Lacantunia enigmatica

Lacantunia enigmatica
Systematik
Unterkohorte: Ostariophysi
Otophysi
Ordnung: Welsartige (Siluriformes)
Familie: Lacantuniidae
Gattung: Lacantunia
Art: Lacantunia enigmatica
Wissenschaftlicher Name der Familie
Lacantuniidae
Rodiles-Hernández, Hendrickson & Lundberg, 2005
Wissenschaftlicher Name der Gattung
Lacantunia
Rodiles-Hernández, Hendrickson & Lundberg, 2005
Wissenschaftlicher Name der Art
Lacantunia enigmatica
Rodiles-Hernández, Hendrickson & Lundberg, 2005

Lacantunia enigmatica ist eine Fischart aus der Ordnung der Welsartigen (Siluriformes), die endemisch im Flusssystem des Rio Lacantún einem Nebenfluss des Rio Usumacinta in Chiapas (Mexiko) vorkommt. Sie ist die einzige Art in der somit monotypischen Gattung Lacantunia. Der Gattungsname leitet sich von seinem Heimatgewässer ab, das Art-Epitheton enigmatica bedeutet so viel wie „rätselhaft“ und ist eine Anspielung auf die unerwartete Entdeckung der Art.

Merkmale

Lacantunia enigmatica hat einen mäßig gestreckten Körper, der vorne schwach, hinten stärker seitlich abgeflacht ist. Die Oberseite ist mittel- bis dunkelbraun und hat, bei größeren Exemplaren, kleine dunkle unregelmäßige Flecken. Die Unterseite der Fische ist sehr viel heller, weiß, cremefarben oder mittelgrau. Männchen von Lacantunia enigmatica erreichen eine Maximallänge von 42 cm, Weibchen bleiben nur wenig kleiner. Am Kopf hat Lacantunia vier Paare von Barteln.

Die Bauchflossen stehen etwas hinter der Körpermitte unterhalb der letzten Rückenflossenstrahlen, die Schwanzflosse ist abgerundet oder schließt gerade ab mit abgerundeten Ecken. Die Fettflosse ist lang und dick, sie beginnt etwa nach 70 % der Standardlänge, deutlich getrennt von der Rückenflosse.

Flossenformel: Dorsale II/8-10, Anale 22–26, Ventrale 6, Pectorale I/10-11

Die Wirbelsäule hat 55 bis 57 Wirbel, 22 bis 25 Präcaudalwirbel (vor dem Anus liegend) und 31 bis 33 Caudalwirbel (Schwanzwirbel). Der Webersche Apparat wurde von sechs Wirbeln und den Rippen des sechsten Wirbels gebildet.

Lebensweise

Lacantunia enigmatica lebt in tiefen Flussabschnitten mit Steinbett und Stromschnellen von Bergbächen. Die bisher gefangenen Exemplare wurden das ganze Jahr über gefangen, immer in der Nacht. Lacantunia enigmatica ernährt sich von Fischen, Krabben, Garnelen und großen Pflanzensamen.

Systematik

Lacantunia unterscheidet sich durch fünf autapomorphe Merkmale von allen anderen Welsen und wird deshalb in eine eigene Familie gestellt. Dazu gehören Merkmale der Schädelknochen, des Kiemenskelettes und der Schwimmblase.

Die nächsten Verwandten von Lacantunia sind sechs Familien von afrikanischen Welsen, die als „Big Africa“-Gruppe bezeichnet wird [1]. Schwestergruppe sind die Claroteidae. Die Trennung von seinen afrikanischen Verwandten, ermittelt mit der Methode der Molekularen Uhr soll sich vor etwa 94 bis 75 Millionen Jahren nach der Trennung von Afrika und Südamerika ereignet haben. Da die Verwandten alle Süßwasserfische sind, wird eine Ausbreitung der Ahnen von Lacantunia während der weltweiten Warmzeit in der späten Kreidezeit oder im frühen Tertiär über eine Landbrücke bei der heutigen Beringstraße in Erwägung gezogen. [2]

Literatur

  • Rodiles-Hernández, Rocío; Hendrickson, Dean A.; Lundberg, John G.; Humphries, Julian M. (2005): Lacantunia enigmatica (Teleostei: Siluriformes) a new and phylogenetically puzzling freshwater fish from Mesoamerica. Zootaxa 1000: 1–24. ISSN: 1175-5334. PDF

Einzelnachweise

  1. JP Sullivan, Lundberg JG; Hardman M: A phylogenetic analysis of the major groups of catfishes (Teleostei: Siluriformes) using rag1 and rag2 nuclear gene sequences. In: Mol Phylogenet Evol.. 41, Nr. 3, 2006, S. 636–62. doi:10.1016/j.ympev.2006.05.044.
  2. Lundberg, John G.; Sullivan, John P.; Rodiles-Hernández, Rocío; Hendrickson, Dean A. (June 2007): Discovery of African roots for the Mesoamerican Chiapas catfish, Lacantunia enigmatica, requires an ancient intercontinental passage. Proceedings of the Academy of Natural Sciences of Philadelphia 156: 39–53. doi:10.1635/0097-3157(2007)156[39:DOARFT]2.0.CO;2 PDF

Weblinks


Diese Artikel könnten dir auch gefallen

Die News der letzten 7 Tage

22.10.2021
Physiologie | Toxikologie | Insektenkunde
Summ-Summ-Summ, Pestizide schwirr´n herum
Was Rapsfelder und Obstplantagen schützt, bedeutet für manche Organismen den Tod: Insektizide und Fungizide werden in der Landwirtschaft gegen Schädlinge und Pilze eingesetzt.
21.10.2021
Mikrobiologie | Genetik | Virologie
Kampf gegen Viren mit austauschbaren Verteidigungsgenen
Bakterien verändern mobile Teile ihres Erbgutes sehr schnell, um Resistenzen gegen Viren zu entwickeln.
21.10.2021
Genetik | Säugetierkunde
Endlich geklärt: Die Herkunft der heutigen Hauspferde
Pferde wurden zuerst in der pontisch-kaspischen Steppe im Nordkaukasus domestiziert, bevor sie innerhalb weniger Jahrhunderte den Rest Eurasiens eroberten.
21.10.2021
Bionik, Biotechnologie, Biophysik | Entwicklungsbiologie | Säugetierkunde
Eizellenentnahme bei einem von zwei Nördlichen Breitmaulnashörnern eingestellt
Nach einer speziellen, umfassenden ethischen Risikobewertung hat das Team nun beschlossen, das ältere der beiden verbleibenden Weibchen – die 32-jährige Najin –, als Spenderin von Eizellen (Oozyten) in den Ruhestand zu schicken.
20.10.2021
Toxikologie | Insektenkunde | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Verheerende Auswirkungen von Insektenvernichtungsmittel
Neonicotinoide beeinflussen menschliche Neurone und schädigen potentiell somit nicht nur Insektenzellen, sie sind synthetisch hergestellte Wirkstoffe, die zur Bekämpfung von Insekten eingesetzt werden.
20.10.2021
Ethologie | Neurobiologie | Säugetierkunde
Findet Rico - „den ganz besonderen Hund“
Zwei Forscherinnen sind auf der Suche nach „dem einen ganz besonderen Hund“.