Blutagar

Alpha-Hämolyse auf Kochblutagarplatte
Beta-Hämolyse auf Blutagarplatte

Blutagar dient in der Mikrobiologie als Nährboden für Mikroorganismen, die Bestandteile des Blutes von Säugetieren für das Wachstum benötigen.

Der Nährboden besteht zu 5 bis 10 % aus defibriniertem Blut (in der Regel Schaf- oder Pferdeblut; für Spezialfälle auch Kaninchen- oder Schweineblut; selten Humanblut) und ermöglicht den Nachweis bestimmter Erregerklassen und die Beurteilung hämolysierender Eigenschaften der angezüchteten Bakterien (z. B. Streptokokken).

  • α-Hämolyse (Vergrünung): Die Bakterien produzieren keine Hämolysine, sie rufen auf Blutagar eine grünliche Zone hervor, die nicht auf eine echte Hämolyse sondern auf eine Entfärbung und einen Kaliumverlust der roten Blutkörperchen zurückzuführen ist.[1] Die Reduktion des Hämoglobins zu Biliverdin verursacht die grüne Färbung. Es finden sich noch intakte Erythrozyten.
  • β-Hämolyse: Die Bakterien produzieren Streptolysin O oder S und sind von einer klaren Hämolysezone umgeben. Das Hämoglobin wird vollständig abgebaut, es handelt sich hierbei um eine echte Hämolyse.[1] In diesem Bereich sind alle Erythrozyten vollständig hämolysiert.
  • γ-Hämolyse: Diese Bakterien zeigen keinerlei Hämolyserverhalten.

Der Kochblutagar (auch: Schokoladenagar) ist eine Variante des Blutagars, bei dem durch kurzzeitiges Erhitzen des Agars auf 80 °C[2] eine Lyse der Erythrozyten erreicht wird. Durch die Lyse werden Hämin („Faktor X“) und NAD („Faktor V“) in den Agar freigesetzt und können dort von Bakterien verstoffwechselt werden, die selbst nicht hämolysierend sind (z. B. Haemophilus influenzae). Kochblutplatten werden manchmal bei erhöhter CO2-Spannung bebrütet, besonders capnophile Keime, also CO2-bevorzugende Bakterien, sowie sämtliche Neisseria, vermehren sich so wesentlich besser.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Michael T. Madigan, John M. Martinko, Jack Parker: Brock Mikrobiologie. Deutsche Übersetzung herausgegeben von Werner Goebel, 1. Auflage. Spektrum Akademischer Verlag GmbH, Heidelberg 2000, ISBN 978-3-8274-0566-1, S. 562
  2. Technische Informationen Blut-Agar (Basis) der Merck KGaA, abgerufen am 11. Februar 2013

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