Nervus hypoglossus

Nervus hypoglossus des Menschen

Der Nervus hypoglossus (von griechisch hypo „unter“ und glossa „Zunge“) ist der XII. Hirnnerv. Er ist für die motorische Innervation der Zunge zuständig.

Verlauf

Der Kern des Nerven – Nucleus nervi hypoglossi – liegt in der Medulla oblongata, in der Rautengrube als Trigonum n. hypoglossi oberhalb des Trigonum n. vagi sichtbar. Im Sulcus praeolivaris tritt der Nerv an die Gehirnoberfläche und verlässt die Schädelhöhle durch den Canalis nervi hypoglossi. Dann verläuft der Nerv im Spatium parapharyngeum, später im Trigonum caroticum. Ventraläste der oberen Halsnerven, die später die obere Wurzel der Ansa cervicalis bilden, lagern sich ihm kurzzeitig an. Der Nervus hypoglossus selbst tritt von der Zungenunterseite her zwischen Musculus hyoglossus und Musculus mylohyoideus durch den Sulcus lateralis linguae in die Zunge ein und innerviert die inneren und äußeren Zungenmuskeln.

Hypoglossuslähmung

Hypoglossusparese links

Einseitige Schädigungen des Nerven führen zu einer halbseitigen Lähmung der Zunge und die Zunge weicht zur erkrankten Seite ab. Dabei können Schwierigkeiten bei der Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme auftreten. Beidseitige Schädigungen führen zu einer vollständigen Zungenlähmung, eine längere Schädigung zu einer Atrophie der Zungenmuskulatur.

Bei Tieren kann die Funktion des Nerven durch Herausziehen der Zunge getestet werden, wobei die Kraft beurteilt wird, mit der das Tier versucht, die Zunge zurückzuziehen. Bei Hunden kann man auch einfach die Nase anfeuchten, worauf das Tier normalerweise versuchen wird, diese abzulecken.

Literatur

  • Martin Trepel: Neuroanatomie. Struktur und Funktion. 3., neu bearbeitete Auflage. Urban & Fischer, München u. a. 2004, ISBN 3-437-41297-3.
  • Franz-Viktor Salomon: Nervensystem, Systema nervosum. In: Franz-Viktor Salomon, Hans Geyer, Uwe Gille (Hrsg.): Anatomie für die Tiermedizin. Enke, Stuttgart 2005, ISBN 3-8304-1007-7, S. 464–577.
  • Hamid Emminger, Thomas Kia (Hrsg.): Exaplan. Das Kompendium der klinischen Medizin. Band 1. 6. Auflage. Elsevier, Urban & Fischer, München 2010, ISBN 978-3-437-42463-2.

Die News der letzten Tage

02.12.2022
Ethologie | Säugetierkunde
Markierungsbäume von Geparden sind Hotspots der Kommunikation – auch für andere Tierarten
Markierungsbäume sind für Geparde wichtige Hotspots der Kommunikation: Dort tauschen sie über Duftmarken, Urin und Kot Informationen mit anderen und über andere Geparde aus.
02.12.2022
Land-, Forst-, Fisch- und Viehwirtschaft | Ökologie
DBU: Weltbodentag am 5. Dezember
Mittlerweile leben acht Milliarden Menschen auf der Welt und Ernährungssicherung wird zu einer dringendsten Herausforderungen unserer Zeit.
01.12.2022
Physiologie
Altern Frauen anders als Männer?
Studien an Fruchtfliegen zeigen, wie das biologische Geschlecht die Wirkung des derzeit vielversprechendsten Anti-Aging-Medikaments Rapamycin beeinflusst.
29.11.2022
Ethologie | Zoologie
Geschlechterrollen im Tierreich hängen vom Verhältnis von Weibchen und Männchen ab
Wie wählerisch sollten Weibchen und Männchen sein, wenn sie einen Partner auswählen?
28.11.2022
Ökologie | Paläontologie | Säugetierkunde
Fossil aus dem Allgäu: Biber leben seit mehr als 11 Millionen Jahren im Familen-Clan
Die Hammerschmiede im Allgäu, Fundstelle des Menschenaffen Danuvius, ist eine einmalige Fundgrube für Paläontologen: Bereits über 140 fossile Wirbeltierarten konnten hier geborgen werden.
28.11.2022
Anthropologie | Neurobiologie
Arbeitsgedächtnis: Vorbereitung auf das Unbekannte
Beim Arbeitsgedächtnis, oder auch Kurzeitgedächtnis genannt, galt lange die Theorie, dass seine Kernaufgabe die aktive Speicherung von Informationen über einen kurzen Zeitraum ist.
28.11.2022
Meeresbiologie | Ökologie
Offshore-Windparks verändern marine Ökosysteme
Der Ausbau von Offshore-Windparks in der Nordsee geht voran, doch die Konsequenzen für die marine Umwelt, in der sie errichtet werden, sind noch nicht vollständig erforscht.
25.11.2022
Evolution | Genetik | Neurobiologie
Was haben Oktopus und Mensch gemeinsam?
Kopffüßler sind hochintelligente Tiere mit komplexem Nervensystem, dessen Evolution mit der Entwicklung von auffällig viel neuer microRNA verbunden ist.
25.11.2022
Klimawandel | Ökologie
Der Klimawandel in den Wäldern Norddeutschlands
Immer mehr Bäume leiden an den Folgen des menschgemachten Klimawandels der vergangenen Jahrzehnte.
24.11.2022
Biochemie | Entwicklungsbiologie | Genetik
Das Erwecken des Genoms
Die Befruchtung einer Eizelle durch ein Spermium ist der Beginn neuen Lebens, die mütterliche und väterliche Erbinformation, die DNA, wird neu kombiniert und speichert den Aufbau des Lebewesens.
24.11.2022
Genetik | Mykologie | Taxonomie
Die Welt der Pilze revolutioniert
Ein internationales Forschungsteam hat unter den bisher bekannten Pilzen und Flechten eine neue Großgruppe identifiziert: Mithilfe von Genom-Sequenzierung konnte nachgewiesen werden, dass über 600 Arten einen gemeinsamen Ursprung haben.
24.11.2022
Insektenkunde | Ökologie
Vegetationsfreie Flächen fördern bodennistende Wildbienen
Über die Nistansprüche bodennistender Wildbienen ist bisher relativ wenig bekannt, obwohl Nistplätze für die Förderung der meisten Wildbienenarten von zentraler Bedeutung sind.