Bullenhai

Bullenhai
Bullshark Beqa Fiji 2007.jpg

Bullenhai (Carcharhinus leucas)

Systematik
Haie (Selachii)
Überordnung: Galeomorphii
Ordnung: Grundhaie (Carcharhiniformes)
Familie: Requiemhaie (Carcharhinidae)
Gattung: Carcharhinus
Art: Bullenhai
Wissenschaftlicher Name
Carcharhinus leucas
(Müller & Henle, 1839)

Der Bullenhai oder Gemeine Grundhai – manchmal auch Stierhai oder Sambesihai genannt (Carcharhinus leucas) – ist ein Hai aus der Familie der Requiemhaie (Carcharhinidae).

Körperbau

Mit 3,5 m Länge wird er über 200 kg schwer. Kennzeichnend sind die runde, sehr kurze Schnauze und kleine Augen. Die erste Rückenflosse ist ein nahezu gleichseitiges Dreieck, die 2. Rückenflosse ist wesentlich kleiner.

Verbreitung

Bullenhai in der Uferzone
Verbreitungsgebiete des Bullenhais

Er hält sich sowohl in Süß- als auch in Salzwasser auf. Hierbei bevorzugt er flaches Wasser in Ufernähe und im Mündungsgebiet der Flüsse und nutzt damit die schlechte Unterwassersicht aus, die bereits bei geringstem Seegang und durch die Vermischung des Süß- und Salzwassers entsteht. Sein Lebensraum ist in allen wärmeren Küstengebieten von

  • Afrika (Sambesi, Limpopo, Breede River)
  • Asien (Tigris, Ganges)
  • Australien (Brisbane River, Richmond River, Miami Lake/Gold Coast)
  • Nordamerika (Mississippi, Atchafalaya River/Louisiana, Indian River System und Indian Lagoon in Florida
  • Mittelamerika (Lago de Izabal/Guatemala und Nicaraguasee) und
  • Südamerika (Amazonas),

wo er sich in den Flüssen tief ins Landesinnere vorwagt und auch in Seen anzutreffen ist. So ist er über den Río San Juan in den mittelamerikanischen Nicaraguasee gelangt, wo sich mit der Zeit größere Populationen gebildet haben.

Süßwasserformen

Nicaraguahai

Die im Nicaraguasee vorkommenden Bullenhaie wurden teilweise als eigene Art, Carcharhinus nicaraguensis beschrieben, jedoch wissenschaftlich nicht anerkannt.

In den 1960er Jahren wurde festgestellt, dass Nicaraguahaie ähnlich wie Lachse die Stromschnellen des Flusses San Juan überwinden können und somit im Austausch mit der Karibischen See stehen. Im Nicaraguasee markierte Haie wurden 7-11 Tage später in der Karibik gefangen. Thomas B. Thorson von der University of Nebraska beobachtete in Langzeitstudien von 1960 bis 1982 den Migrationszyklus der Nicaraguahaie. Die größte Populationsdichte existiert im Unterlauf des San Juan und der Flussmündung des Rio Colorado in Costa Rica. Die Vermehrung erfolgt im Brackwasser und nicht im See. Nur 10-12 % der Bullenhaie, welche in den San Juan aufsteigen, gelangen in den Nicaraguasee, da viele Tiere von Berufsfischern wegen deren Haut, Rückenflossen und Fleisch herausgefangen werden. 1975 wurden von der Regierung Costa Ricas zahlreiche Schutzmaßnahmen für den Bullenhai erlassen, die Fangquote lag 1980 bei 113 Tonnen/Jahr. Die Bestände haben seitdem dennoch rapide abgenommen, da es aufgrund des Vermehrungszyklus, der langen Tragezeit und der geringen Nachkommenschaft vermutlich 20 Jahre dauern würde, bis sich die Population erholt.[1]

Zambesihai

Im Unterschied zum Nicaraguahai ist der Zambesihai eine lokale Unterart des Bullenhais. Der Zambesihai kommt in den wärmeren, stark getrübten Küstenflüssen der Regionen KwaZulu-Natal, Ostkap und Mosambik vor.[2] Bei Hochwasser in der Transkei finden Zambesihaie reiche Beute durch verendete Weidetiere, die flussabwärts gespült werden, und dringen weit in die Flusssysteme vor. Der Bullenhai ist bekannt als opportunistischer Räuber, der auf seinen Jagdzügen nicht auf eine bestimmte Beute spezialisiert ist. In den Sommermonaten gilt er auch für Menschen als Bedrohung. Im Breede River, dessen Mündungszone bei Witsand in der St. Sebastian Bucht als Aufzuchtsgebiet von Jungfischen gilt,[3] wurde 2008 ein 4 m langes und 600 kg schweres trächtiges Weibchen eines Zambesihais gefangen, welches eine absolute Ausnahmegröße darstellt.[4][5]

Ganges-Bullenhai

Im Unterlauf des Ganges in Indien kommt eine weitere Unterart des Bullenhais vor, die häufig mit dem Gangeshai (Glyphis gangeticus) verwechselt wird. Die häufigen Überschwemmungen und die indischen Bestattungsriten können zu Unfällen führen, da Bullenhaie die Flussläufe hochschwimmen und nach Kadavern suchen.[6]

Fortpflanzung

Datei:A female Carcharhinus leucas at the Shark Reef Marine Reserve, Fiji - pone.0016597.s006.ogv Die Wurfgröße beträgt 1–13 lebendgeborene Jungtiere, die Tragzeit 10–11 Monate. Weibchen werden mit 14 bis 15 Jahren geschlechtsreif, Männchen mit ungefähr 18 Jahren.

Nahrung

Er ernährt sich von Knochenfischen, anderen Haien, aber auch von Krebsen, Rochen und Weichtieren.

Bullenhai und Mensch

Der Bullenhai gehört neben dem Tigerhai und dem Weißen Hai zu den Haien, die für die meisten Haiangriffe auf Menschen verantwortlich gemacht werden. In den International Shark Attack Files des Florida Museum of Natural History werden 75 unprovozierte Angriffe und 23 Todesfälle aufgelistet. Viele Experten gehen davon aus, dass viele dem Weißen Hai zugeschriebene Angriffe auf Menschen tatsächlich vom Bullenhai ausgehen. Als Grund für Verwechslungen wird das ähnliche äußere Erscheinungsbild der beiden Arten angenommen.[7]

Belege

  1. http://digitalcommons.unl.edu/cgi/viewcontent.cgi?article=1035&context=ichthynicar
  2. Main shark page - Sharks in south africa
  3. (Seite nicht mehr abrufbar) Ehemals im Original: Vorlage:Toter Link/www.flmnh.ufl.edu[1]
  4. Huge Zambezi shark caught in Breede River : Treevolution
  5. SASC - Research
  6. Bull Shark (Carcharhinus leucas) Information and Classification
  7. DeLene Beeland: Tracking Bull Sharks and Rays in Florida’s Indian River Lagoon Florida Museum of Natural History, Januar 2009.

Literatur

  • Henry B. Bigelow, William C. Schroeder Carcharhinus Nicaraguensis, a Synonym of the Bull Shark, C. Leucas Harvard University
  • Edward Marriott, Savage Shore: Life and Death with Nicaragua's Last Shark Hunters, Metropolitan Books Travel ISBN 080505555X

Weblinks

 Commons: Bullenhai – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Vorlage:Commonscat/WikiData/Difference

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