Inhibin

Inhibin Beta A-Kette (Dimer) Struktur von PDB 2ARV

Inhibin ist ein – im menschlichen Organismus – als Glykoprotein gebildetes Proteohormon, welches in den Sertolizellen der Hoden und in den Granulosazellen der Eierstöcke gebildet wird. Es reguliert die FSH-Freisetzung: Die Ausschüttung des Inhibins wird durch FSH stimuliert, gleichzeitig hemmt es dessen Freisetzung an der Hirnanhangdrüse. Namensgebend war die Inhibition der FSH-Bildung in der Hirnanhangdrüse. Die Substanz Inhibin wurde bereits von McCullagh 1932 postuliert[1], die Isolierung und Charakterisierung gelang aber erst 1985.[2]

Inhibin besteht aus zwei Eiweißketten, einer Alpha- und eine Beta-Kette. Da es mehrere verschiedene Beta-Ketten (Beta-A und Beta-B) gibt, können mehrere verschiedene Inhibine gebildet werden: beispielsweise Inhibin A (aus einer Alpha- und einer Beta-A-Kette) oder Inhibin B (aus einer Alpha- und einer Beta-B-Kette). Inhibin A kommt vorwiegend in Eierstöcken, Inhibin B in Hoden vor (siehe oben).

Die für die Untereinheiten codierenden Gene sind INHA, INHBA, INHBB, INHBC und INHBE.

Als Besonderheit in der Gruppe der Eiweißhormone können sich auch zwei Beta-Ketten zusammenlagern und bilden dann ein Hormon namens Activin, welches im Gegensatz zum Inhibin das FSH nicht hemmt, sondern seine Freisetzung aus der Hirnanhangdrüse stimuliert. Je nach Kettenzusammensetzung gibt es folglich Activin A (zwei Beta-A-Ketten), Activin B (zwei Beta-B-Ketten) und Activin AB (Beta-A- und Beta-B-Kette). Die Erstbeschreibung erfolgte zeitgleich durch zwei Arbeitsgruppen, die in verschiedenen Stockwerken des Salk-Instituts in La Jolla, Kalifornien, arbeiteten und ihre Entdeckung in der gleichen Ausgabe der Zeitschrift Nature publizierten.[3][4] Die Arbeitsgruppe von N. Ling prägte im zitierten Artikel den Begriff Activin wegen der FSH-stimulierenden Wirkung.

Neben den bekannteren Activin-Untereinheiten (Beta-Ketten), Activin beta A und Activin beta B wurden in Säugetieren noch 2 weitere Unterheiten (Activin beta C und Activin beta E) beschrieben, welche sowohl Homo- als auch Heterodimere bilden können. Ihre physiologische Funktion ist noch weitgehend ungeklärt. Im Xenopus laevis wurde außerdem noch Activin beta D beschrieben.[5]

Daneben werden Hormone aus der Gruppe der Inhibine ebenso in anderen tierischen wie auch pflanzlichen Organismen gebildet. Wegen der hohen Konservierung zwischen den Spezies ist anzunehmen, dass Inhibin und Activin wichtige Hormone nicht nur für die Sexualfunktion sind. Sie spielen unter anderem auch eine Rolle in der Zellteilung von Xenopus laevis.

Inhibin darf nicht mit den antimikrobiell wirksamen Inhibinen (u. a. im Honig) verwechselt werden.

Quellen

  1. McCullagh DR. Dual endocrine activity of the testes. Science 1932; 76:19-20. PMID 17815236
  2. Ling N, Ying SY, Ueno N et al. Isolation and partial characterization of a Mr 32,000 protein with inhibin activity from porcine follicular fluid Proc Natl Acad Sci. 1985;82:7217-7221. PMID 3864157
  3. Vale W, Rivier J, Vaughan J et al. Purification and characterization of an FSH releasing protein from procine ovarian follicular fluid Nature. 1986;321:776-779. PMID 3012369
  4. Ling N, Ying SY, Ueno N et al. Pituitary FSH is released by a heterodimer of the beta-subunits from the two forms of inhibin Nature. 1986;321:779-782. PMID 3086749
  5. Deli A, Kreidl E et al. Activins and activin antagonists in hepatocellular carcinoma. World J Gastroenterol. 2008 Mar 21;14(11):1699-709. PMID 18350601

Diese Artikel könnten dir auch gefallen

Die News der letzten 7 Tage

31.07.2021
Ökologie | Neobiota
Teure Invasoren
Wissenschaftlerinnen haben die durch invasive Arten entstandenen Kosten in Europa und Deutschland untersucht.
31.07.2021
Anthropologie | Neurobiologie
Lernpausen sind gut fürs Gedächtnis
Wir können uns Dinge länger merken, wenn wir während des Lernens Pausen einlegen.
31.07.2021
Botanik | Immunologie | Parasitologie
Eichenwälder widerstandsfähiger machen
Kahlgefressene Eichen sind ein Bild, das in den letzten Jahren immer wieder zu sehen war. Verursacher sind häufig die massenhaft auftretenden Raupen des Eichenwicklers.
29.07.2021
Ökologie | Toxikologie
Wasser blau – Badestrand grün
Viele klare Seen der Welt sind von einem neuen Phänomen betroffen: In Ufernähe, wo Menschen spielen oder schwimmen, ist der Seeboden mit grünen Algenteppichen bedeckt.
29.07.2021
Anatomie | Paläontologie
Patagonischer Langhalssaurier neu beleuchtet
Ein Team der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie (SNSB-BSPG) untersuchte im Rahmen einer Neubeschreibung die Überreste des Langhalssauriers Patagosaurus fariasi (175 Mio Jahre) aus Argentinien.
29.07.2021
Anthropologie | Virologie | Bionik, Biotechnologie, Biophysik
Hochwirksame und stabile Nanobodies stoppen SARS-CoV-2
Ein Forscherteam hat Mini-Antikörper entwickelt, die das Coronavirus SARS-CoV-2 und dessen gefährliche neue Varianten effizient ausschalten.
29.07.2021
Zytologie | Biochemie
Pflanzen haben ein molekulares „Gedächtnis“
Wie eine Pflanze wächst, hängt einerseits von ihrem genetischen Bauplan ab, zum anderen aber davon, wie die Umwelt molekulare und physiologische Prozesse beeinflusst.
29.07.2021
Ökologie | Bionik, Biotechnologie, Biophysik | Meeresbiologie
Forschungsfahrt: Hydrothermale Wolken in der Nähe der Azoren
Sie entstehen, wenn von glühendem Magma aufgeheizte Lösungen aus der Erdkruste in der Tiefsee austreten und auf kaltes Meerwasser treffen: Hydrothermale Wolken stecken voller Leben, sie versorgen die Ozeane mit Nährstoffen und Metallen.
28.07.2021
Physiologie | Bionik, Biotechnologie und Biophysik
Spurensuche im Kurzzeitgedächtnis des Auges
Was wir sehen, hinterlässt Spuren: Mit schnellen Bewegungen, sogenannten Sakkaden, springt unser Blick zwischen verschiedenen Orten hin und her, um möglichst scharf abzubilden, was sich vor unseren Augen abspielt.
27.07.2021
Bionik, Biotechnologie und Biophysik
Neue Möglichkeiten: Topologie in der biologischen Forschung
Ein aus Quantensystemen bekanntes Phänomen wurde nun auch im Zusammenhang mit biologischen Systemen beschrieben: In einer neuen Studie zeigen Forscher dass der Begriff des topologischen Schutzes auch für biochemische Netzwerke gelten kann.
27.07.2021
Anthropologie | Neurobiologie
Viel mehr als Gehen
Jahrzehntelang dachte man, dass ein Schlüsselbereich des Gehirns lediglich das Gehen reguliert.
26.07.2021
Ökologie | Paläontologie
Uralte Haizähne geben Hinweis auf eine globale Klimakrise
Die stete Drift der Kontinente formt nicht nur Gebirgszüge, sondern hat auch großen Einfluss auf die Tierwelt im Meer.
26.07.2021
Anatomie | Bionik, Biotechnologie und Biophysik | Bioinformatik
Wie tierische Sprinter enorme Spitzengeschwindigkeiten erreichen
Eine interdisziplinäre Forschungsgruppe hat ein physikalisches Modell entwickelt, um zu erforschen, von welchen Eigenschaften die maximale Laufgeschwindigkeit bei Tieren abhängig ist.
26.07.2021
Anthropologie | Zoologie | Ethologie
Hunde als „Gedankenleser“
Dass Hunde vielfach als der „beste Freund des Menschen“ bezeichnet werden, ist bekannt.
26.07.2021
Mikrobiologie | Genetik | Biochemie
RNA kontrolliert die Schutzhülle von Bakterien
Der Magenkeim Helicobacter pylori weiß, wie er sich gegen Angriffe des Immunsystems oder durch Antibiotika schützen kann.