Duodenum

Verdauungsapparat des Menschen

Das Duodenum (zu deutsch der Zwölffingerdarm) ist der erste kurze Abschnitt des Dünndarms. Er ist beim Menschen circa 30 cm lang, was etwa 12 Fingerbreiten entspricht (daher der Name). Seine Form entspricht beim Menschen dem Aussehen eines 'C's, bei vierfüßigen Säugetieren wie ein nach vorn offenes Hufeisen. Er umrandet den Kopf der Bauchspeicheldrüse und ist mit der Bauchhöhle an der Rückwand verwachsen. In das Duodenum münden der galleführende Gang und der Ausführungsgang der Bauchspeicheldrüse.

Anatomie

Der Anfangsteil des Duodenums wird beim Menschen als Pars superior, bei Tieren als Pars cranialis bezeichnet. Er entspringt am Pylorus („Pförtner“ des Magens), ist über das Ligamentum hepatoduodenale mit der Leber verbunden (siehe Omentum minus) und liegt als einziger Abschnitt innerhalb des Peritoneums (intraperitoneal). Beim Menschen ist die Pars superior zu einer Ampulla duodeni (klinisch: Bulbus duodeni) erweitert und der Übergang zum Jejunum durch das Ligamentum suspensorium duodeni fixiert. Bei Huftieren ist die Pars cranialis S-förmig gebogen (Flexura sigmoidea) und steigt an der rechten Bauchwand zur Leberpforte auf.

Die Pars superior endet mit einer Krümmung (Flexura duodeni superior bzw. cranialis) setzt sich in den absteigenden Teil (Pars descendens) fort und von nun an liegen die übrigen Abschnitte des Duodenums beim Menschen sekundär retroperitoneal. Der Anfangsteil der Pars descendens besitzt bei Säugetieren eine seichte Schleimhautfalte (Plica longitudinalis duodeni), auf der die Papilla duodeni major (Syn. Vater-Papille), eine Erhebung mit der gemeinsamen Mündung des Ductus pancreaticus und des Ductus choledochus, sitzt. Die Pars descendens zieht abwärts, wo sich das Duodenum in der Flexura duodeni inferior bzw. caudalis erneut wendet. Dieser untere Teil wird auch als Pars horizontalis, bei Tieren als Pars transversa bezeichnet. Das Duodenum setzt sich nun als aufsteigender Teil (Pars ascendens) fort und geht an der Flexura duodenojejunalis (Zwölffingerdarm-Leerdarm-Biegung) in das Jejunum über.

In vielen Fällen kann über der üblichen Gallenmündung, der Papilla duodeni major, ein weiterer Gang aus dem Pankreas (Bauchspeicheldrüse) in die Papilla duodeni minor münden. Dieser Gang wird als Ductus pancreaticus accessorius bezeichnet.

Gefäßversorgung

Arteriell wird das Duodenum über die Arteria gastroduodenalis (aus der Arteria hepatica communis aus dem Truncus coeliacus) versorgt, die in ihrem weiteren Verlauf die Arteria supraduodenalis und die Arteriae pancreaticoduodenales superiores anterior et posterior abgibt. Vor allem die letzten beiden Arterien sind für den Großteil der Versorgung des Duodenums verantwortlich. Diese bilden Anastomosen mit Gefäßzweigen der Arteria pancreaticoduodenalis inferior, die aus der Arteria mesenterica superior stammt.

Venös sind die Venae pancreaticoduodenales superior et inferior sowie deren Äste für die Drainage verantwortlich. Sie münden variabel entweder in die Vena mesenterica superior oder direkt in die Pfortader (Vena portae hepatis).

Histologie

feingeweblicher Schnitt

Das Duodenum zeigt den für alle Organe des Magendarmtraktes typischen Aufbau. Diese gliedert sich in Schleimhaut (Tunica mucosa), Tela submucosa, Muskelschicht (Tunica muscularis) und Tunica adventitia (retroperitoneal) bzw. serosa (intraperitoneal).

Die Schleimhaut gliedert sich von innen (Darmlumen) nach außen in:

Die Tela submucosa besteht aus lockerem Bindegewebe und dient als Verschiebeschicht zwischen Schleimhaut und Muskelschicht. Außerdem enthält sie Blutgefäße, Lymphgefäße, den Plexus submucosus und als Besonderheit des Duodenums sogenannte Brunner-Drüsen (Glandulae duodenales).

Die Muskelschicht gliedert sich in eine innere Ring- und eine äußere Längsmuskelschicht (Stratum circulare und Stratum longitudinale). Die Aufgabe der Muskulatur besteht in der Erzeugung der Darmperistaltik, wobei eine Kontraktion der Ringschicht das Darmlumen einengt und eine Kontraktion der Längsschicht den Darm verkürzt. Zwischen Ring- und Längsmuskelschicht befinden sich in einer dünnen Bindegewebsschicht Gefäße und die Nervenfasern des Plexus myentericus.

Untersuchung

endoskopische Sicht

Die Untersuchung des Duodenums erfolgt sinnvollerweise in der Regel mit einem flexiblen Endoskop, da damit gleichzeitig Gewebsproben (Biopsien) entnommen werden können. Dies wird als Duodenoskopie bezeichnet. Meist wird der Magen (Gastroduodenoskopie) und der angrenzende Teil des Dünndarms (Duodenojejunoskopie) mituntersucht. Mittels einer Duodenalsonde kann der Duodenalinhalt zwecks Untersuchung auf Krankheitserreger oder zur Ruhigstellung abgeleitet oder eine Ernährung unter Umgehung des Kau- und Schluckapparats und des Magens ermöglicht werden.

Krankheiten

Das Duodenum ist medizinisch besonders durch das recht häufige Zwölffingerdarmgeschwür (Ulcus duodeni) von Bedeutung. Etwa 2 % der Bevölkerung bekommen im Laufe ihres Lebens ein solches Geschwür.

Weitere Erkrankungen sind:

Literatur

  • Theodor H.Schiebler (Hrsg.): Anatomie. Histologie, Entwicklungsgeschichte, makroskopische und mikroskopische Anatomie, Topographie. Unter Berücksichtigung des Gegenstandskatalogs. 9., vollständig überarbeitete Auflage. Springer Medizin, Berlin u. a., ISBN 3-540-21966-8, S. 569–576.
  • Ulrich Welsch: Lehrbuch Histologie. Zytologie, Histologie, mikroskopische Anatomie. 2., völlig überarbeitete Auflage. Elsevier, Urban & Fischer, München u. a., ISBN 3-437-42421-1, S. 377–378.

Weblinks

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