Nehemiah Grew

Nehemiah Grew.

Nehemiah Grew (* 26. September 1641 in Mancetter Parish, Warwickshire, England; † 25. März 1712 in London) war ein englischer Botaniker, Arzt und Physiologe.

Leben und Wirken

Grew studierte zunächst Philosophie an der Universität Cambridge, dann Medizin an der Universität Leiden, wo er 1671 zum Dr. med. promovierte. Er arbeitete nach seinem Studium als Arzt in Coventry, ab 1672 in London. Von 1677 bis 1679 amtierte er als Sekretär der Royal Society in London.

Grew beschäftigte sich sehr erfolgreich mit der Anatomie der Pflanzen, die ihn als Mikroskopiker bekannt machten und zählt zu den Begründern der Pflanzenanatomie. Er erkannte, dass Pflanzen aus Zellen aufgebaut sind. Er unterschied parenchymatisches Gewebe von den longitudinal gestreckten Faserformen, beschrieb die echten Gefäße und die saftführenden Kanäle und wies (gleichzeitig, jedoch wesentlich sorgsamer als Marcello Malpighi) die Zusammenlegung dieser Gewebeformen in den verschiedenen Organen der Pflanzen nach. Auch über den Bau der Spiralgefäße hatte er klarere Vorstellungen.

Mit seinem Mikroskop untersuchte er auch die Fortpflanzungsorgane der Pflanzen und beschrieb die von ihnen erzeugten Pollenkörner.

Grew entdeckte im übrigen, dass sich die Menschen in ihren Fingerabdrücken unterscheiden. Hierzu veröffentlichte er 1684 die erste Arbeit weltweit zu diesem Thema, wobei er charakteristische Merkmale wie Hautrillen, Furchen, Täler und Porenstrukturen der Fingerabdrücke erläuterte.

Ehrentaxon

Carl von Linné benannte Grew zu Ehren die Gattung der Sternbüsche (Grewia), die heute in die Pflanzenfamilie der Malvengewächse (Malvaceae) eingeordnet ist.[1][2][3]

Werke

  • 1682 : Anatomy of plants (erstes Lehrbuch der Pflanzenanatomie, das auch in französischer Übersetzung: Anatomie des plantes (1675) erschien.

Quellen

  • Meyers Konversationslexikon 1888–1889
  • Ilse Jahn (Hrsg.) et al.: Geschichte der Biologie. Spektrum 2000
  • Karl Mägdefrau: Geschichte der Botanik. Fischer 1992

Einzelnachweise

  1. Carl von Linné: Critica Botanica Leiden 1737, S. 93
  2. Carl von Linné: Hortus Cliffortianus. Leiden, 1737, S. 433; auf Grundlage einer Abbildung aus dem Hortus Malabaricus Band V, S. 91, Tafel 46 [1]
  3. Carl von Linné: Genera Plantarum. Leiden 1742, S. 439

Weblinks

 Commons: Nehemiah Grew – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
  • Eintrag im Archiv der Royal Society

Diese Artikel könnten dir auch gefallen

Die News der letzten 7 Tage

13.06.2021
Anthropologie | Virologie | Immunologie
Wie Viren Immunzellen zu Trojanischen Pferden machen
Zytomegalieviren programmieren Fresszellen der Lunge so um, dass sie selbst Viren produzieren und diese in der Lunge verbreiten.
13.06.2021
Bionik und Biotechnologie | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Zuckerhirse: Süßes Versprechen für die Umwelt
Zuckerhirse lässt sich zur Herstellung von Biogas, Biokraftstoffen und neuen Polymeren nutzen, zudem kann sie dazu beitragen, Phosphatdünger zu ersetzen.
13.06.2021
Botanik | Physiologie
Todesduft der Pfeifenwinde lockt Sargfliegen in die Blüten
Ein internationales Pflanzenforscherteam hat in einer neuen Studie eine ungewöhnliche und bisher unbekannte Fortpflanzungsstrategie bei Pflanzen entdeckt.
11.06.2021
Ökologie | Biodiversität | Meeresbiologie
Untermieter auf Manganknollen: Schwämme sorgen für Artenreichtum
Tief auf dem Meeresgrund lagern wertvolle Rohstoffe – beispielsweise Knollen aus Mangan, Eisen, Kobalt und Kupfer.
11.06.2021
Morphologie
Das Metallgebiss des Borstenwurms
Metallatome sind für die bemerkenswerte Stabilität von Borstenwurm-Kiefern verantwortlich, zeigen Experimente der TU Wien.
11.06.2021
Paläontologie | Entwicklungsbiologie
Versteinert: 99 Millionen Jahre alte Geburt
Einem Forschungsteam ein außergewöhnlicher Fund gelungen: Sie fanden eine fossile weibliche Landschnecke, die gemeinsam mit ihren fünf Jungtieren in einem 99 Millionen Jahre alten Bernstein eingeschlossen wurde.
09.06.2021
Genetik | Neurobiologie
Menschen-Gen macht Mäuse schlauer
Ein Gen, das nur beim Menschen vorkommt, führt bei Mäusen zu einem größeren Gehirn, erhöhter Flexibilität des Gedächtnisses und weniger Ängstlichkeit.
09.06.2021
Taxonomie
„Zombie-Frosch“ entdeckt
Senckenberg-Wissenschaftlerinnen haben mit einem internationalen Team drei neue Froscharten aus dem nördlichen Amazonasgebiet beschrieben.
09.06.2021
Klimawandel | Primatologie
Kein Platz für Menschenaffen
Der Klimawandel wird das Verbreitungsgebiet afrikanischer Menschenaffen in den nächsten 30 Jahren drastisch verkleinern.
07.06.2021
Ökologie | Klimawandel | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Art der Waldnutzung beeinflusst Lebensrhythmus der Wildpflanzen
Durch die Klimaerwärmung verschieben sich bei vielen Pflanzen die jahreszeitlichen Rhythmen, zum Beispiel die Blütezeit.
07.06.2021
Ethologie | Vogelkunde
Junge Seeadler bleiben länger im elterlichen Revier
Seeadler reagieren sensibel auf Störungen durch den Menschen, weshalb in unmittelbarer Umgebung der Horste forst- und landwirtschaftliche Nutzungen beschränkt sind.
07.06.2021
Ethologie | Vogelkunde
Vertrauen bei Rabenvögeln
Rabenvögel benutzen soziale Informationen, um sich vor Täuschung durch Artgenossen aus Nachbarterritorien zu schützen.