Kammerwasser

Anatomischer Aufbau des Auges (Kammerwasser hellblau)

Das Kammerwasser (Humor aquosus) ist eine klare Körperflüssigkeit in der vorderen und hinteren Augenkammer.

Stoffwechsel

Das Kammerwasser wird von Carboanhydrasen des Strahlenkörpergewebes aus Blutbestandteilen gebildet. Ähnlich wie bei der Blut-Hirn-Schranke sorgen ultrastrukturelle Zellabdichtungen für eine hochspezifische chemische Zusammensetzung des Kammerwassers (Blut-Kammerwasser-Schranke).

Ein menschliches Auge produziert etwa 3 bis 9 ml Kammerwasser pro Tag bei einem Augapfelvolumen von rund 6,5 ml.

Weg des Kammerwassers

Das Kammerwasser wird an den Ziliarfortsätzen gebildet, in die hintere Augenkammer abgegeben und gelangt durch die Pupille auch in die vordere Augenkammer. Hierbei entsteht ein Kreislauf: An der Vorderseite der Iris steigt das Kammerwasser aufgrund der höheren Temperatur nach oben, um daraufhin an der kühleren Hornhautrückfläche abzusinken. Dann wird es im sogenannten Kammerwinkel (Angulus iridocornealis) über den Schlemm-Kanal resorbiert und gelangt über den Plexus venosus sclerae, einem venösen Geflecht in der Sclera, wieder in den Blutkreislauf. Bei einigen Tierarten erfolgt der Abfluss jedoch vor Allem über die Gefäße des Ziliarkörpers und der Iris (uveoskleraler oder uveovortikaler Abfluss).

Funktion

Das Kammerwasser enthält Nährstoffe für Linse und Hornhautendothel und dient mit seinem Gehalt an Immunfaktoren und seiner Zirkulation der Entfernung potentiell schädigender Agenzien aus dem Augeninneren.

Das Verhältnis von Produktion zu Abflussmenge des Kammerwassers bestimmt den Augeninnendruck.

Krankheiten

Kammerwasserverlust nach Eröffnung des Augapfels z. B. bei Operationen oder Unfällen kann zur Aderhautschwellung führen. Dies besonders häufig, wenn der entstandene Druckverlust nicht in kurzer Zeit ausgeglichen wird. Austretendes Kammerwasser kann mit Hilfe des Seidel-Tests nachgewiesen werden.

Eine Überproduktion oder Störungen des Kammerwasserabflusses führen zu einem Anstieg des Augeninnendrucks und erhöhen damit das Risiko eines Glaukoms (Grüner Star).

Literatur

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