Osteochondrosis intervertebralis

Klassifikation nach ICD-10
M42.1- Osteochondrose der Wirbelsäule beim Erwachsenen
ICD-10 online (WHO-Version 2019)

Die Osteochondrose oder Osteochondrosis (inter)vertebralis („vertebra“ = Wirbel) ist eine Verschleißerkrankung der Wirbelsäule. Betroffen sind der Knochen („osteo“) der Wirbelkörper und der Knorpel („chondro“) der Bandscheiben. Es bilden sich Ausziehungen (Spondylophyten) an den Wirbeln. Die Bandscheiben verändern ihre Elastizität und Form. Die hiermit einhergehende Höhenminderung der Zwischenwirbelräume führt zu einem Verschleiß der Wirbelbogengelenke (Spondylarthrose).

Ursachen

Ein Verschleiß der Wirbelsäule tritt beim Menschen regelmäßig im Alter auf. Bedingt wird er durch die statische Belastung bei aufrechtem Gang und durch die hohe Lebenserwartung. Übergewicht und sonstige unangemessene Belastungen beschleunigen das Auftreten der Osteochondrose.

Anzeichen

Osteochondrose zwischen dem 4. und 5. Lendenwirbel

Röntgen

Die Formveränderung der Wirbelkörper im Sinne der Spondylophyten und die Minderung des Zwischenwirbelraums durch Höhenverlust der Bandscheiben sind im konventionellen Röntgenbild gut sichtbar. Auch der Verschleiß der Wirbelbogengelenke zeigt sich hier deutlich.

Kernspintomographie (MRT)

In der MRT können frühe Stadien der Osteochondrose, nämlich eine vermehrte Durchblutung des Knochenmarks nahe der Deckplatten der Wirbelkörper, sichtbar gemacht werden. Auch die später eintretende Umwandlung dieses Gewebes, die „fettige Degeneration“, zeigt sich hier. Die Formveränderung der Bandscheibe selbst kann so ebenfalls abgebildet werden, während sie im Röntgenbild nur indirekt über die Höhenminderung des Zwischenwirbelraums deutlich wird.

Klinische Zeichen

Die Osteochondrose bleibt oft klinisch stumm, das heißt, sie macht keine Beschwerden. Die Formveränderungen der Wirbelkörper und der Bandscheibe können aber zu einer Verengung des Rückenmarkkanals (Spinalstenose) oder am Austritt der Nerven aus der Wirbelsäule (Neuroforamina) führen. Das führt dann zu Schmerzen im Versorgungsgebiet des betroffenen Nervs, beispielsweise im Sinne der Ischialgie. Die Höhenminderung der Bandscheibe irritiert zudem das Gefüge der Wirbelgelenke, was ebenfalls Schmerzen auslöst.

Therapie

Die Osteochondrose der Wirbelsäule kann nicht rückgängig gemacht werden.

Konservativ

Bei akuten Beschwerden wird zunächst symptomatisch behandelt. Hier kommt physikalische Therapie, zum Beispiel Stufenbettlagerung, Wärme, Massagen, Streckbehandlung, Reizstrom) zur Anwendung. Unterstützt werden kann mit Medikamenten wie Schmerzmitteln (Analgetika), entzündungshemmenden Medikamenten (Antiphlogistika), Muskel entspannenden Medikamenten (Muskelrelaxanzien). Nur in Ausnahmefällen sind Hilfsmittel wie stabilisierende Mieder indiziert.

Im Sinne der Prophylaxe sinnvoller ist eine aktive Stabilisierung der betroffenen Region durch Aufschulung der Muskulatur. Das ist durch konsequente Krankengymnastik aber auch durch geeigneten Sport zu erreichen.

Am sinnvollsten und Voraussetzung für anhaltende Wirkung aller therapeutischen Bemühungen ist, Überlastungen der Wirbelsäule zu unterlassen. Das bedeutet in sehr vielen Fällen in erster Linie Gewichtsreduktion.

Operativ

Wenn die Osteochondrose schwerwiegende Nervenirritationen hervorruft, kann es notwendig werden, dem bedrängten Nerven operativ Platz zu schaffen – sei es durch Entfernung von Vorwölbungen oder Vorfällen von Bandscheibengewebe, sei es durch Abtragung von knöchernen Spondylophyten. In Einzelfällen kann es sinnvoll sein, den verengten Zwischenwirbelraum durch einen Platzhalter (Spacer) wieder zu erweitern.

Literatur

  • Wolfgang Noack: Die Bandscheibe, Praktische Orthopädie; Bd. 24, Georg Thieme Verlag, Stuttgart/New York, 1994, ISBN 3-13-129201-6
  • Carl Joachim Wirth: Praxis der Orthopädie, Georg Thieme Verlag, Stuttgart/New York, 2001, ISBN 3-13-125683-4
  • Joachim Brossmann, Christian Czerny, Jürgen Freyschmidt: Grenzen des Normalen und Anfänge des Pathologischen in der Radiologie des kindlichen und erwachsenen Skeletts, 13. Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart/New York, 2001, ISBN 3-13-362214-5

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