Louis Jean Pierre Vieillot

Louis Jean Pierre Vieillot (* 10. Mai 1748 in Yvetot in der Haute-Normandie; † 1831 in Rouen) war ein französischer Ornithologe. Vieillot beschrieb als erster eine Vielzahl von Vögeln, besonders die, die er auf seiner Karibik- und Nordamerika-Reise beobachtete. Immer noch sind 26 Vogelgattungen, die er publiziert hat, in wissenschaftlichem Gebrauch. Er war einer der ersten Ornithologen, die den Federwechsel im Besonderen und das Verhalten der Vögel in der Natur sowie deren Anatomie studierten. Sein offizielles biologisches Autorenkürzel lautet „Vieill.“.

Leben und Wirken

Vieillot wurde in Yvetot geboren. Er war geschäftlich auf der Insel Hispaniola tätig, die heute von Haïti und der Dominikanischen Republik geteilt wird. Während der Französischen Revolution musste er jedoch in die Vereinigten Staaten fliehen. Hier begann er die Vögel Nordamerikas für fast zehn Jahre zu studieren und sammelte Material für sein Werk Histoire naturelle des oiseaux de l'Amérique septentrionale (1807/08).

Er kehrte 1800 nach Frankreich zurück, wo er einen Posten als Autor des Bulletin des Lois bekam. Vieillot schrieb aber weiter über Vögel, er gab Histoire naturelle et générale des colibris, oiseaux-mouches, jacamars et promerops (1802) mit Illustrationen seines Freundes Jean-Baptiste Audebert heraus, gefolgt von Histoire naturelle des plus beaux oiseaux chanteurs de la zone torride (1805).

Mit Analyse d'une nouvelle ornithologie élémentaire (1816) entwickelte er die heute noch teils angewandte ornithologische Systematisierung, die er in weiteren Beiträgen im Nouveau Dictionnaire d'Histoire Naturelle (1816–1819) weiter fortsetzte und ausbaute. 1820 setzte er das 1790 von Pierre Joseph Bonnaterre begonnene Tableau encyclopédique et méthodique fort. Des Weiteren schrieb er auch Faune française (1820–30).[1]

Er starb in Armut in Rouen an der Seine.

Dedikationsnamen

Mit einigen zoologischen Namen wird Vieillots heute ehrenvoll gedacht, beispielsweise verwendete William Elford Leach 1815 im Artepitheton des Blutbrust-Bartvogels Lybius vieilloti[2] seinen Namen. Für ihn fand in der englischen Literatur auch der Trivialname Vieillot's Barbet Einzug. Charles Lucien Jules Laurent Bonaparte korrigierte 1850 in seinem Conspectus generum avium den Namen Saurothera vetula (Lafresnaye & Vieillot) zu Saurothera vieilloti für den Puerto-Rico-Kuckuck (Coccyzus vieilloti), da Linnaeus diesen bereits 1758 für den Jamaikakuckuck (Coccyzus vetula) verwendete.[3]

In seinem Oiseaux dorés ou à reflets métalliques aus dem Jahre 1802 beschrieb und illustrierte Vieillot den Kolibri L'Oiseau-mouche à ventre gris.[4] Dieser wurde 1812 von George Shaw als eigene Art erkannt und hat heute den Status einer Unterart der Zwergelfe (Mellisuga minima vielloti), die in englischer Literatur auch als Viellot's Hummingbird vorkommt.[5] Da Shaw den Namen beständig falsch schrieb, ist nach den Internationale Regeln für die Zoologische Nomenklatur die falsche Schreibweise des Namens heute gültig.[6] Auch Frédéric de Lafresnaye machte ihm mit dem wissenschaftlichen Namen einer Unterart des Zimttyrannen (Pyrrhomyias cinnamomeus vieillotioides) 1848 seine Aufwartung.[7] Mit dem Namen Tangara mexicana vieilloti, einer Unterart der Türkistangare, revidierte 1856 Philip Lutley Sclater eine Analyse von Bonaparte aus dem Jahr 1851 und ehrte den Mann der diese in seinem Nouveau Dictionnaire d'Histoire Naturelle als Tanagra flaviventris als Erster beschrieben hatte.[8]

Charles Payraudeau nannte 1826 in seinem Werk Catalogue descriptif et méthodique des annelides et des mollusques de l'ile de Corse eine Art der Kreiselschnecken Monodonta Vieillotii, die er dem Ornithologen Vieillot wiedmete.[9] Diese Art gilt heute als ungültiges Taxon und es könnte sich um ein Synonym für Clanculus cruciatus oder Homalopoma sanguineus handeln.

Werke (Auswahl)

  • Histoire naturelle des plus beaux oiseaux chanteurs de la zone torride. Dufour, Paris 1805.
  • Histoire naturelle des oiseaux de l'Amérique septentrionale. Desray, Paris 1807/08.
  • Analyse d'une nouvelle ornithologie élémentaire. d'Éterville, Paris 1816.
  • Mémoire pour servir à l'histoire des oiseaux d'Europe. Turin 1816.
  • Ornithologie. Lanoe, Paris 1818.
  • Faune française ou Histoire naturelle, générale et particulière des animaux qui se trouvent en France. Le Vrault & Rapet, Paris, Strasburg, Brüssel 1820–30.
  • La galerie des oiseaux du cabinet d'histoire naturelle du jardin du roi. Aillard & Constant-Chantpie, Paris 1822–25.
  • Ornithologie française ou Histoire naturelle, générale et particulière des oiseaux de France. Pelicier, Paris 1830.

Literatur

  •  Paul Henry Oehser: Louis Jean Pierre Vieillot (1748–1831). In: The Auk. Bd. 65, Nr. 4, 1948, S. 568-576 (online, abgerufen am 2. Oktober 2011).
  •  René Primevère Lesson: Nécrologie. In: Bulletin des Sciences Naturelles et de Geologie. Bd. 65, Nr. 25, 1831, S. 365-366 (online, abgerufen am 2. Oktober 2011).
  •  Erwin Stresemann: Die Entwicklung der Ornithologie Aristoteles bis zur Gegenwart. Aula-Verlag, Wiesbaden 1996, ISBN 3-89104-588-3.
  •  William Elford Leach: The zoological miscellany: being descriptions of new, or interesting animals. Bd. 2, Mc Millan, London 1815 (online, abgerufen am 27. August 2011).
  •  Charles Lucien Jules Laurent Bonaparte: Conspectus generum avium. Bd. 1, Lugduni Batavorum, Leiden 1850 (online, abgerufen am 27. August 2011).
  •  George Shaw: General zoology, or Systematic natural history. Bd. 8, Thomas Davison, London 1812 (online, abgerufen am 27. August 2011).
  •  Frédéric de Lafresnaye: Sur le genre Psittacula et sur quelques nouvelles espèces d'oiseaux de Columbie et du Mexique. In: Revue Zoologique par La Société Cuvierienne. Bd. 11, 1848, S. 170-176 (online, abgerufen am 27. August 2012).
  •  Philip Lutley Sclater: Synopsis Avium Tanagrinarum - A descriptive Catalogue of the known species of Tanagers. In: Proceedings of the Zoological Society of London. Bd. 24, 1856, S. 230-281 (online, abgerufen am 27. August 2012).
  •  Benjamin Charles Marie Payraudeau: Catalogue descriptif et méthodique des annelides et des mollusques de l'ile de Corse avec huit planches représentant quatre-vingt-huit espéces, dont soixante-huit nouvelles. J. Tastu, Paris 1826 (online, abgerufen am 29. August 2011).

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Erwin Stresemann, S. 382
  2. William Elford Leach, S. 104
  3. Charles Lucien Jules Laurent Bonaparte, S. 97
  4. Louis Jean Pierre Vieillot, S. 119
  5. George Shaw, S. 347
  6. Mellisuga minima vielloti Nomenclature
  7. Frédéric de Lafresnaye, S. 174
  8. Philip Lutley Sclater, S. 257
  9. Benjamin Charles Marie Payraudeau, S. 135

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