Alaotra-Bambuslemur

Alaotra-Bambuslemur
Hapalemur alaotrensis JJLM.JPG

Alaotra-Bambuslemur (Hapalemur alaotrensis)

Systematik
Ordnung: Primaten (Primates)
Unterordnung: Feuchtnasenaffen (Strepsirhini)
Teilordnung: Lemuren (Lemuriformes)
Familie: Gewöhnliche Makis (Lemuridae)
Gattung: Bambuslemuren (Hapalemur)
Art: Alaotra-Bambuslemur
Wissenschaftlicher Name
Hapalemur alaotrensis
Rumpler, 1975

Der Alaotra-Bambuslemur oder Alaotra-Halbmaki (Hapalemur alaotrensis) ist eine Primatenart aus der Gruppe der Lemuren. Manchmal wird er als Unterart des Östlichen Bambuslemuren klassifiziert.

Merkmale

Alaotra-Bambuslemuren erreichen eine Kopfrumpflänge von 38 bis 40 Zentimetern, der Schwanz misst 39 bis 41 Zentimeter und das Gewicht beträgt 1,1 bis 1,4 Kilogramm, damit sind sie etwas größer als die Östlichen Bambuslemuren. Ihr Fell ist dicht und wollig, es ist an der Oberseite in einem dunklen Graubraun gefärbt, die Unterseite ist hellgrau. Die Oberseite des Kopfes und der Nacken sind kastanienbraun, diese Färbung kann sich über die Schultern erstrecken. Der Kopf ist rundlich, das Gesicht ist grau gefärbt. Wie bei allen Bambuslemuren sind die Ohren klein und abgerundet und die Schnauze kurz.

Verbreitung und Lebensraum

Diese Primaten kommen wie alle Lemuren nur auf Madagaskar vor, ihr Verbreitungsgebiet ist heute auf die Uferregionen des Alaotra-Sees, des größten madagassischen Sees, beschränkt. Einzigartig unter Primaten ist ihr Lebensraum: sie bewohnen die mit Schilf und Papyrus bestandenen Marschgebiete am Ufer dieses Sees. Bis in die 1950er-Jahre lebten sie auch im Gebiet von Andilamena, rund 60 Kilometer nördlich des Alaotra-Sees, mit der Umwandlung der Marschen in Reisfelder sind sie dort ausgestorben.

Lebensweise

Alaotra-Bambuslemuren sind kathemeral, das heißt sie haben keinen ausgeprägten Tag-Nacht-Rhythmus. Ihre Hauptaktivitätszeiten umfassen die ersten und letzten drei Stunden mit Tageslicht, manchmal sind sie aber auch in der Nacht unterwegs. Im Schilf bewegen sie sich auf allen vieren fort, dabei biegen sie mit ihrem Gewicht die Halme um, um auf die nächsten Halme zu gelangen. Größere Distanzen können sie wie andere Bambuslemuren auch springend überwinden. Darüber hinaus können sie gut schwimmen.

Sie leben in Gruppen von zwei bis neun (meist drei bis fünf) Tieren. Die Mehrzahl der Gruppen sind Familiengruppen mit einem Männchen, einem Weibchen und dem gemeinsamen Nachwuchs, die größeren Gruppen beinhalten oft zwei Weibchen. Die Gruppen bewohnen feste Reviere mit 1 bis 8 Hektar Fläche, diese werden mit Drüsensekret und Rufen markiert. Die gegenseitige Fellpflege spielt eine wichtige Rolle für den Gruppenzusammenhalt.

Die Nahrung dieser Tiere besteht vorwiegend aus Echtem Papyrus, Schilfrohr und Hühnerhirse.

Zwischen September und Februar bringt das Weibchen den Nachwuchs zur Welt, neben Einlingsgeburten sind Zwillinge relativ häufig (40 %). Die Jungen sind bei der Geburt relativ weit entwickelt und können sofort auf dem Rücken der Mutter reiten, manchmal „parkt“ sie sie während ihrer Nahrungssuche auch im Schilfdickicht.

Bedrohung

Das gesamte Verbreitungsgebiet der Alaotra-Bambuslemuren umfasst weniger als 200 km², die Population ist darüber hinaus in eine kleinere Gruppe auf einer Halbinsel am Nordufer des Sees und eine größere Gruppe im Südwesten des Sees aufgeteilt. Die Umwandlung des Schilfgürtels in Reisfelder stellt die Hauptbedrohung dar, immer wieder werden auch Schilfflächen abgebrannt. Hinzu kommt das die Tiere bejagt werden, entweder zu Nahrungszwecken oder weil sie zu Heimtieren gemacht werden.

Eine Schätzung aus dem Jahr 2002 bezifferte die Gesamtpopulation auf rund 2500 Tiere, was einen Rückgang um mehr als 50 % im letzten Jahrzehnt bedeutet. Die IUCN listet die Art als „vom Aussterben bedroht“ (critically endangered).

Literatur

  • Nick Garbutt: Mammals of Madagascar. A Complete Guide. Yale University Press, New Haven CT 2007, ISBN 978-0-300-12550-4.
  • Thomas Geissmann: Vergleichende Primatologie. Springer-Verlag, Berlin u. a. 2002, ISBN 3-540-43645-6.
  • Russell A. Mittermeier, Jörg U. Ganzhorn, William R. Konstant, Kenneth Glander, Ian Tattersall, Colin P. Groves, Anthony B. Rylands, Andreas Hapke, Jonah Ratsimbazafy, Mireya I. Mayor, Edward Louis jr, Yves Rumpler, Christoph Schwitzer, Rodin Rasoloarison: Lemur Diversity in Madagascar. In: International Journal of Primatology. 29, 2008, ISSN 0164-0291, S. 1607–1656.

Weblinks

 Commons: Alaotra-Bambuslemur (Hapalemur alaotrensis) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Vorlage:Commonscat/WikiData/Difference

Diese Artikel könnten dir auch gefallen

Die News der letzten 7 Tage

13.06.2021
Anthropologie | Virologie | Immunologie
Wie Viren Immunzellen zu Trojanischen Pferden machen
Zytomegalieviren programmieren Fresszellen der Lunge so um, dass sie selbst Viren produzieren und diese in der Lunge verbreiten.
13.06.2021
Bionik und Biotechnologie | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Zuckerhirse: Süßes Versprechen für die Umwelt
Zuckerhirse lässt sich zur Herstellung von Biogas, Biokraftstoffen und neuen Polymeren nutzen, zudem kann sie dazu beitragen, Phosphatdünger zu ersetzen.
13.06.2021
Botanik | Physiologie
Todesduft der Pfeifenwinde lockt Sargfliegen in die Blüten
Ein internationales Pflanzenforscherteam hat in einer neuen Studie eine ungewöhnliche und bisher unbekannte Fortpflanzungsstrategie bei Pflanzen entdeckt.
11.06.2021
Ökologie | Biodiversität | Meeresbiologie
Untermieter auf Manganknollen: Schwämme sorgen für Artenreichtum
Tief auf dem Meeresgrund lagern wertvolle Rohstoffe – beispielsweise Knollen aus Mangan, Eisen, Kobalt und Kupfer.
11.06.2021
Morphologie
Das Metallgebiss des Borstenwurms
Metallatome sind für die bemerkenswerte Stabilität von Borstenwurm-Kiefern verantwortlich, zeigen Experimente der TU Wien.
11.06.2021
Paläontologie | Entwicklungsbiologie
Versteinert: 99 Millionen Jahre alte Geburt
Einem Forschungsteam ein außergewöhnlicher Fund gelungen: Sie fanden eine fossile weibliche Landschnecke, die gemeinsam mit ihren fünf Jungtieren in einem 99 Millionen Jahre alten Bernstein eingeschlossen wurde.
09.06.2021
Genetik | Neurobiologie
Menschen-Gen macht Mäuse schlauer
Ein Gen, das nur beim Menschen vorkommt, führt bei Mäusen zu einem größeren Gehirn, erhöhter Flexibilität des Gedächtnisses und weniger Ängstlichkeit.
09.06.2021
Taxonomie
„Zombie-Frosch“ entdeckt
Senckenberg-Wissenschaftlerinnen haben mit einem internationalen Team drei neue Froscharten aus dem nördlichen Amazonasgebiet beschrieben.
09.06.2021
Klimawandel | Primatologie
Kein Platz für Menschenaffen
Der Klimawandel wird das Verbreitungsgebiet afrikanischer Menschenaffen in den nächsten 30 Jahren drastisch verkleinern.
07.06.2021
Ökologie | Klimawandel | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Art der Waldnutzung beeinflusst Lebensrhythmus der Wildpflanzen
Durch die Klimaerwärmung verschieben sich bei vielen Pflanzen die jahreszeitlichen Rhythmen, zum Beispiel die Blütezeit.
07.06.2021
Ethologie | Vogelkunde
Junge Seeadler bleiben länger im elterlichen Revier
Seeadler reagieren sensibel auf Störungen durch den Menschen, weshalb in unmittelbarer Umgebung der Horste forst- und landwirtschaftliche Nutzungen beschränkt sind.
07.06.2021
Ethologie | Vogelkunde
Vertrauen bei Rabenvögeln
Rabenvögel benutzen soziale Informationen, um sich vor Täuschung durch Artgenossen aus Nachbarterritorien zu schützen.