Dieter Janz

Dieter Janz (* 20. April 1920 in Speyer) ist ein deutscher Neurologe, Epileptologe und emeritierter Hochschullehrer. Er zählt zu den Begründern der universitären Epileptologie in Deutschland. Sein Name ist insbesondere mit der Erstbeschreibung der später nach ihm benannten juvenilen myoklonischen Epilepsie verbunden.

Leben

Janz studierte zunächst an den Universitäten Marburg, Frankfurt, und Prag Medizin. Nach dem Wehrdienst schloss er sein Medizinstudium an der Universität Freiburg ab.[1] Die Assistenzzeit an der Heidelberger Ludolf-Krehl-Klinik ab 1946 unter dem Neurologen Paul Vogel wurde durch Studienaufenthalte in London und Zürich abgerundet. In Heidelberg lernte Janz auch Viktor von Weizsäcker und Alexander Mitscherlich kennen.[2]

Er promovierte 1947 mit Untersuchungen zum Karotissinus-Syndrom[3] und habilitierte sich 1955 mit einer Arbeit zu den Petit-mal-Epilepsien.[4]

1961 wurde Janz außerplanmäßiger Professor in Heidelberg[5] und 1973 auf den neugeschaffenen Lehrstuhl für Neurologie am Klinikum Charlottenburg der Freien Universität Berlin berufen. Er blieb Direktor der dortigen Abteilung für Neurologie bis zu seiner Emeritierung 1988. Heute arbeitet er in der Forschungsgruppe Klinische Epileptologie und Epilepsiegenetik an der Klinik für Neurologie der Universitätsmedizin Berlin.[6]

Schaffen

1957 beschreiben Janz und Walter Christian erstmals die später nach Janz benannte juvenile myoklonische Epilepsie als Syndrom.[7] Während seiner vielseitigen klinisch-wissenschaftlichen Arbeit in der Epileptologie machte Janz u. a. erstmals auf die teratogenen Wirkungen von Antiepileptika[8] aufmerksam und gehörte ebenfalls zu den ersten, die auf den Wirkverlust der Antibabypille bei gleichzeitiger Einnahme von Antiepileptika[9] hinwiesen.[5] Seine Epilepsie-Sprechstunde in Heidelberg wurde zur Keimzelle der Epileptologie in Deutschland.

Von 1960 bis 1972 war Janz Vorsitzender der Deutschen Liga gegen Epilepsie. 1962 beriet er den Mitherausgeber der Neuen Württembergischen Zeitung Dr. Fritz Harzendorf bei der Gründung der Stiftung Michael. Harzendorf war Vater eines Kindes mit Epilepsie. Die Stiftung Michael wurde zu einer der international wichtigen privaten Initiativen zur Erforschung und Bekämpfung von Anfallskrankheiten. Janz ist bis heute Vorsitzender des Stiftungsrats.

1994 zählte Janz zu den Gründern der „Viktor-von-Weizsäcker-Gesellschaft“. Janz ist auch Mitherausgeber der „Gesammelten Schriften“ Weizsäckers.[10]

Auszeichnungen

  • 1999: „Lifetime Achievement Award“ der Internationalen Liga gegen Epilepsie
  • 2004: Otfrid-Foerster-Medaille der Deutschen Liga gegen Epilepsie
  • 2008: „Scientific Award of Distinction“ des 8. Europäischen Kongresses für Epileptologie

Werke (Auswahl)

Einzelnachweise

  1. Rimpau W.: Dieter Janz wurde 85. Berliner Ärzte. 2005; 42:26 (PDF).
  2. Hempel U.: "Der Anblick des Menschen von innen." Interview mit Professor Dr. med. Dieter Janz. Berliner Ärzte. 2007; 44:29-32 (PDF).
  3. Dieter Janz: Zur Pathogenese des zentralen Carotissinussyndroms: Hemisphärenatrophie nach traumatischem Aneurysma des Sinus caroticus. Dissertation, Heidelberg 1947.
  4. Dieter Janz: Die Petit-Mal-Epilepsien. Habilitationsschrift, Heidelberg 1955.
  5. 5,0 5,1 Günter Krämer: Kleines Lexikon der Epileptologie. Thieme, Stuttgart 2005, S. 151, ISBN 3131338318 (Digitalisat).
  6. Universitätsmedizin Berlin. Klinik für Neurologie - Forschung. Abgerufen am 25. Januar 2010.
  7. Janz D, Christian W.: Impulsiv-Petit mal. Dtsch Z Nervenheilk 1957; 176:346-86. doi:10.1007/BF00242439.
  8. Janz D, Fuchs U.: Sind antiepileptische Medikamente während der Schwangerschaft schädlich? Dtsch Med Wochenschr. 1964; 89:241-8. PMID 14158990.
  9. Janz D, Schmidt D.: Anti-epileptic drugs and failure of oral contraceptives. Lancet 1974; 1:1113, PMID 4135275
  10. Viktor von Weizsäcker: Gesammelte Schriften in zehn Bänden. Herausgegeben von Peter Achilles, Dieter Janz, Martin Schrenk und Carl Friedrich von Weizsäcker, Suhrkamp, Frankfurt 1986–2005.

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