Schorfheide

Ein 400 Jahre alter Weg in der Schorfheide

Die Schorfheide liegt rund 65 Kilometer nordöstlich von Berlin und ist eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete Deutschlands. Der Begriff Schorfheide ist allerdings nur ein Sammelbegriff für ein größeres Waldgebiet. Im Einzelnen gliedert sich der Wald in kleinere Abschnitte wie die Innere Schorfheide, Eichheide und Üderheide. Ein Teil der Schorfheide steht auf der UNESCO-Weltnaturerbeliste.

Entstehung und Nutzung

Die Landschaft wurde durch die letzte Eiszeit geschaffen und ist geprägt durch den stetigen Wechsel zwischen unterschiedlich ausgeformten Waldgebieten, weitläufigen Offenlandschaften (Heide) und den vielen kleinen und großen Seen (Werbellinsee, Grimnitzsee).

Der Name Schorfheide entstand im Mittelalter aus Schorp Weide, als die Bauern ihre Schafe in den (damaligen) Eichenwald (Hutewald) trieben, um sie mit den nahrhaften Eicheln zu mästen. Erstmals taucht der Name Schorff Heyde im Jahr 1713 auf einer Forstkarte auf, die einen großen Eichelkamp beschreibt.[1] Später wurde ein Großteil der Eichen für die Produktion von Geschützlafetten abgeholzt, aber der Wald wurde immer wieder aufgeforstet. Reste von Hutewald sind noch in der Schorfheide zu finden.

In der Zeit des Nationalsozialismus unterhielt Reichsjägermeister Hermann Göring in der Schorfheide seinen gewaltigen Waldhof Carinhall. In der DDR waren Teile des Waldgebietes abgesperrt und dienten der SED-Führung als großräumiges Staatsjagdgebiet.

Naturschutz

Die Schorfheide ist heute Teil des Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin, das einen wesentlich größeren Teil der Landschaft zwischen Barnim und Uckermark mit einschließt. Zum Biosphärenreservat gehören mehrere Totalreservate, in denen das Betreten komplett verboten ist. Die Totalreservate sollen einer ursprünglichen vom Menschen nicht beeinflussten Entwicklung der Landschaft dienen.[2] Die Waldfläche beträgt etwa 64.580 Hektar.

Das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin wurde 1990 als Teil des Nationalparkprogramms der Regierung Lothar de Maizière gegründet.

UNESCO-Welterbe

2011 wurden Buchenurwälder in den Karpaten und alte Buchenwälder in Deutschland in die Welterbeliste aufgenommen. Neben anderen ist hierbei der Buchenwald im Grumsiner Forst im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin zum Teil des Weltnaturerbes erklärt worden. Hier befinden sich ausgeprägt Flattergras-Buchenwälder, die als Reste der großflächigen Buchenbestände, die es früher in Mitteleuropa gegeben hat, gelten und er ist ein Rückzugsgebiet seltener Tierarten wie dem Schreiadler oder dem Schwarzstorch.

Orte

Als „Tor zur Schorfheide“ wird die Ortschaft Groß Schönebeck bezeichnet, die heute zur Gemeinde Schorfheide gehört. Weitere größere Orte am Rand der Schorfheide sind Joachimsthal, Templin und Zehdenick.

Verkehrsanbindung

  • vom Berliner Ring auf die A 11, Ausfahrt Joachimsthal
  • mit der Heidekrautbahn vom S-Bahnhof Berlin-Karow nach Groß Schönebeck mit der Niederbarnimer Eisenbahn-Gesellschaft
  • mit der ODEG über Eberswalde nach Joachimsthal
  • mit dem Fahrrad auf dem Radfernweg Berlin-Usedom aus dem Berliner Zentrum via Panke-Weg zum Werbellin-/Grimmnitzsee

Literatur

  • Erwin Nippert: Die Schorfheide. Zur Geschichte einer deutschen Landschaft. 2. Auflage. Brandenburgisches Verlags-Haus, Berlin 1995, ISBN 3-89488-047-3.
  • Hannelore Kurth-Gilsenbach: Schorfheide und Choriner Land. Neumanns Landschaftsführer. Neumann, Radebeul 1993, ISBN 3-7402-0128-2.
  • Leonhard Resch, Horst Mildner: Schorfheide zwischen Glanz und Entgleisung. Kiro-Verlag, Schwedt 1997, ISBN 3-929220-52-0.
  • Manfred Feder: Wandern in der Schorfheide. Touren durch eine ungewöhnliche Landschaft. 2., aktualisierte Auflage. Trescher, Berlin 2005, ISBN 3-89794-083-3.
  • Horst Mildner, Ekkehard Schwartz: Waldumbau in der Schorfheide. Zum Andenken an Oberlandforstmeister Dr. phil. Erhard Hausendorff. Verfaßt aus Anlaß der Vortrags- und Exkursionsveranstaltung am 15./16. Oktober 1998 in Eberswalde, Chorin und Groß Schönebeck. Eberswalder forstliche Schriftenreihe, Band 2. Landesforstanstalt & Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Brandenburg, Eberswalde und Potsdam 1998, ISBN 3-933352-06-1.
  • Winfried Dittberner: Die Vogelwelt der Uckermark mit dem unteren Odertal und der Schorfheide. Hoyer, Galenbeck/Mecklenburg 1996, ISBN 3-929192-14-4.
  • Volker Oesterreich, Hans Rudolf Uthoff: Uckermark und Schorfheide. Stürtz, Würzburg 1998, ISBN 3-8003-1431-2.
  • Volker Knopf, Stefan Martens: Görings Reich. Selbstinszenierungen in Carinhall. 3., überarbeitete und erweiterte Auflage. Links-Verlag, Berlin 2006, ISBN 3-86153-392-8.
  • Günter Maaß: Spuren der Vergangenheit. Geheimnisvolle Schorfheide. 1. Auflage. Bucheinband.de, Berlin 2005, ISBN 3-938293-17-9.
  • Uwe Michas: Die Schorfheide und ihre vergessenen Jagdschlösser. In: Die Mark Brandenburg. Heft 58, 2005/III, ISSN 0939-3676

Weblinks

Commons: Schorfheide – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

Koordinaten: 52° 57′ 0″ N, 13° 37′ 0″ O

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