebung der Horste forst- und landwirtschaftliche Nutzungen beschränkt sind.
07.06.2021
Ethologie | Vogelkunde
Vertrauen bei Rabenvögeln
Rabenvögel benutzen soziale Informationen, um sich vor Täuschung durch Artgenossen aus Nachbarterritorien zu schützen.