Allergische bronchopulmonale Aspergillose

Klassifikation nach ICD-10
B44.1 Sonstige Aspergillose der Lunge
ICD-10 online (WHO-Version 2011)

Die allergische bronchopulmonale Aspergillose (ABPA) ist eine durch Schimmelpilze der Schlauchpilz-Gattung Aspergillus ausgelöste gemischtförmige allergische Erkrankung der Lunge (Typ-I- und Typ-III-Allergie). Zu den allergieauslösenden Schimmelpilzen gehören dabei die Typen Aspergillus fumigatus (häufig), Aspergillus flavus, Aspergillus niger, Aspergillus terreus und Aspergillus nidulans.

Besonders tritt ABPA auch als Komplikation bei Mukoviszidose (cystische Fibrose) auf. Hier betrifft die ABPA mindestens zehn bis fünfzehn Prozent der Patienten, bevorzugt ab dem zweiten Lebensjahrzehnt. Abzugrenzen ist eine allergische Aspergillose gegen die infektiöse Aspergillose, die hauptsächlich bei Patienten mit gestörter Abwehrreaktion auftritt und mit einer hohen Sterblichkeitsrate einhergeht.

Über die allergische bronchopulmonale Aspergillose berichteten das erste Mal Hinson et al. im Jahre 1952 in England.[1] In den USA diagnostizierten Patterson und Golbert den ersten Fall im Jahre 1968.[2]

Symptome

Die Symptomatik ist meist unklar und lässt selten einen Rückschluss auf die Schwere der Erkrankung zu. ABPA tritt häufiger bei Personen auf, die bereits an Asthma oder Mukoviszidose leiden. Berichte über ABPA ohne diese Vorerkrankungen sind selten. Folgende Symptome können auftreten:

  • unerklärlicher Gewichtsverlust
  • bräunlich verfärbtes Sputum
  • Fieber über meist mehr als drei Tage
  • Schmerzen im Brustkorb

In der Symptomatik ist die Krankheit leicht mit Tuberkulose zu verwechseln.

Diagnostik

Die Hauptkriterien der ABPA sind:

  • Asthma bronchiale / Cystische Fibrose
  • akute/vorbeschriebene Lungeninfiltrate
  • Sofortreaktion im Hauttest auf Aspergillus fumigatus
  • erhöhtes Gesamt-IgE im Blutserum
  • Antikörper gegen Aspergillus-Antigene
  • Bluteosinophile
  • zentrale Bronchiektasien
  • spezifisches-IgE und spezifisches-IgG gegen Aspergillus fumigatus

Nebenkriterien:

  • Aspergillus-Nachweis im Sputum
  • Spätreaktion im Hauttest auf Aspergillus fumigatus

Das Diagnosemittel der Wahl bleibt die Röntgenaufnahme der Lunge und evtl. auch eine hochauflösende Computertomographie (CT), bei der großflächige Verschattungen durch einen bronchialen Sekretstau (mucoid impactions) zu erkennen sind und sich in der Regel auch zentrale Bronchiektasien feststellen lassen.

Stufen der Erkrankung

In der Literatur wird die ABPA in fünf Stufen eingeteilt. Die Stufen sind dabei nicht als Phasen zu verstehen, da sich ein Patient bereits bei der Erstdiagnose in der Stufe fünf befinden kann. Außerdem ist auch eine Rückentwicklung von Stufe III nach Stufe II möglich.

  • Stufe I (Erstmanifestation)
  • Stufe II (Remission - vorübergehende Rückbildung der Symptomatik)
  • Stufe III (Exazerbation - erneute Verschlechterung)
  • Stufe IV (kortikoidpflichtiges Asthma)
  • Stufe V (irreversible fibrotische Veränderungen des Lungengewebes)

Therapie

Derzeit wird ABPA mit einer systemischen Steroidbehandlung (Cortison), ggf. unterstützt durch ein Antimykotikum (beispielsweise Itraconazol) therapiert. Fallweise kann auch die Verabreichung eines Antibiotikums notwendig sein, da die Lungeninfiltrate Sitz einer bakteriellen Pneumonie sein können. Eine Heilung ist nicht möglich. Es muss insbesondere darauf geachtet werden, die weit verbreiteten Aspergillen zu meiden, etwa durch die Abschaffung von Zimmerpflanzen, die Abschaffung oder Versiegelung von Federbetten und den Verzicht auf Haustiere, insbesondere Vögel.

Ohne Behandlung entwickeln sich vernarbte Lungenbezirke (Fibrosen), die nicht mehr für den Gasaustausch zur Verfügung stehen. Daher muss eine Therapie darauf ausgerichtet sein, die Entwicklung der Stufe V zu verhindern.

Quellen

  1. Hinson KF, MoonAJ, Plummer NS: Broncho-pulmonary aspergillosis; a review and a report of eight new cases. Thorax. 1952 Dec;7(4):317-33. PMID 13015523
  2. Patterson R, Golbert TM: Hypersensitivity disease of the lung. Univ Mich Med Cent J. 1968 Jan-Feb;34(1):8-11. PMID 5642343

Weblinks

Gesundheitshinweis Bitte den Hinweis zu Gesundheitsthemen beachten!

Die News der letzten Tage

29.09.2022
Physiologie | Bionik, Biotechnologie, Biophysik
Algen als mikroskopische Bioraffinerien
Fossile Rohstoffe sind begrenzt und nicht überall auf der Welt vorhanden oder dem Abbau zugänglich.
29.09.2022
Mikrobiologie | Physiologie
Neue Bakterienart im Darm entdeckt
Ob Pflanze, Tier oder Mensch, lebende Organismen sind von einer Vielzahl an Bakterien besiedelt.
28.09.2022
Genetik | Paläontologie | Evolution | Säugetierkunde
Genom-Zusammensetzung des frühesten gemeinsamen Vorfahren aller Säugetiere rekonstruiert
Das rekonstruierte Vorfahren-Genom kann zum Verständnis der Evolution der Säugetiere und zum Erhalt der heutigen Wildtiere beitragen.
27.09.2022
Genetik | Immunologie | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Thema Ernährungssicherheit: Struktur von Weizen-Immunprotein entschlüsselt
Ein internationales Forschungsteam hat entschlüsselt, wie Weizen sich vor einem tödlichen Krankheitserreger schützt.
26.09.2022
Ethologie
Neues von den gruppenlebenden Tieren: Hilfsbereitschaft und Familienbande
Die Bereitschaft, Artgenossen zu helfen, unterscheidet sich von Tierart zu Tierart – und auch zwischen Männchen und Weibchen.
26.09.2022
Anthropologie | Paläontologie | Klimawandel
Evolution des Menschen: Klimaschwankungen in Ostafrika ein Motor
Interdisziplinäre Forschung in Südäthiopien zeigt, wie Schlüsselphasen des Klimawandels die menschliche Evolution beinflusste.
26.09.2022
Ökologie | Klimawandel | Meeresbiologie
Schritthalten mit dem Klimawandel?
Die für die Nahrungsnetze der Ozeane wichtigen Copepoden können sich genetisch an wärmere und saurere Meere anpassen.
26.09.2022
Anthropologie | Mikrobiologie | Physiologie
Mehr als nur Bauchgefühl
Die Strömungsgeschwindigkeit in unserem Verdauungssystem bestimmt unmittelbar, wie gut die Nährstoffe vom Darm aufgenommen werden und wie viele Bakterien darin leben.
26.09.2022
Biodiversität | Insektenkunde | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Mehrjährige Blühstreifen in Kombination mit Hecken: das gefällt unseren Wildbienen
Landwirtinnen und Landwirte sollten ein Netzwerk aus mehrjährigen Blühstreifen in Kombination mit Hecken schaffen, um Wildbienen ein kontinuierliches Blütenangebot zu bieten.