Rotkropfarassari

Rotkropfarassari
Pteroglossus azara -Philadelphia Zoo, Pennsylvania, USA-6a.jpg

Rotkropfarassari (Pteroglossus azara)

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Spechtvögel (Piciformes)
Familie: Tukane (Ramphastidae)
Gattung: Schwarzarassaris (Pteroglossus)
Art: Rotkropfarassari
Wissenschaftlicher Name
Pteroglossus azara
(Vieillot, 1819)

Der Rotkropfarassari (Pteroglossus azara) ist eine Vogelart aus der Familie der Tukane. Die Art, die überwiegend in Wäldern der Tiefebene verbreitet ist, kommt ausschließlich in Südamerika vor. Die IUCN stuft den Rotkropfarassari als ungefährdet (least concern) ein.

Es werden drei Unterarten unterschieden.

Erscheinungsbild

Die Körperlänge adulter Rotkropfarassaris beträgt 36 bis 40 Zentimeter.[1] Die Männchen der Nominatform haben eine Flügellänge zwischen 11,7 und 13,3 Zentimeter. Der Schwanz misst 11,5 bis 13,2 Zentimeter. Die Schnabellänge beträgt zwischen 7,9 und 10,0 Zentimeter. Die Weibchen unterscheiden sich von den Männchen unter anderem durch ihren etwas kürzeren Schnabel. Die Schnabellänge bei ihnen beträgt 6,8 bis 8,7 Zentimeter.[2]

Adulte Männchen der Nominatform sind von der Stirn bis zum Nacken schwarz, die Kopf- und Nackenseiten sind dunkel kastanienrot. Die Körperoberseite ist dunkelrot, wobei die Federbasis grün ist. Dieses Grün ist vor allem in der Rückenmitte sichtbar, wo den Federn häufig die rote Spitze fehlt. Der übrige Rücken ist dunkelgrün und partiell blau überwaschen. Der Rumpf ist leuchtend rot, die Oberschwanzdecken sind grün. Der Schwanz ist im Verhältnis zur Körpergröße sehr lang und tiefgrün, auf der Unterseite hat er einen matten gelbgrünlichen Schimmer. Das Kinn und die Kehle sind dunkel kastanienbraun, an der unteren Kehle verläuft ein individuell verschieden breites schwarzes Band. Über die Brust verläuft ein breites rotes Band, dass bei einigen Individuen gelblich schimmert, wo es auf das schwarze Kehlband trifft. Über die Mitte der Brust verläuft ein breites schwarzes Band, das an den Körperseiten in ein dunkles Grün übergeht. Der Bauch ist gelb und hellt bei vielen Individuen am Körperende zu einem Weißgelb auf. Die Unterschwanzdecken sind blass gelb, bei einigen Individuen partiell auch Grün und in Ausnahmefällen auch rötlich.[3]

Der Oberschnabel ist gekrümmt und läuft in einer Spitze aus. Der Schnabel ist gelb bis elfenbeinfarben und weist eine dunkle Schneidenzahnung auf. Bei der Unterart P. a. mariae ist der Unterschnabel überwiegend orange, die Nominatform weist dagegen auf dem Oberschnabel partiell eine orange Färbung auf. Bei der Unterart P.a. flavirostris ist der Unterschnabel nur stellenweise orange. Die ungefiederte Gesichtshaut ist grau, graublau oder schieferfarben. Die Augen sind rot bis dunkelrot oder rotbraun. Die Füße und Beine sind grün bis olivfarben. Die Weibchen der Nominatform ähneln den Männchen, bei ihnen ist der Bereich von der Stirn bis zum Nacken jedoch nicht schwarz sondern dunkel kastanienfarben.

Der Rotkropfarassari kann nur mit anderen Schwarz- und Grünarassaris verwechselt werden. Von diesen Arten unterscheidet sich der Rotkropfarassari allerdings durch seine rot, schwarz und gelb gestreifte Körperunterseite und den überwiegend hornfarbenen Schnabel.

Verbreitungsgebiet und Lebensraum

Das Verbreitungsgebiet des Rotkropfarassarias ist sehr groß. Es erstreckt sich von Meta, Bolívar und dem Nordosten Guainías über den Westen Boliviens, Venezuelas entlang der Anden bis in den Osten von Ecuador und Ostperu bis in den Norden Boliviens und den Nordwesten Brasiliens östlich des Rio Madeira. Die Bestandsdichte ist regional verschieden, am oberen Orinoco ist der Rotkropfarassari die häufigste Tukanart. Die Höhenverbreitung reicht bis auf 350 Meter in Venezuela und bis auf 500 Meter in Kolumbien. In Ecuador wird er stellenweise noch bis in 1400 Metern Höhe und in Peru noch bis in 1370 Metern Höhe angetroffen. In Bolivien hält er sich unterhalb von 900 Höhenmetern auf.[4]

Sein Lebensraum sind feuchte bis sehr feuchte Wälder der Tiefebenen. Am Fuß der Anden kommt er auch noch im Übergang zu subtropischen Nebelwäldern vor. Er besiedelt außerdem Bambusdickichte an Flüssen, Sekundärwälder, Plantagen, Galeriewälder und Wälder in Savannen sowie Waldränder.

Lebensweise

Der Rotkropfarassari wird überwiegend in kleinen Trupps sowie paarweise beobachtet. Trupps umfassen bis zu fünf Individuen. Nach Nahrung sucht er überwiegend in den Baumwipfeln, kommt aber gelegentlich auch auf den Boden. Früchte stellen den größten Teil seiner Ernährung da, darüber hinaus frisst er aber auch Insekten.

Rotkropfarassaris sind Höhlenbrüter und brüten vermutlich überwiegend in aufgegebenen Spechthöhlen. Das Gelege umfasst zwei bis drei Eier. Diese haben eine elliptische Form und sind glänzend weiß. Über die Fortpflanzungsbiologie ist ansonsten nichts bekannt.[5]

Belege

Literatur

  • Werner Lantermann: Tukane und Arassaris. Filander Verlag, Fürth 2002, ISBN 3-930831-46-5
  • Lester L. Short und Jennifer F. M. Horne: Toucans, Barbets and Honeyguides - Ramphastidae, Capitonidae and Indicatoridae. Oxford University Press, Oxford 2001, ISBN 0-19-854666-1

Einzelbelege

  1. Lantermann, S: 128
  2. Short et al., S. 380
  3. Short et al., S. 379
  4. Short et al., S. 381
  5. Short et al., S. 381

Diese Artikel könnten dir auch gefallen

Die News der letzten 7 Tage

13.05.2021
Botanik | Klimawandel | Biodiversität | Bioinformatik
Mit Smartphones den ökologischen Wandel erfassen
Smartphone-Apps zur Pflanzenbestimmung wie „Flora Incognita“ können nicht nur Pflanzenarten erkennen, sie erfassen auch großräumige ökologische Muster.
13.05.2021
Genetik | Evolution | Immunologie
Neue Erkenntnisse über die Evolution des Immunsystems
Der menschliche Körper verfügt, wie alle anderen Lebewesen auch, über ein sogenanntes angeborenes Immunsystem.
13.05.2021
Toxikologie | Biochemie | Insektenkunde
Meerrettich-Erdfloh: Geschützt mit den Waffen seiner Nahrungspflanze
Wenn Meerrettich-Erdflöhe an ihren Wirtspflanzen fressen, nehmen sie nicht nur Nährstoffe, sondern auch Senfölglykoside, die charakteristischen Abwehrstoffe des Meerrettichs und anderer Kreuzblütengewächse, auf.
13.05.2021
Toxikologie | Insektenkunde | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Die Achillesferse eines Käfers: Glyphosat
Der Getreideplattkäfer lebt in enger Gemeinschaft mit symbiotischen Bakterien.
13.05.2021
Zoologie | Ökologie
Globaler Atlas soll große Tierwanderungen bewahren
Wildtiere soweit das Auge reicht: Millionen von Gnus ziehen gemeinsam mit Zebras, Gazellen und Antilopen durch das grüne Gras weiter Ebenen in Ostafrika.
11.05.2021
Zytologie | Physiologie | Bioinformatik
Wie man als Einzeller ans Ziel gelangt
Wie ist es ohne Gehirn und Nervensystem möglich, sich gezielt in die gewünschte Richtung zu bewegen? Einzellern gelingt dieses Kunststück offenbar problemlos.
11.05.2021
Ökologie
Studie zur Funktionsweise aquatischer Ökosysteme
Die Funktionen wassergeprägter Ökosysteme können durch hydrologische Schwankungen erheblich beeinflusst und verändert werden.
11.05.2021
Klimawandel | Meeresbiologie
Mit Bakterien gegen die Korallenbleiche
Korallen sind das Rückgrat mariner Ökosysteme der Tropen.
11.05.2021
Zoologie | Ökologie
Afrikanische Wildhunde als Botschafter für das weltweit grösste Naturschutzgebiet
Das weltweit grösste Landschutzgebiet liegt im Süden Afrikas und umfasst 52039000 Quadratkilometer in fünf Ländern.
10.05.2021
Physiologie
Orientierungssinn von Fledermäusen
Säugetiere sehen mit den Augen, hören mit den Ohren und riechen mit der Nase.