Krummzähniger Tannenborkenkäfer

Krummzähniger Tannenborkenkäfer
Illustration aus Calwers Käferbuch

Illustration aus Calwers Käferbuch

Systematik
Ordnung: Käfer (Coleoptera)
Unterordnung: Polyphaga
Familie: Rüsselkäfer (Curculionidae)
Unterfamilie: Borkenkäfer (Scolytinae)
Gattung: Pityokteines
Art: Krummzähniger Tannenborkenkäfer
Wissenschaftlicher Name
Pityokteines curvidens
Germ.

Der Krummzähnige Tannenborkenkäfer (Pityokteines curvidens, Syn. Ips curvidens), auch Krummzähniger Weißtannenborkenkäfer[1] genannt, ist eine europäische Borkenkäferart aus der Gattung der Pityokteines innerhalb der Familie der Rüsselkäfer (Curculionidae).

Fraßbild

Beschreibung

Adulte männliche Käfer werden zwischen 2,7 und 3,2 Millimeter und weibliche Käfer zwischen 2,0 und 2,6 Millimeter lang. Der Körper ist zylindrisch geformt, glänzend braun gefärbt und dicht mit Haaren bedeckt. Die Haare sind am Hinterleib etwas länger als am Kopf.[2] Die Fühler sind gelb.[3] Am Absturz der Elytren befinden sich drei Zähne. Der erste Zahn ist beim Männchen aufwärts gebogen, die anderen zwei sind hakenförmig gebogen und weisen aufeinander. Bei den Weibchen sind die Zähne kleiner. Von diesen gebogenen Zähnen leitet sich der deutsche Artname ab. Die kleinen Eier sind von weißlicher Farbe. Die Larven werden rund 8 Millimeter lang.[2]

Verbreitung

Der Verbreitungsschwerpunkt des Krummzähnigen Tannenborkenkäfers liegt in Mittel-, Süd- und Osteuropa.[3]

Lebensweise

Die Art befällt vor allem Tannenarten (Abies). Seltener befällt er auch die Libanon-Zeder (Cedrus libani), die Europäische Lärche (Larix decidua), die Gemeine Fichte (Picea abies), die Weymouths-Kiefer (Pinus strobus), die Waldkiefer (Pinus sylvestris) und Pseudotsuga taxifolia.[3] Das Männchen legt in der Rinde eine Rammelkammer an, von der aus das Weibchen zwei rund 5 bis 10 Zentimeter lange Muttergänge nach unten und nach oben gräbt. Diese Muttergänge teilen sich an den Enden in zwei Arme auf. Rund 2 Wochen nach der Eiablage schlüpfen die Larven. Die Larven fressen rund 7 Zentimeter lange Gänge in die Rinde und den Splint. Nach rund 4 bis 5 Wochen legen die Larven Puppenkammern rund 6 Millimeter tief im Splint an. Die adulten Käfer schlüpfen nach rund zwei bis drei Wochen. Es kommt zur Ausbildung von zwei, bei günstigen Bedingungen auch drei Generationen im Jahr. Die erste Generation fliegt von Ende April bis Mai. Die zweite Generation fliegt von Juli bis August.[2] Nach trockenen Jahren können Massenvermehrungen auftreten. Die adulten Käfer überwintern in der Rinde von älteren, lebenden Tannen. Stoßen die Käfer dabei auf eine Harzgalle, entstehen am Stamm charakteristische Harztröpfchen. Die Tannen überleben in der Regel einen solchen Überwinterungsfraß. Werden junge Bäume allerdings häufig erfolglos angebohrt, kann der Harzverlust zum Absterben führen.[1]

Schadwirkung

Der Krummzähnige Tannenborkenkäfer ist einer der gefährlichsten Schädlinge für Tannen. Obwohl er normalerweise nur geschwächte und kranke Bäume befällt, ist er bei Massenvermehrungen auch an gesunden Bäumen anzutreffen.[2] Bei befallenen Bäumen löst sich die Rinde ab und die Krone verfärbt sich.[1]

Bekämpfung

Gefällte und kranke Bäume sollten schnellstmöglich genutzt oder aus dem Wald entfernt werden, damit dem Käfer nicht genügend Brutstätten zur Verfügung stehen. Bäume, die nicht genutzt oder entfernt werden können, sollten entrindet werden, ehe die Larven ins Holz vorgedrungen sind.[2]

Systematik

Die Art wird als Schwesterart des Mittleren Tannenborkenkäfers (Pityokteines vorontzowi) angesehen.[4]

Quellen

Referenzen

  1. 1,0 1,1 1,2 Beschreibung bei wsl.ch
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 Eintrag bei Forestpests.org
  3. 3,0 3,1 3,2 Eintrag bei Faunistik.net
  4.  Milan Pernek, Dimitrios N. Avtzis, Boris Hrašovec, Danko Diminic, Rudolf Wegensteiner, Christian Stauffer und Antony I. Cognato: Novel morphological and genetic markers for the discrimination of three European Pityokteines (Coleoptera: Curculionidae: Scolytinae) species. In: Periodicum Biologorum. 110, Nr. 4, 2008, S. 329–334. [1]

Diese Artikel könnten dir auch gefallen

Die letzten News

03.03.2021
Ökologie | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Produktion nachhaltiger Lebensmittel in Aquakulturen
Eine nachhaltige Lebensmittelproduktion in Aquakulturen ganz ohne Mikroplastik. Das ist das langfristige Ziel eines neuen und über zwei Jahre laufenden Forschungsprojektes.
03.03.2021
Botanik | Biochemie | Entwicklungsbiologie
Wie eine Pflanze ihr Wachstum reguliert
Pflanzen zeigen polares Wachstum: Der Spross von Pflanzen wächst zum Licht, um dieses optimal nutzen zu können und die Wurzeln wachsen in Richtung des Erdmittelpunktes in den Boden.
02.03.2021
Zytologie | Genetik
Genetisches Material in Taschen verpacken
Alles Leben beginnt mit einer Zelle.
02.03.2021
Biodiversität
Artenspürhunde - Schnüffeln für die Wissenschaft
Die Listen der bedrohten Tiere und Pflanzen der Erde werden immer länger.
28.02.2021
Anthropologie | Genetik
64 menschliche Genome als neue Referenz für die globale genetische Vielfalt
Eine internationale Forschungsgruppe hat 64 menschliche Genome hochauflösend sequenziert.
28.02.2021
Neurobiologie | Insektenkunde
Wie Insekten Farben sehen
Insekten und ihre hochentwickelte Fähigkeit Farben zu sehen und zum Beispiel Blüten unterscheiden zu können, sind von zentraler Bedeutung für die Funktion vieler Ökosysteme.
28.02.2021
Genetik | Virologie
Retroviren schreiben das Koala-Genom um
Koalas sind mit zahlreichen Umwelt- und Gesundheitsproblemen konfrontiert, die ihr Überleben bedrohen.
26.02.2021
Ökologie | Paläontologie
Student entwickelt ein neues Verfahren, um Millionen Jahre alte Ökosysteme zu rekonstruieren
Niklas Hohmann, Masterstudent der Geowissenschaften an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), hat einen neuen Algorithmus entwickelt, mit dem sich die Abfolge von Ökosystemen durch die Erdgeschichte besser rekonstruieren lässt.
26.02.2021
Klimawandel | Biodiversität | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Unterirdische Biodiversität im Wandel
Durch den globalen Wandel wird die Vielfalt der Bakterien auf lokaler Ebene voraussichtlich zunehmen, während deren Zusammensetzung sich auf globaler Ebene immer ähnlicher wird.
25.02.2021
Botanik | Ökologie | Klimawandel | Video
Wald im Trockenstress: Schäden weiten sich weiter aus
Ergebnisse der Waldzustandserhebung 2020 zeigen: Die anhaltenden Dürrejahre fordern Tribut.
24.02.2021
Physiologie | Primatologie
Geophagie: Der Schlüssel zum Schutz der Lemuren?
Kürzlich wurde eine transdisziplinäre Forschung über die Interaktionen zwischen Böden und Darm-Mykobiom (Pilze und Hefen) der Indri-Indri-Lemuren veröffentlicht.
24.02.2021
Mikrobiologie | Evolution
Vom Beginn einer evolutionären Erfolgsstory
Unser Planet war bereits lange von Mikroorganismen besiedelt, bevor komplexere Lebewesen erstmals entstanden und sich nach und nach zur heute lebenden Tier- und Pflanzenwelt entwickelten.
24.02.2021
Genetik
Cre-Controlled CRISPR: konditionale Gen-Inaktivierung wird einfacher
Die Fähigkeit, ein Gen nur in einem bestimmten Zelltyp auszuschalten, ist für die modernen Lebenswissenschaften wesentlich.
24.02.2021
Land-, Forst- und Viehwirtschaft | Fischkunde
Bald nur noch ängstliche Fische übrig?
Über die Fischerei werden vor allem größere und aktivere Fische aus Populationen herausgefangen.
23.02.2021
Anthropologie | Neurobiologie
Placebos wirken auch bei bewusster Einnahme
Freiburger Forschende zeigen: Scheinmedikamente funktionieren auch ohne Täuschung. Probanden waren über Placebo-Effekt vorab informiert.
23.02.2021
Botanik | Klimawandel
Auswirkungen des Klimas auf Pflanzen mitunter erst nach Jahren sichtbar
Die Auswirkungen von Klimaelementen wie Temperatur und Niederschlag auf die Pflanzenwelt werden möglicherweise erst Jahre später sichtbar.
23.02.2021
Ökologie | Klimawandel
Biologische Bodenkrusten bremsen Erosion
Forschungsteam untersucht, wie natürliche „Teppiche“ Böden gegen das Wegschwemmen durch Regen schützen.
23.02.2021
Mikrobiologie | Meeresbiologie
Süße Algenpartikel widerstehen hungrigen Bakterien
Eher süß als salzig: Mikroalgen im Meer produzieren jede Menge Zucker während der Algenblüten.
21.02.2021
Evolution | Biochemie
Treibstoff frühesten Lebens – organische Moleküle in 3,5 Milliarden Jahre alten Gesteinen nachgewiesen
Erstmalig konnten biologisch wichtige organische Moleküle in archaischen Fluideinschlüssen nachgewiesen werden. Sie dienten sehr wahrscheinlich als Nährstoffe frühen Lebens auf der Erde.
21.02.2021
Evolution | Biochemie
Origin of Life - Begann die Darwin’sche Evolution schon, bevor es Leben gab?
Ehe Leben auf der Erde entstand, gab es vor allem eines: Chaos.
21.02.2021
Anthropologie | Neurobiologie
Kommunikationsfähigkeit von Menschen im REM-Schlaf
Mit schlafenden Versuchspersonen lassen sich komplexe Nachrichten austauschen. Das haben Wissenschaftler jetzt in Studien gezeigt.
21.02.2021
Paläontologie | Insektenkunde
Fossile Larven - Zeitzeugen in Bernstein
Eine ungewöhnliche Schmetterlingslarve und eine große Vielfalt an Fliegenlarven. LMU-Zoologen haben in Bernstein fossile Bewohner Jahrmillionen alter Wälder entdeckt.
21.02.2021
Ethologie | Ökologie
Wölfe in der Mongolei fressen lieber Wild- als Weidetiere
Wenn das Angebot vorhanden ist, ernähren sich Wölfe in der Mongolei lieber von Wildtieren als von Weidevieh.
21.02.2021
Meeresbiologie
Neuer Wohnort im Plastikmüll: Biodiversität in der Tiefsee
Ein internationales Forscherteam findet einen neuen Hotspot der Biodiversität – und zwar ausgerechnet im Plastikmüll, der sich seit Jahrzehnten in den Tiefseegräben der Erde ansammelt.
19.02.2021
Meeresbiologie | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Durch Aquakultur gelangt vom Menschen produzierter Stickstoff in die Nahrungskette
Ausgedehnte Aquakulturflächen entlang der Küsten sind in Südostasien sehr verbreitet.