Pneumokokken-Impfung

Eine Pneumokokken-Impfung soll gegen die Haupterreger der infektiösen, bakteriellen Pneumonie, die Pneumokokken schützen. Pneumokokken sind für rund 25-40 % aller ambulant erworbenen Pneumonien und rund 8.000 - 12.000 Todesfälle im Jahr in Deutschland verantwortlich. Weltweit sterben jährlich geschätzt 826.000 Kinder unter sechs Jahren an Pneumokokkeninfektionen.[1]

Impfung bei Erwachsenen und chronisch Kranken

Die Impfung wird von der ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut allen Menschen über 60 Jahre, sowie darüber hinaus für immungeschwächte Patienten, aber auch für an chronischen Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Asthma, COPD, Nierenerkrankungen oder chronischen neurologischen Erkrankungen wie z. B. Anfallsleiden oder Zerebralparesen leidende Personen empfohlen und auch von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt.[2] Hierfür gibt es einen reinen Polysaccharid-Impfstoff, der 23 Pneumokokken-Serotypen abdeckt, jedoch erst ab dem zweiten Geburtstag zugelassenen ist, da Polysaccharid-Impfstoffe erst ab etwa zwei Jahren eine ausreichende Immunantwort erzielen.

Impfung bei Kindern

Empfehlungen STIKO

Seit Sommer 2006 wird die Impfung gegen Pneumokokken für alle Kinder bis zum zweiten Geburtstag - und nicht wie vorher nur bei Frühgeborenen oder geschwächten Babys - empfohlen und ebenfalls von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Zu diesem Zweck gibt es einen Konjugat-Impfstoff für Kinder von zwei Monaten bis fünf Jahren, der sieben Pneumokokken-Serotypen (PCV 7) abdeckt.

Verträglichkeit und Kombinationen

Untersuchungen liegen vor für die zeitgleiche Verabreichung des hexavalenten Kombinationsimpfstoffs Infanrix® hexa (DTPa-HB-IPV/Hib) und PCV7. Die kombinierte Gabe vermindert nicht die Immunogenität von PCV7, erhöht jedoch verglichen mit der alleinigen Gabe von Infanrix®hexa die Häufigkeit von Nebenwirkungen, insbesondere Fieber zum Teil über 38,5 °C. Wechselwirkungen und Verträglichkeit der Kombination mit anderen hexavalenten Impfstoffen ist nicht ausreichend untersucht.[3]

Wirkung

Da beide Impfstoffe nicht alle der etwa 80 pathogenen Pneumokokkenserotypen abdecken, bieten sie keine komplette Sicherheit vor Infektionen, jedoch deckt der 23-valente Impfstoff etwa 80 % der für typischerweise für Pneumokokken-bedingte Erkrankungen verantwortlichen Serotypen ab. Da die Verteilung der Serotypen im Kleinkindesalter sich etwas unterscheidet, deckt der 7-valente Impfstoff 50 bis 80 % der in diesem Alter für invasive Pneumokokkenerkrankungen verantwortlichen Erreger ab. Pneumokokkenpolysaccharid, der 23-valente Polysaccharid-Impfstoff deckt die Pneumokokken-Serotypen 1, 2, 3, 4, 5, 6B, 7F, 8, 9N, 9V, 10A, 11A, 12F, 14, 15B, 17F, 18C, 19F, 19A, 20, 22F, 23F, 33F ab. Der 7-valente Konjugatimpfstoff deckt hiervon nur einen Teil die Pneumokokken-Serotypen nämlich 4, 6B, 9V, 14, 18C, 19F und 23F ab. Bei ihm sind die Kapselpolysaccharide an das CRM197-Trägerprotein (Ein immunogener aber apathogener Teil des Diphtherietoxoids) gekoppelt und an Aluminiumorthophosphat adsorbiert.

Die Impfung erzeugt keine lebenslange Immunität, sondern muss z.B. im Falle des reinen Polysaccharid-Impfstoffes bei Kindern (bei fortbestehender Gefährdung) alle drei Jahre, bei Erwachsenen alle sechs Jahre wiederholt werden. Die Immunität gegen die sieben Serotypen des Konjugat-Impfstoffes lässt sich dabei durch den Polysacchardidimpfstoff boostern und um die 15 zusätzlichen Typen erweitern. Zum besonders gefährdeten Personenkreis zählen Patienten mit angeborenen oder erworbenen Immundefekten und chronischen Krankheiten (Herz, Kreislauf, Atmung, Nieren, Stoffwechsel/Diabetes, etc.). Bei Menschen über 60 Jahre ohne besondere Risikofaktoren kann erwogen werden, die Wiederholungsimpfung zur Senkung der lokalen Nebenwirkungsrate eventuell auch erst nach zehn Jahren durchzuführen.

Kritik

Ein Vorteil der Impfung gegenüber einer Behandlung mit Antibiotika soll sein, dass die Impfung auch dann gegen die durch den Impfstoff abgedeckten Serotypen schützt, wenn diese bereits Antibiotika-resistent sind. Zudem soll die Impfung präventiv wirken, das heißt sie soll die Erkrankung verhindern - im Gegensatz zum therapeutischen Ansatz von Antibiotika. In den USA hat sich nach der allgemeinen Einführung der Impfung neben einer Abnahme der Zahl von Pneumokokken-Infektionen auch eine verminderte Rate Penicillin-resistenter Pneumokokken gezeigt.

Die Wirksamkeit des Polysaccharidimpfstoffs wird kontrovers diskutiert.[4] Dabei wird übereinstimmend kein Schutz vor Pneumonien jeglicher Ursache und vor Tod gesehen, der Schutz gegen invasive Pneumokokken-Erkrankungen jedoch unterschiedlich bewertet.[5][6] Ferner wurde in einigen Ländern ein Anstieg der Pneumokokkenerkrankungen durch die nicht geimpften Serotypen festgestellt.[7]

Aufgrund der synergistischen Effekte der Pneumokokken und des Influenza-Virus und ähnlichem Risikoprofil der Erkrankten, wird empfohlen, den Pneumokokkenschutz durch eine jährliche Grippeimpfung zu ergänzen.[8]

Weblinks

Einzelnachweise

  1. O'Brien et.al. Burden of disease caused by Streptococcus pneumoniae in children younger than 5 years: global estimates. The Lancet, Volume 374, Issue 9693, Pages 893 - 902doi:
  2. Begründung der STIKO-Empfehlung zur Pneumokokken-Impfung (2001)
  3. Empfehlungen zur Pneumokokkenimpfung bei Kindern unter 5 Jahren S. 12f (PDF-Datei)
  4. Deutsches Ärzteblatt „Meta-Analyse: Pneumokokken-Impfung ohne Wirkung“ 6. Januar 2009
  5. Moberley SA, Holden J, Tatham DP, Andrews RM: Vaccines for preventing pneumococcal infection in adults. In: Cochrane Database Syst Rev. Nr. 1, 2008, S. CD000422. doi:10.1002/14651858.CD000422.pub2. PMID 18253977.
  6. Huss A, Scott P, Stuck AE, Trotter C, Egger M: Efficacy of pneumococcal vaccination in adults: a meta-analysis. In: CMAJ. 180, Nr. 1, Januar 2009, S. 48–58. doi:10.1503/cmaj.080734. PMID 19124790. Volltext bei PMC: 2612051.
  7. a-t 2009; 40: 27-9
  8. Christenson B, Hedlund J, Lundbergh P, Ortqvist A: Additive preventive effect of influenza and pneumococcal vaccines in elderly persons. In: Eur. Respir. J.. 23, Nr. 3, März 2004, S. 363–8. PMID 15065822.

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