Genanalysen zeigen extreme Bedrohung des Gepards



Bio-News vom 07.07.2022

Mit nur noch 7100 in freier Wildbahn lebenden Tieren zählt der Gepard zu den gefährdeten Säugetierarten, einzelne Unterarten sind sogar akut vom Aussterben bedroht. Doch es ist nicht die geringe Zahl der Individuen allein. Eine soeben veröffentlichte internationale Genanalyse zeigt, dass die genomweite Heterozygotie (Mischerbigkeit) extrem gering ist. Gleichzeitig bestätigt die Studie die Einteilung der ostafrikanischen und der südafrikanischen Geparde in zwei eigenständige Unterarten.

Die Studie präsentiert die bisher umfassendste genomweite Analyse der Phylogeographie und Erhaltungsgenomik von Geparden (Acinonyx jubatus) und stellt Proben aus fast der gesamten aktuellen und früheren Verbreitung zusammen. Die Forschenden weisen nach, dass ihre Phylogeographie – also die phylogenetische und geographische Herkunft einzelner genetischer Linien – komplexer ist als bisher angenommen, und dass sich ostafrikanische Geparden (A. j. raineyi) genetisch von südafrikanischen Individuen (A. j. jubatus) unterscheiden – was ihre Anerkennung als eigenständige Unterart rechtfertigt.


Künstlerisches Foto eines jagenden Gepards.

Publikation:


Stefan Prost, Ana Paula Machado, Julia Zumbroich et al.
Genomic Analyses Show Extremely Perilous Conservation Status of African and Asiatic cheetahs (Acinonyx jubatus)

Molecular Ecology

DOI: https://doi.org/10.1111/mec.16577



Hohe Inzucht und geringe Mischerbigkeit bei bedrohten Unterarten

Studien-Letztautorin Pamela Burger vom Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie (FIWI) der Vetmeduni erläutert die grundlegenden neuen Erkenntnisse: „Wir fanden eine starke genetische Differenzierung zwischen allen klassisch anerkannten Unterarten und widerlegen damit frühere Annahmen, dass Geparden eine nur geringe Differenzierung aufweisen. Die stärkste Differenzierung beobachteten wir zwischen der asiatischen und allen afrikanischen Unterarten.“

Bei den vom Aussterben bedrohten iranischen (A. j. venaticus) und nordwestafrikanischen (A. j. hecki) Unterarten stellten die Forschenden eine hohe Inzucht fest. Insgesamt ergibt sich daraus laut Stefan Prost (FIWI) das folgende Bild: „Zusammen mit Schneeleoparden weisen Geparden die niedrigste genomweite Heterozygotie von allen Großkatzen auf. Das unterstreicht den kritischen Erhaltungszustand des Gepards.“


Eine Rast in der Savanne

Wichtige Erkenntnisse für den Schutz des Gepards

Laut den Forscherinnen und Forschern können die neu gewonnenen Informationen zur Phylogeographie von Geparden dabei unterstützen, im Artenschutz evidenzbasierte Entscheidungen zu treffen und so besser zum Schutz der stark gefährdeten Großkatze beizutragen. Dies ist besonders relevant angesichts laufender und geplanter Umsiedlungen von Geparden über Unterartengrenzen hinweg und der zunehmenden Bedrohung durch illegalen Handel. Einzelne Unterarten wie die, nur noch im Iran vorkommende Unterart A. j. venaticus, sind mit weniger als 50 Individuen vertreten und brauchen schnelle und effiziente Schutzmassnahmen.

Geparden halten Ökosystem in Balance

Spitzenprädatoren wie der Gepard nehmen in Ökosystemen eine wichtige Funktion ein. An der Spitze der Nahrungspyramide stehend tragen sie wesentlich dazu bei, ihren Lebensraum in Balance zu halten. Durch Biodiversitätsverlust und globale Umweltveränderungen sind viele große Fleischfresser allerdings vom Aussterben bedroht. Das kann weitreichende Auswirkungen auf Ökosysteme haben, etwa eine unkontrollierte Zunahme von Pflanzenfressern, die sich wiederum negativ auf die Regenerationsfähigkeit der Pflanzenwelt auswirkt. Der Gepard steuert auf eine ungewisse Zukunft zu. Von Lebensraumverlust, Mensch-Wildtier-Konflikten und illegalem Handel bedroht, leben nur noch etwa 7.100 Individuen in der Natur.


Diese Newsmeldung wurde mit Material der Veterinärmedizinischen Universität Wien via Informationsdienst Wissenschaft erstellt.

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