Herkogamie

Blüte des Kapernstrauchs (Capparis spinosa) mit durch ein Gynophor über die Ebene der Staubgefäße erhobenen Fruchtknoten

Als Herkogamie wird in der Botanik die räumliche Trennung von männlichen und weiblichen Geschlechtsorganen innerhalb einer Blüte bezeichnet. Diese dient der Vermeidung von Selbstbestäubung und der Förderung der Fremdbestäubung. Die Herkogamie stellt als Mechanismus dabei eine Alternative zur Diklinie, also der Bildung getrenntgeschlechtlicher Blüten dar.

In den meisten Fällen liegt bei Herkogamie die Narbe in der Anflugbahn eines die Blüte besuchenden Insekts, so dass von einer anderen Blüte mitgebrachter Pollen hier abgeladen wird, bevor an den Staubgefäßen neuer Pollen aufgenommen wird. Anatomisch kann dies durch eine starke Verlängerung des Griffels oder durch das Anheben des gesamten Gynoeceums durch ein Gynophor, eine Verlängerung der Blütenachse, erreicht werden. Bei manchen Pflanzenarten wie der Gauklerblume (Mimulus) ist die Herkogamie mit einer durch Berührung ausgelösten Bewegung (Thigmonastie) verbunden, die die Narbe nach dem Besuch eines Insekts verschließt oder aus der Anflugbahn bewegt, so dass eine Bestäubung beim Abflug des Insekts verhindert wird.

Eine andere Form der Herkogamie stellt die Heterostylie dar, bei der innerhalb einer Art verschieden gestaltete Blüten vorkommen, wobei in einem Typ die Positionen der männlichen und weiblichen Geschlechtsorgane im Vergleich zum anderen jeweils vertauscht sind, so dass in einem Blütentyp am Insekt abgelagerter Pollen nur im anderen Typ in Kontakt mit der Narbe kommt.

Literatur

  •  Peter Leins, Claudia Erbar: Blüte und Frucht. Aspekte der Morphologie, Entwicklungsgeschichte, Phylogenie, Funktion und Ökologie. E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 2000, ISBN 3-510-65194-4, S. 145–151.

Diese Artikel könnten dir auch gefallen

Die News der letzten 7 Tage

13.05.2021
Botanik | Klimawandel | Biodiversität | Bioinformatik
Mit Smartphones den ökologischen Wandel erfassen
Smartphone-Apps zur Pflanzenbestimmung wie „Flora Incognita“ können nicht nur Pflanzenarten erkennen, sie erfassen auch großräumige ökologische Muster.
13.05.2021
Genetik | Evolution | Immunologie
Neue Erkenntnisse über die Evolution des Immunsystems
Der menschliche Körper verfügt, wie alle anderen Lebewesen auch, über ein sogenanntes angeborenes Immunsystem.
13.05.2021
Toxikologie | Biochemie | Insektenkunde
Meerrettich-Erdfloh: Geschützt mit den Waffen seiner Nahrungspflanze
Wenn Meerrettich-Erdflöhe an ihren Wirtspflanzen fressen, nehmen sie nicht nur Nährstoffe, sondern auch Senfölglykoside, die charakteristischen Abwehrstoffe des Meerrettichs und anderer Kreuzblütengewächse, auf.
13.05.2021
Toxikologie | Insektenkunde | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Die Achillesferse eines Käfers: Glyphosat
Der Getreideplattkäfer lebt in enger Gemeinschaft mit symbiotischen Bakterien.
13.05.2021
Zoologie | Ökologie
Globaler Atlas soll große Tierwanderungen bewahren
Wildtiere soweit das Auge reicht: Millionen von Gnus ziehen gemeinsam mit Zebras, Gazellen und Antilopen durch das grüne Gras weiter Ebenen in Ostafrika.
11.05.2021
Zytologie | Physiologie | Bioinformatik
Wie man als Einzeller ans Ziel gelangt
Wie ist es ohne Gehirn und Nervensystem möglich, sich gezielt in die gewünschte Richtung zu bewegen? Einzellern gelingt dieses Kunststück offenbar problemlos.
11.05.2021
Ökologie
Studie zur Funktionsweise aquatischer Ökosysteme
Die Funktionen wassergeprägter Ökosysteme können durch hydrologische Schwankungen erheblich beeinflusst und verändert werden.
11.05.2021
Klimawandel | Meeresbiologie
Mit Bakterien gegen die Korallenbleiche
Korallen sind das Rückgrat mariner Ökosysteme der Tropen.
11.05.2021
Zoologie | Ökologie
Afrikanische Wildhunde als Botschafter für das weltweit grösste Naturschutzgebiet
Das weltweit grösste Landschutzgebiet liegt im Süden Afrikas und umfasst 52039000 Quadratkilometer in fünf Ländern.
10.05.2021
Physiologie
Orientierungssinn von Fledermäusen
Säugetiere sehen mit den Augen, hören mit den Ohren und riechen mit der Nase.