Anticodon

Eine tRNAMet aus S. cerevisiae. Das Anticodon ist rot geschrieben (CytosinAdeninUracil).

Ein Anticodon ist ein kurzer RNA-Abschnitt einer tRNA, der aus einem Basentriplett d. h. aus drei Nukleinbasen besteht. Mit dem Anticodon heftet sich die tRNA während der Translation der Proteinbiosynthese an das Codon der mRNA, welches zu dem Anticodon komplementär ist.

Liegt zum Beispiel auf der mRNA das Triplett GAA vor, so bindet sich eine tRNA mit dem komplementären Anticodon CUU an dieses Codon. Dadurch wird die Aminosäure Glutaminsäure an dieser Position des entstehenden Peptids eingebaut.

Über das Anticodon wird einem Codon der mRNA eine Aminosäure innerhalb der Aminosäuresequenz, der Primärstruktur eines Polypeptids, zugeordnet. Die Zuordnung zwischen Codon und Aminosäure bezeichnet man als genetischen Code. Damit ist das Anticodon unmittelbar an der Übersetzung der Basensequenz einer DNA in die Aminosäuresequenz eines Polypeptids beteiligt.

Soweit die ursprüngliche Theorie. Die genaue Untersuchung führte jedoch auf ein Problem. Abzüglich der drei Stop-Codons enthält der genetische Code 43 - 3=61 verschiedene Codons. Demnach wären 61 komplementären Anticodons und mindestens soviele tRNAs zu erwarten. Man findet in einer Zelle aber nicht mehr als (für verschiedene Organismen unterschiedlich) ca. 40 verschiedene tRNAs. Daraus schloss Crick bereits 1966 [1], dass bestimmte ungenaue Passungen von Codon und Anticodon für die Funktion der tRNA bei der Proteinsynthese ausreichen müssten. Seine inzwischen gut bestätigte Vermutung bezeichnete er als Wobble-Hypothese (von engl. wobble=wackeln).

Einzelnachweise

  1. Crick, F.H.C. (1966): Codon-anticodon pairing: the wobble hypothesis. In: J. Mol. Biol. 19(2):548-555. PMID 5969078 PDF

Die News der letzten Tage

29.11.2022
Ethologie | Zoologie
Geschlechterrollen im Tierreich hängen vom Verhältnis von Weibchen und Männchen ab
Wie wählerisch sollten Weibchen und Männchen sein, wenn sie einen Partner auswählen?
28.11.2022
Ökologie | Paläontologie | Säugetierkunde
Fossil aus dem Allgäu: Biber leben seit mehr als 11 Millionen Jahren im Familen-Clan
Die Hammerschmiede im Allgäu, Fundstelle des Menschenaffen Danuvius, ist eine einmalige Fundgrube für Paläontologen: Bereits über 140 fossile Wirbeltierarten konnten hier geborgen werden.
28.11.2022
Anthropologie | Neurobiologie
Arbeitsgedächtnis: Vorbereitung auf das Unbekannte
Beim Arbeitsgedächtnis, oder auch Kurzeitgedächtnis genannt, galt lange die Theorie, dass seine Kernaufgabe die aktive Speicherung von Informationen über einen kurzen Zeitraum ist.
28.11.2022
Meeresbiologie | Ökologie
Offshore-Windparks verändern marine Ökosysteme
Der Ausbau von Offshore-Windparks in der Nordsee geht voran, doch die Konsequenzen für die marine Umwelt, in der sie errichtet werden, sind noch nicht vollständig erforscht.
25.11.2022
Evolution | Genetik | Neurobiologie
Was haben Oktopus und Mensch gemeinsam?
Kopffüßler sind hochintelligente Tiere mit komplexem Nervensystem, dessen Evolution mit der Entwicklung von auffällig viel neuer microRNA verbunden ist.
25.11.2022
Klimawandel | Ökologie
Der Klimawandel in den Wäldern Norddeutschlands
Immer mehr Bäume leiden an den Folgen des menschgemachten Klimawandels der vergangenen Jahrzehnte.
24.11.2022
Biochemie | Entwicklungsbiologie | Genetik
Das Erwecken des Genoms
Die Befruchtung einer Eizelle durch ein Spermium ist der Beginn neuen Lebens, die mütterliche und väterliche Erbinformation, die DNA, wird neu kombiniert und speichert den Aufbau des Lebewesens.
24.11.2022
Genetik | Mykologie | Taxonomie
Die Welt der Pilze revolutioniert
Ein internationales Forschungsteam hat unter den bisher bekannten Pilzen und Flechten eine neue Großgruppe identifiziert: Mithilfe von Genom-Sequenzierung konnte nachgewiesen werden, dass über 600 Arten einen gemeinsamen Ursprung haben.
24.11.2022
Insektenkunde | Ökologie
Vegetationsfreie Flächen fördern bodennistende Wildbienen
Über die Nistansprüche bodennistender Wildbienen ist bisher relativ wenig bekannt, obwohl Nistplätze für die Förderung der meisten Wildbienenarten von zentraler Bedeutung sind.