Edelpapagei

Edelpapagei
Edelpapageienpaar, rechts das Männchen

Edelpapageienpaar, rechts das Männchen

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Papageien (Psittaciformes)
Familie: Eigentliche Papageien (Psittacidae)
Unterfamilie: Edelpapageien (Psittaculinae)
Gattung: Edelpapageien
Art: Edelpapagei
Wissenschaftlicher Name der Gattung
Eclectus
Wagler, 1832
Wissenschaftlicher Name der Art
Eclectus roratus
(Müller 1776)
Weibchen
Männchen
Männchen
Junges Männchen mit noch nicht vollständig ausgefärbtem Schnabel

Der Edelpapagei (Eclectus roratus) ist eine farbenprächtige Papageienart mit einem so ausgeprägten Geschlechtsdimorphismus, dass Männchen und Weibchen früher für verschiedene Arten gehalten wurden. Der Edelpapagei ist der einzige rezente Vertreter der Gattung Eclectus. Eine zweite Art, der ausgestorbene Polynesische Edelpapagei (Eclectus infectus) ist nur durch subfossile Knochenfunde, die in die Zeit der Lapita-Kultur datiert werden, sowie durch eine Zeichnung aus dem 18. Jahrhundert bekannt. Der Edelpapagei gilt als häufig. Insgesamt werden nicht weniger als zehn Unterarten unterschieden.

Edelpapageien sind große, kräftige Papageien mit einem quadratischen und im Verhältnis zur Körpergröße proportional kurzen Schwanz. Die Flügel sind lang und gerundet. Das Kleingefieder ist auffallend glänzend. Die Wachshaut ist befiedert und der Schnabel ist groß und weist am Oberschnabel eine deutliche Kerbe aus. Sie sind sehr laut und fallen im Regenwald durch ihren heiseren Ruf auf. Edelpapageien halten sich in der Regel in der Wipfelregion auf und kommen nur selten auf den Boden.

Edelpapageien werden wegen ihrer spektakulären Gefiederfärbung und ihres ungewöhnlichen Geschlechtsdimorphismus häufig als Volierenvögel gehalten. Sie benötigen geräumige Volieren, gelten aber ansonsten als robust und langlebig. In menschlicher Obhut gehaltene Edelpapageien haben bereits ein Lebensalter von mehr als 30 Jahren erreicht.[1]

Merkmale

Edelpapageien erreichen eine Körpergröße von etwa 35 Zentimetern und wiegen zwischen 440 und 620 Gramm.[2]

Die Männchen haben ein grünes Gefieder. Der Scheitel und die Ohrdecken sind etwas bläulicher. Der Flügelbug, der Flügelrand und die großen Flügeldecken sind blau. Die äußeren Handschwingen sind blauschwarz. Die Außenfahnen der Handschwingen sind schmal purpurblau gesäumt. Die übrigen Schwungfedern sind purpurblau. Lediglich die Innenfahnen sind an der Basis grün. Die Unterflügeldecken, Flanken und der seitliche Bauch sind rot. Die Steuerfedern sind oberseits dunkelblau oder grün mit dunkelblauen Spitzen. Die Schwanzunterseite ist grauschwarz. Der Oberschnabel ist rötlich, während der Unterschnabel schwarz ist.

Das Weibchen hat dagegen ein überwiegend kräftig rotes Gefieder. Es ist auf dem Rücken, den Flügeldecken und den Schenkeln dunkler. Rund um das Auge verläuft ein feines Band. Sie weisen ein breites, violettblaues Nackenband auf. Auf dem Bauch verläuft ebenfalls ein breites, violettblaues Band. Der Flügelbug, der Flügelrand, die großen Flügeldecken sowie die Unterflügeldecken sind blau. Die äußeren Handschwingen sind blauschwarz. Die übrigen Schwungfedern sind purpurblau, wobei die Innenfahnen an ihrer Basis matt rot werden. Der Schwanz ist auf der Oberseite rot mit einer breiten orangeroten Spitze. Die Schwanzunterseite ist gelblich orange und endet mit einer breit orangeroten Spitze. Ihr Schnabel ist vollständig schwarz. Die Beine sind grau.[3]

Den ungewöhnlich ausgeprägten Geschlechtsdimorphismus zeigen bereits die Jungvögeln. Sie sind jedoch insgesamt etwas matter gefärbt. Bei jungen Männchen ist das Gefieder bläulich überhaucht, was besonders auf der Körperunterseite und den Flügeldecken auffällt. Bei jungen Weibchen ist das Nackenband etwas verwaschener und weist einen grünlichen Anflug auf. Bei beiden Geschlechtern ist der Schnabel dunkelbräunlich. Die Iris ist braun.[4]

Vorkommen

Edelpapageien haben ein verhältnismäßig großes Verbreitungsgebiet. Es reicht von den Molukken und den Kleinen Sundainseln über Neuguinea bis zu den Solomoneninseln und der australischen Cape York-Halbinsel. Die Bestandsdichte ist nicht überall gleich hoch. Das Hauptverbreitungsgebiet umfasst Neuguinea und umliegende Inseln. Eine kleine Population existiert auf Cape York in Australien. Die Art gilt laut IUCN als ungefährdet. Der Edelpapagei ist ein Bewohner von Tieflandregenwäldern und Mangroven.

Unterarten

Man unterscheidet folgende Unterarten:

  • Aru-Edelpapagei (Eclectus roratus aruensis)
  • Biak-Edelpapagei (Eclectus roratus biaki)
  • Cornelia-Edelpapagei (Eclectus roratus cornelia)
  • Queensland-Edelpapagei (Eclectus roratus macgillivrayi) - das Verbreitungsgebiet dieser Unterart umfasst ausschließlich den Osten der Cape York-halbinsel.
  • Neuguinea-Edelpapagei (Eclectus roratus polychloros) - das Verbreitungsgebiet dieser Unterart umfasst die Boigu Inseln, Dauan Inseln und die Sabai Inseln in der Nordwestgruppe der Torres Strait. Diese Inseln gehören zum australischen Bundesstaat Queensland - aus diesem Grund wird die Unterart zur Avifauna Australiens gezählt. Ihr Hauptverbreitungsgebiet hat sie im Tiefland von Neuguinea und den dortigen küstennahen Inseln.
  • Riedel-Edelpapagei (Eclectus roratus riedeli)
  • Ceram-Edelpapagei (Eclectus roratus roratus)
  • Salomon-Edelpapagei (Eclectus roratus solomonensis)
  • Halmahera-Edelpapagei (Eclectus roratus vosmaeri)
  • Westermans Edelpapagei (Eclectus roratus westermani) - diese Unterart ist nur von 11 Museumsexemplaren bekannt.

Verhalten

Der Edelpapagei ist ein geselliger Vogel, der sich zum Schlafen großen Schwärmen anschließt und tagsüber paarweise oder in kleineren Trupps auf Nahrungssuche geht. Er ernährt sich von Früchten, Knospen, Sämereien und Nüssen. Edelpapageien sind kraftvolle Flieger, die längere Strecken hoch über den Wipfeln des Regenwaldes zurücklegen. Ihre Flügelschläge sind weit ausholend und wirken gemächlich. Der Flug ist immer wieder von kurzen Gleitphasen unterbrochen. Die Rufe des Edelpapageis klingen rau und kreischend.

Fortpflanzung

Edelpapageien werden im Alter von zwei bis drei Jahren geschlechtsreif. Sie pflanzen sich zu jeder Jahreszeit fort und brüten bei günstigen Voraussetzungen auch zweimal im Jahr. In einer hochgelegenen Baumhöhle legt das Weibchen zwei bis drei Eier, die es alleine drei bis vier Wochen bebrütet. Vom Männchen wird es in dieser Zeit mit hochgewürgtem Futter versorgt. Beide Altvögel kümmern sich um die Aufzucht der Jungen.

Belege

Einzelnachweise

  1. Forshaw, S. 342
  2. Forshaw, S. 336
  3. Forshaw, S. 336
  4. Forshaw, S. 336

Literatur

Weblinks

 Commons: Edelpapagei – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Diese Artikel könnten dir auch gefallen

Die News der letzten 7 Tage

13.06.2021
Anthropologie | Virologie | Immunologie
Wie Viren Immunzellen zu Trojanischen Pferden machen
Zytomegalieviren programmieren Fresszellen der Lunge so um, dass sie selbst Viren produzieren und diese in der Lunge verbreiten.
13.06.2021
Bionik und Biotechnologie | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Zuckerhirse: Süßes Versprechen für die Umwelt
Zuckerhirse lässt sich zur Herstellung von Biogas, Biokraftstoffen und neuen Polymeren nutzen, zudem kann sie dazu beitragen, Phosphatdünger zu ersetzen.
13.06.2021
Botanik | Physiologie
Todesduft der Pfeifenwinde lockt Sargfliegen in die Blüten
Ein internationales Pflanzenforscherteam hat in einer neuen Studie eine ungewöhnliche und bisher unbekannte Fortpflanzungsstrategie bei Pflanzen entdeckt.
11.06.2021
Ökologie | Biodiversität | Meeresbiologie
Untermieter auf Manganknollen: Schwämme sorgen für Artenreichtum
Tief auf dem Meeresgrund lagern wertvolle Rohstoffe – beispielsweise Knollen aus Mangan, Eisen, Kobalt und Kupfer.
11.06.2021
Morphologie
Das Metallgebiss des Borstenwurms
Metallatome sind für die bemerkenswerte Stabilität von Borstenwurm-Kiefern verantwortlich, zeigen Experimente der TU Wien.
11.06.2021
Paläontologie | Entwicklungsbiologie
Versteinert: 99 Millionen Jahre alte Geburt
Einem Forschungsteam ein außergewöhnlicher Fund gelungen: Sie fanden eine fossile weibliche Landschnecke, die gemeinsam mit ihren fünf Jungtieren in einem 99 Millionen Jahre alten Bernstein eingeschlossen wurde.
09.06.2021
Genetik | Neurobiologie
Menschen-Gen macht Mäuse schlauer
Ein Gen, das nur beim Menschen vorkommt, führt bei Mäusen zu einem größeren Gehirn, erhöhter Flexibilität des Gedächtnisses und weniger Ängstlichkeit.
09.06.2021
Taxonomie
„Zombie-Frosch“ entdeckt
Senckenberg-Wissenschaftlerinnen haben mit einem internationalen Team drei neue Froscharten aus dem nördlichen Amazonasgebiet beschrieben.
09.06.2021
Klimawandel | Primatologie
Kein Platz für Menschenaffen
Der Klimawandel wird das Verbreitungsgebiet afrikanischer Menschenaffen in den nächsten 30 Jahren drastisch verkleinern.