Aproceros leucopoda

Aproceros leucopoda
Aproceros leucopoda

Aproceros leucopoda

Systematik
Unterordnung: Pflanzenwespen (Symphyta)
Überfamilie: Blattwespenartige (Tenthredinoidea)
Familie: Bürstenhornblattwespen (Argidae)
Unterfamilie: Sterictiphorinae
Gattung: Aproceros
Art: Aproceros leucopoda
Wissenschaftlicher Name
Aproceros leucopoda
Takeuchi, 1939
Bild 1:Kokon mit Puppe auf Blattunterseite

Aproceros leucopoda ist eine Pflanzenwespe aus der Familie der Bürstenhornblattwespen (Argidae). Sie ist ursprünglich in Ostasien beheimatet, verbreitet sich aber seit spätestens 2003 auch in Europa auf Ulmen.[1] Sie wird daher vielfach auch als Ulmenblattwespe bezeichnet, obwohl dieser Name auch für einheimische Arten der Echten Blattwespen verwendet wird. Aproceros leucopoda wird von Forstschutzexperten als eine „invasive Art“ angesehen, die die europäischen Ulmenpopulationen bedroht.

Merkmale

Von der Blattwespe Aproceros leucopoda sind keine Männchen bekannt. Es gibt aber morphologische Unterschiede innerhalb der Art zwischen den Weibchen der drei Sommergenerationen und der Generation, die überwintert. Dieser Saisondimorphismus betrifft vor allem die Form des Kopfes und die Färbung. Die Weibchen der überwinternden Generation haben eine verlängerte Seitenpartie der Kopfkapsel und eine dunkelbraune bis schwarze Farbe. Die der Sommergenerationen sind etwas blasser und haben einen kürzeren Kopf.

Der Kopf ist unbehaart, die Fühler sind dreigliedrig, das letzte Fühlerglied ist das längste (Kennzeichen der Familie Argidae). Das Hypopygium ist seitlich schräg ausgeschnitten. Die Flügel sind bräunlich und durchscheinend. Die Vorderflügel zeigen ein Flügelmal. Die Beine sind blass, nahezu weiß.

Larve

Die Larve ist grün gefärbt. Sie besitzt seitlich auf dem mittleren Abdominalsegmenten bulbusartige Ausbuchtungen und auf dem letzten Segment zwei kurze seitliche Anhänge.

Verbreitung

Aproceros leucopoda wurde 1939 aus der japanischen Region Hokkaidō beschrieben. Die Blattwespe wurde später auch in der japanischen Hauptprovinz Honshū und in der zentralchinesischen Provinz Gansu nachgewiesen. Berichte aus Ostsibirien sind noch zu überprüfen.

In Europa wurde die eingewanderte Art erstmals im Jahr 2003 beobachtet. Sie wurde auf einzelnen Ulmen in Polen und in Ungarn nahe der Slowakei gefunden. Aus Rumänien gibt es erste Meldungen aus dem Jahr 2005 aus Dulceşti und aus dem Jahr 2006 aus dem Banat. 2006 trat die Blattwespe in der Oblast Luhansk im Osten der Ukraine erstmals auf, 2007 auch in der Slowakei am Fuße des Vihorlat. Seit 2009 gibt es auch Berichte aus Österreich, wo die Art im Naturschutzgebiet Lobau und in Gemeinden in Niederösterreich entlang der Donau und der Westbahnstrecke bis Sankt Pölten vorkommt. Inzwischen wurde sie auch in Italien nachgewiesen. Der erste deutsche Nachweis (bei Passau) stammt aus 2011[2]

Es lässt sich kein Zentrum feststellen, von dem aus sich die Ulmenblattwespe verbreitet. In relativ kurzen Zeitabständen trat sie punktuell in weit voneinander entfernten Gebieten in Europa auf. Es ist bisher keine bestimmte Richtung und Geschwindigkeit der Ausbreitung festzustellen.

Lebensweise

Aproceros leucopoda produziert vier Generationen pro Jahr. Imagines erscheinen Mitte bis Ende Mai, im frühen Juli bis Mitte Juli, im frühen August und im frühen September. Die Sommergenerationen haben einen sehr kurzen Lebenszyklus. Der Kokon, in dem sich die Larven verpuppen wird direkt an die Blätter der Wirtspflanze geheftet. Er ist im Gegensatz zu den Kokons der Wintergeneration viel weniger dicht gesponnen (Bild 1). Bereits 4 bis 7 Tage nach der der Kokonbildung kann die neue Blattwespengeneration ausschlüpfen. Die überwinternden Kokons der letzten Generation sind fest gesponnen und überwintern am Boden oder in der Streu. Einzelne überwinternde Kokons werden bereits ab Juni, gemeinsam mit denjenigen der Sommergeneration, abgelegt.

Aproceros leucopoda vermehrt sich ausschließlich parthenogenetisch, es werden nur Weibchen beobachtet. Die Eier werden in Reihen entlang des Blattrandes der Ulmenblätter abgelegt. Die geschlüpften Larven fressen sich zwischen den Seitenrippen des Blattes in Richtung der Mittelrippe durch. Dabei hinterlassen sie eine charakteristische, schlangenförmig gewundene Fraßspur. Später wird das gesamte Blatt mit Ausnahme der Mittelrippe abgefressen.

Taxonomie und Systematik

Die Familie der Bürstenhornblattwespen umfasst rund 900 Arten, die Gattung Aproceros 10 Arten, die alle in Ostasien heimisch sind. Die verwandte Gattung Aprosthema ist auch in Mitteleuropa einheimisch (2 Arten).

Der Artname leucopoda bedeutet „weißbeinig“ und deutet auf die auffällig hellen Beine der Blattwespe hin.

Einzelnachweise

  1. Stephan M. Blank, Hideho Hara, József Mikulá, György Csóka, Constatin Ciornei, Raoul Constantineanu, Ierinel Constantineanu, Ladislav Roller, Ewald Altenhofer, Tomasz Huflejt und Gabor Vétek: Aproceros leucopoda (Hymenoptera: Argidae): An East Asian pest of elms (Ulmus spp.) invading Europe. European Journal of Entomology, 107, S. 357–367, 2010, S. 357 PDF (englisch)
  2. Manfred Kraus, Andrew D. Liston, Andreas Taeger (2011): Die invasive Zick-Zack-Ulmenblattwespe Aproceros leucopoda Takeuchi, 1939 (Hymenoptera: Argidae) in Deutschland. DGaaE-Nachrichten 25(3): 117-119.

Weblinks


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