El-Sidron-Höhle


Die El-Sidron-Höhle (spanisch Cueva de El Sidrón) ist eine Kalksteinhöhle im Norden Spaniens, im Hochland von Asturien, in der prähistorische Felszeichnungen und fossile Überreste von Neandertalern gefunden wurden.

Auf dem Gebiet der Gemeinde Piloña, in der Parroquia Borines, 1 km westlich von Vallobal, fanden Freizeitforscher im März 1994 bei der Erkundung des Höhlensystems[1] die versteinerten Überreste einer Gruppe von Neandertalern, die dort vor etwa 43 000 Jahren lebten.

1994 wurden insgesamt 140 Schädelfragmente, Knochen und Zähne gefunden, Überreste von mindestens neun Neandertalern: einem dreijährigen und einem etwa achtjährigen Kind, zwei Jugendlichen und fünf jungen Erwachsenen. Bei allen zeigen die Zähne deutliche Zeichen von Nahrungsmangel. Ein Schädelfragment und ein Stück eines Oberarmknochens wiesen Spuren von Schlägen mit Faustkeilen auf, ein Hinweis darauf, dass sie womöglich eines gewaltsamen Todes starben. Schnittspuren und Bruchstellen an den Knochen deuten auf Kannibalismus hin. Kurz nach dem Tod der Gruppe brach der Boden der Höhle ein, Knochen, Erde und Steine stürzten 20 m tief in eine von unterirdischem Wasser ausgespülte Kalksteinkammer.

Von drei verschiedenen Neandertaler-Knochen aus der El-Sidron-Höhle, die 2006 gefunden wurden (441, 1253 und 1351c)[2] analysierten die Forscher um Carles Lalueza-Fox vom Institut de Biologia Evolutiva in Barcelona die mitochondriale DNA (mtDNA).[3] Zwei Neandertaler (1253 und 1351c) hatten dieselbe, die Sprache ermöglichende Mutation im Bereich Exon 7 des FOXP2-Gens wie der moderne Mensch.[4] Weitere Untersuchungen an Knochen aus der El-Sidron-Höhle ergaben, dass einige Neandertaler ein Gen besaßen, das sie befähigte, bitteren Geschmack zu erkennen. [5] Lalueza-Fox und Kollegen fanden in den Knochen von zwei Neandertalern aus der El-Sidron-Höhle (1252) und aus Monti Lessini eine Variante des MC1R-Gens, die es bei heutigen Menschen nicht gibt und die Mischung von roter und dunkler Pigmentierung von Haar und Haut regelt. Beide Neandertaler hatten helle Haut und rötliche Haare.[6]

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Stephen S. Hall: Die letzten Neandertaler National Geographic Deutschland, Ausgabe 11/2008
  2. Neandertals have the same mutations in FOXP2, the language gene, as modern humans Anthropology.net
  3. Carles Lalueza-Fox et al.: Neandertal Evolutionary Genetics: Mitochondrial DNA Data from the Iberian Peninsula - Molecular Biology and Evolution Mbe.oxfordjournals.org
  4. J. Krause et al.: The derived FOXP2 variant of modern humans was shared with Neandertals. In: Current Biology, 17/2007, S. 1908–1912. PMID 17949978
  5. Carles Lalueza-Fox et al.: Bitter taste perception in Neanderthals through the analysis of the TAS2R38 gene In: Biology Letters, Royal Society, 12. August 2009, DOI:10.1098/rsbl.2009.0532
  6. Carles Lalueza-Fox et al.: A Melanocortin 1 Receptor Allele Suggests Varying Pigmentation Among Neanderthals In: Science Nr. 30 November 2007, Vol. 318. Nr. 5855, S. 1453–1455 DOI: 10.1126/science.1147417

Koordinaten: 43° 23′ 1″ N, 5° 19′ 44″ W

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