Prädator

(Weitergeleitet von Fressfeind)
Dieser Artikel beschreibt den biologischen Fachausdruck. Für den gleichnamigen Film siehe Predator (Film).
Der nordamerikanische Rotschwanzbussard (Buteo jamaicensis) ernährt sich von Kleinsäugern, hier von einer Kalifornischen Feldmaus (Microtus californicus)

Als Prädator (lat. praedatio „Raub“;[1] auch Räuber) wird in der Ökologie ein Organismus bezeichnet, der sich von anderen, noch lebenden Organismen oder Teilen von diesen ernährt.[2] Die Bezeichnung umfasst neben den echten Prädatoren (Beutegreifer) und Parasitoiden, die ihre Beutetiere oder Wirte töten, auch Weidegänger (Pflanzenfresser) und Parasiten, die sich nur von Teilen der lebenden Organismen ernähren, ohne sie zu töten.[2]

Nach einer ebenfalls verbreiteten, weniger umfassenden Definition werden als Prädation nur ökologische Beziehungen zweier Arten („Bisysteme“) bezeichnet, bei denen eine Art (der Prädator oder Räuber) die andere Art (Beute) tötet und als Nahrungs-Ressource nutzt.[1] Entsprechend dieser Definition werden den Prädatoren nur echte Prädatoren zugeordnet, zu denen neben fleischfressenden Tieren auch Fleischfressende Pflanzen gehören.[1] Herbivoren sind entsprechend dieser Definition keine Prädatoren. Dies entspricht in der globaleren Definition der Bezeichnung „Echte Räuber“ oder „Beutegreifer“.

Bei Prädatoren lebt das Beutetier zum Zeitpunkt des ersten Angriffs noch,[2] wodurch eine Abgrenzung zum Konsumieren von totem organischem Material besteht, wie dies beispielsweise bei Aasfressern (Necrophage) und Saprobionten der Fall ist.

Abgrenzung

Nach der funktionellen Klassifizierung unterscheidet man echte Räuber, Weidegänger, Parasiten und Parasitoide. Diese zwischenartlichen Wechselwirkungen, bei denen ein Lebewesen ein anderes oder Teile davon konsumiert, werden als Prädation bezeichnet.[2]

Nach einer ebenfalls verbreiteten Abgrenzung ist ein Prädator nur die Sammelbezeichnung für Tierarten, die sich von anderen Tieren (von Beute) ernähren oder als Parasit sich von Teilen des Organismus ernähren. Herbivoren sind entsprechend dieser engeren Definition keine Prädatoren. Diese engere Definition von Prädator entspricht somit weitgehend der Bezeichnung „Echte Räuber“, „Beutegreifer“ oder – aus Sicht der Beute – „Fressfeind“. Steht ein Prädator in der Nahrungskette ganz oben, spricht man von einem Spitzenprädator.

Systematik

Echte Räuber
erbeuten meist verschiedene Organismen und töten sie gleich nach dem Angriff. Die Beute wird ganz oder teilweise gefressen.
Beispiele: Fleischfressende Pflanzen, Raubtiere
Weidegänger
Hausrinder als Weidegänger
sind Organismen, die im Laufe ihres Lebens eine große Zahl von anderen lebenden Organismen (Pflanzen) abweiden und damit in der Regel nur Teile dieser Organismen aufnehmen. Der Angriff auf diese Organismen ist in der Regel schädlich, jedoch selten tödlich.[3]
Beispiele: Schafe, Kühe
Parasiten
konsumieren ebenfalls nur einen Teil der Beute. Ihr Angriff wirkt sich zwar oft negativ auf die Beute aus, führt jedoch selten zu deren Tod. Es werden einzelne oder wenige Individuen angegriffen, wobei es hier eine enge Parasit-Wirt-Beziehung gibt, die bei echten Räubern oder Weidegängern fehlt.
Beispiele: Bandwürmer, Madenwürmer

Die Abgrenzung ist nicht immer scharf; zum Beispiel agieren Pflanzenfresser, die einzellige Algen oder Samen aufnehmen, teilweise wie echte Räuber.

Synonyme

Der Löwe (Panthera leo) ist ein Prädator im engeren Sinne

Andere in diesem Zusammenhang verwendete Bezeichnungen sind z. B. Zoophag, Raubtier, Räuber, Beutegreifer und Carnivore, welche aber teilweise zur Verwechslung mit der Säugetierordnung der Raubtiere (Carnivora) verleiten. Meist werden diese Bezeichnungen nur auf echte Räuber angewandt, sodass weder Parasiten noch Herbivoren von ihnen miterfasst werden.

Fleischfresser

Die Bezeichnung Fleischfresser, Zoophage oder Carnivor entsprechen dem bereits definierten „Räuber“, umfassen aber auch Fleischfressende Pflanzen und Fleischfressende Pilze. Neben den Carnivoren gibt es auch omnivore Räuber, wie z. B. den Dachs oder den Menschen.

Körner- und Fruchtfleischfresser

Als seed predators werden im englischen Sprachgebrauch (speziell in den USA) auch Tierarten bezeichnet, die Samen (seeds) fressen (seed predation); hierfür wird im Deutschen inzwischen neben Körnerfresser auch die Bezeichnung Samenprädator benutzt. In ähnlicher Weise wird gelegentlich pulp predator als Fruchtfleischprädator (statt: Fruchtfleischfresser bzw. Weichfresser) übersetzt.

Konsumenten

Grundsätzlich sind alle Prädatoren auch Konsumenten, sie ernähren sich als heterotrophe Organismen von anderen Lebewesen. Diese Bezeichnung findet aber vorwiegend bei qualitativen und quantitativen Untersuchungen des Stoffkreislaufes und des Energieflusses in einem Ökosystem Verwendung.

Evolutive Aspekte der Prädation

Durch den hohen Selektionsdruck, den die Prädation auf die Beute ausübt, sowie durch die Abhängigkeit der Prädatoren vom Vorhandensein der Beuteorganismen, kommt es häufig zur Coevolution zwischen Räuber und Beute.[1] Räuber-Beute-Beziehungen lassen sich durch Lotka-Volterra-Gleichungen beschreiben.

Literatur

  • M. E. Begon, J. L. Harper, C. R. Townsend: Ökologie. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 1996. ISBN 3-8274-0226-3.
  • R. Wehner, W. Gehring: Zoologie. 24. Aufl. Georg Thieme, New York 2007. ISBN 3-13-367424-2
  • Lexikon der Biologie. Bd. 11. Spektrum, Heidelberg 2003. ISBN 3-8274-0336-7

Weblinks

 Commons: Kategorie Prädation – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Vorlage:Commonscat/WikiData/Difference
Wiktionary Wiktionary: Prädator – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 Stichwort „Prädation“ In: Herder-Lexikon der Biologie. Spektrum Akademischer Verlag GmbH, Heidelberg 2003. ISBN 3-8274-0354-5
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 M. E. Begon, J. L. Harper, C. R. Townsend: Ökologie. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 1996; S. 718. ISBN 3-8274-0226-3.
  3. M. E. Begon, J. L. Harper, C. R. Townsend: Ökologie. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 1996; S. 723. ISBN 3-8274-0226-3.

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