Echte Blattwespen

(Weitergeleitet von Blattwespen)
Echte Blattwespen
Tenthredopsis sordida

Tenthredopsis sordida

Systematik
Klasse: Insekten (Insecta)
Ordnung: Hautflügler (Hymenoptera)
Unterordnung: Pflanzenwespen (Symphyta)
Überfamilie: Blattwespenartige (Tenthredinoidea)
Familie: Echte Blattwespen
Wissenschaftlicher Name
Tenthredinidae
Latreille, 1802
Unterfamilien
  • Allantinae
  • Blennocampinae
  • Heterarthrinae
  • Nematinae
  • Selandriinae
  • Susaninae
  • Tenthredininae
Larven der Kleinen Lindenblattwespe (Caliroa annulipes)
Larven von Craesus septentrionalis in typischer Schreckstellung

Die Echten Blattwespen (Tenthredinidae) bilden eine Familie der Pflanzenwespen (Symphyta) innerhalb der Hautflügler (Hymenoptera). Sie werden auch als „Blattwespen“ bezeichnet, dies kann aber zu Verwechslungen führen, da es auch andere Blattwespenfamilien innerhalb der Pflanzenwespen gibt. Die Tiere kommen weltweit mit etwa 9.000 Arten vor und sind damit die größte Familie der Pflanzenwespen. 1070 Arten und Unterarten leben auch in Europa,[1] von ihnen kommen über 900 in Mitteleuropa vor. Sie sind überall auf der Welt häufig, nur in Australien sind nur drei Arten bekannt (und fünf vom Menschen eingeführte)[2].

Merkmale

Die Tiere werden je nach Art 2 bis 20 Millimeter lang und sind meist schwarz oder braun gefärbt. Aber wie auch ihr Äußeres, ist die Färbung äußerst vielfältig. Es gibt viele Arten, die leuchtend grün, rot oder gelb gefärbt sind und die unterschiedlichsten Musterungen aufweisen. Die Echten Blattwespen können nicht stechen, viele Arten imitieren Echte Wespen um dadurch gefährlich zu wirken (Mimikry). Wie allen Pflanzenwespen fehlt auch den Echten Blattwespen die Wespentaille zwischen Thorax und Abdomen. Ihre Fühler sind lang und haben 7 bis 15 Glieder, meist sind es aber neun. Bei vielen Arten sind sie gekämmt oder am Ende keulenförmig verdickt. Die Flügeladerung ist gut ausgebildet, es fehlt aber die Subcostalader auf den Vorderflügeln.

Die meisten Larven (Afterraupen) sehen, wie die aller Pflanzenwespen den Raupen von Schmetterlingen sehr ähnlich, unterscheiden sich von diesen aber durch insgesamt acht, statt maximal sieben Beinpaare. Larven der minierenden Arten besitzen aber keine oder reduzierte Beine. Die Tiere haben drei- bis fünfgliedrige Fühler.

Lebensweise

Die Imagines sind überwiegend Blütenbesucher, manche Arten leben aber auch räuberisch von kleineren Insekten.

Die Larven ernähren sich phytophag von einer Vielzahl verschiedener Laubbäume, -sträucher und krautiger Pflanzen. Sie sitzen überwiegend auf den Blättern, nicht selten in Gruppen und fressen am Rand sitzend von diesem nach innen. Bei Störung verkrümmen sie den Körper charakteristisch zu einem „S“. Nur die Arten der Heterarthrinae sind Minierer, andere wiederum sind Bohrer oder bilden Pflanzengallen. Einige Arten gelten in der Landwirtschaft als Schädlinge.

Arten (Auswahl)

Referenzen

  1. Tenthredinidae. Fauna Europaea, abgerufen am 12.05.
  2. Ian D Naumann, Margaret A Williams, Stefan Schmidt (2002): Synopsis of the Tenthredinidae (Hymenoptera) in Australia, including two newly recorded, introduced sawfly species associated with willows (Salix spp.). Australian Journal of Entomology (2002) 41, 1–6.

Literatur

  • Heiko Bellmann: Bienen, Wespen, Ameisen. Hautflügler Mitteleuropas. Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co KG, Stuttgart 1995, ISBN 3-440-09690-4

Weblinks

 Commons: Echte Blattwespen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Vorlage:Commonscat/WikiData/Difference

Die News der letzten Tage

30.06.2022
Mikrobiologie | Ökologie
Leben im Erdinneren
Mikroorganismen in Grundwasserleitern tief unter der Erdoberfläche produzieren ähnlich viel Biomasse wie solche in manchen Meeresbereichen.
30.06.2022
Ethologie | Vogelkunde
Zebrafinken im Schwarm: Blinker setzen und Schulterblick
Viele Vogelarten fliegen gemeinsam mit Artgenossen in Schwärmen, um Flugstrecken sicher zu überwinden.
30.06.2022
Taxonomie | Amphibien- und Reptilienkunde
99 Kaulquappenarten in einem neuen Feldführer
Wichtig, aber oft vernachlässigt: Kaulquappen spielen eine entscheidende Rolle in der Ökologie aquatischer Lebensräume.
29.06.2022
Bionik, Biotechnologie, Biophysik
Wasserabstoßung erster Schritt zum Leben an Land vor einer Milliarde Jahren
Wissenschaftler konnten erforschen, wie sich die Fähigkeit, extrem Wasser abzuweisen, von bestimmten Bakterien bereits vor einer Milliarde Jahren über Grünalgen, Schleimpilze, Moose und Farne bis zu den Lotusblättern entwickelt hat.
29.06.2022
Ökologie
Massenentwicklungen von Wasserpflanzen – natürliches Phänomen oder ernstes Problem?
Im Sommer zieht es viele Menschen an unsere Gewässer, doch dabei stoßen sie auf ein immer häufiger auftretendes Phänomen: die Massenentwicklung von Wasserpflanzen.
29.06.2022
Genetik | Evolution | Insektenkunde
Enzym bakteriellen Ursprungs förderte die Evolution der Bockkäfer
Genduplikationen erhöhte die Vielfalt und Spezifität der Enzyme, die es Larven von Bockkäfern ermöglichen, wichtige Holzbestandteile abzubauen.
28.06.2022
Mikrobiologie | Biochemie
Wie Darmbakterien im Menschen gedeihen
Ein Forschungsteam in Tübingen hat bedeutende Fortschritte erzielt in der Frage, wie Bakterien im menschlichen Darm gedeihen.
27.06.2022
Ethologie | Primatologie
Schimpansen finden sich in virtuellen Umgebungen zurecht
Mit Hilfe von Touchscreens durchquerten sechs Schimpansen aus dem Zoo Leipzig eine virtuelle Landschaft um zu einem weit entfernten Baum zu gelangen, unter dem sie verschiedene Früchte fanden.
27.06.2022
Ökologie | Vogelkunde
Schneller Rückgang der Geier-Bestände in Afrika: Schutzgebiete zu klein
Geier erfüllen wichtige Ökosystemfunktionen, da sie die Landschaft von Kadavern befreien und so beispielsweise die Ausbreitung von Wildtierkrankheiten begrenzen.
27.06.2022
Genetik | Biochemie | Bionik, Biotechnologie, Biophysik
Genome zeigen verstecktes Potential der Flechten
Flechten bilden unter anderem Stoffe mit biotischer Wirkung, die für die Pharmazie von großem Interesse sind - sogenannte sekundäre Flechtenstoffe.
22.06.2022
Bionik, Biotechnologie, Biophysik | Meeresbiologie
Ozean als Quelle für Naturstoffe angezapft
Forschende entdecken im Meerwasser anhand von DNA-​Daten nicht nur neue Bakterienarten, sondern auch unbekannte Naturstoffe, die dereinst nützlich sein könnten.