Zieralgen

Zieralgen
Micrasterias im Lichtmikroskop

Micrasterias im Lichtmikroskop

Systematik
Domäne: Eukaryoten (Eucaryota)
ohne Rang: Archaeplastida
ohne Rang: Chloroplastida
Abteilung: Charophyta
Klasse: Schmuckalgen (Zygnemophyceae)
Ordnung: Zieralgen
Wissenschaftlicher Name
Desmidiales

Die Zieralgen (Desmidiales) sind einzellige Grünalgen der Gruppe der Charophyta. Sie sind daher mit den Pflanzen näher verwandt als mit den meisten anderen Grünalgen (Chlorophyta). Sie besitzen symmetrische, formenreiche Zellen, wovon sich ihr Name Zieralgen ableitet.

Aufbau

Die Desmidiales sind einzellige Algen. Selten sind die Einzellen zu Fäden verklebt. Die Zellwand besteht aus Zellulose. Durch Poren in der Zellwand wird eine Gallerte abgegeben, die um die Zelle eine Schleimhülle bildet. Die Zellwand besteht aus zwei spiegelbildlichen Hälften, die durch den sogenannten Isthmus verbunden sind. Im Isthmus liegt der Zellkern. In jeder Hälfte befindet sich ein Chloroplast, der je zwei Pyrenoide enthält.[1]

Vegetative Vermehrung

Die vegetative Vermehrung erfolgt durch Zellteilung. Nach der Mitose, der Kernteilung, verlängert sich der Isthmus, die beiden Halbzellen weichen auseinander, und der Isthmus wird eingeschnürt. Die beiden Isthmushälften schwellen blasenartig zu den fehlenden Halbzellen auf, es bildet sich die Sekundärwand, die arttypische Form und Ornamente werden gebildet. Dann dringt der Chloroplast der Mutterzelle in die neue Hälfte ein und teilt sich.[2]

Sexuelle Vermehrung

Da die Zieralgen wie alle Vertreter der Zygnemophyceae über keine Geißeln verfügen, erfolgt die geschlechtliche Vermehrung nicht mittels Schwärmerzellen, sondern durch Konjugation zweier unbegeißelter Zellen.

Zwei genotypisch sexuell verschieden determinierte Zellen legen sich unter Gallertausschuss nebeneinander. Danach trennen sich die Zellwände in der Mitte oder es wird ein Kopulationskanal zwischen beiden Partnern ausgebildet. Die Protoplasten der beiden Einzeller treffen sich und verbinden sich zur Zygote. Diese ist von einer zarten Haut umgeben. Sie ist zunächst hell und durchsichtig, später durch die Ansammlung von Reservematerial dunkel und undurchsichtig. Die Schale der Zygote ist zunächst glatt, später entwickelt sie artspezifische Stacheln. Die vier Halbzellen bleiben lange an der Zygote haften. Die erste Zellteilung der Zygote geht mit einer Meiose einher. Es ist also nur die Zygote diploid, die Desmidiales sind daher Haplonten. Bei der ersten Zellteilung wird zunächst eine charakteristische Wandhälfte gebildet, erst nach zwei Zellteilungen treten Zellen auf, die die charakteristische Zellform aufweisen.[3][1]

Auftreten

Sie treten hauptsächlich im Süßwasser auf, oft in Gewässern mit sauren pH-Werten, zum Beispiel Moortümpeln. Sie leben im Plankton, meist jedoch im Benthos und auf den unter Wasser befindlichen Teilen von Pflanzen. Planktontisch leben etwa Cosmarium und Closterium in eutrophen Gewässern.[1]

Systematik

Die nächsten Verwandten der Desmidiales sind die Jochalgen, mit denen zusammen sie die Klasse der Zygnemophyceae bilden.

Die Desmidiales sind eine monophyletische Gruppe innerhalb der Zygnematophyceae. Auch die vier Familien dürften monophyletisch sein:[4]

  • Closteriaceae
  • Desmidiaceae
  • Gonatozygaceae
  • Peniaceae

Sie sind eine sehr artenreiche Gruppe und umfassen rund 5000 Arten.[5]

Charakteristische Gattungen sind:

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 W. Braune, A. Leman, H. Taubert: Pflanzenanatomisches Praktikum II. 3. Auflage, VEB Gustav Fischer Verlag, Jena 1990, S. 85-88. ISBN 3-334-00301-9
  2. K.-H. Linne von Berg, K. Hoef-Emden, B. Marin, M. Melkonian: Der Kosmos-Algenführer. Die wichtigsten Süßwasseralgen im Mikroskop. Kosmos, Stuttgart 2004, S. 118. ISBN 3-440-09719-6
  3. K.-H. Linne von Berg, K. Hoef-Emden, B. Marin, M. Melkonian: Der Kosmos-Algenführer. Die wichtigsten Süßwasseralgen im Mikroskop. Kosmos, Stuttgart 2004, S. 122. ISBN 3-440-09719-6
  4. Richard M. McCourt, Kenneth G. Karol, Jeremy Bell, Kathleen M. Helm-Bychowski, Anna Grajewska, Martin F. Wojciechowski, Robert W. Hoshaw: Phylogeny of the conjugating Green Algae (Zygnemophyceae) based on rbcL sequences. In: Journal of Phycology, Band 36 (4), 200, S. 747–758. doi:10.1046/j.1529-8817.2000.99106.x; Andrey A. Gontcharov, Birger Marin, Michael Melkonian: Molecular Phylogeny of Conjugating Green Algae (Zygnemophyceae, Streptophyta) Inferred from SSU rDNA Sequence Comparisons. In: Journal of Molecular Evolution, Band 56, 2002, S. 89-104. doi:10.1007/s00239-002-2383-4
  5. Van den Hoek, C., D. G. Mann, H. M. Jahns: Algae: An Introduction to Phycology, Cambridge University Press, Cambridge 1995, S 468. ISBN 0-521-30419-9

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