Monozyt

Monozyt, umgeben von Erythrozyten

Monozyten, auch Monocyten (von altgriechisch μόνος monos „allein“, „einzig“ und altgriechisch κύτος cýtos „Höhlung“, „Gefäß“, „Hülle“), sind im Blut zirkulierende Zellen des Immunsystems und die Vorläufer der u. a. in den Geweben lokalisierten Makrophagen sowie eines Teils der Dendritischen Zellen. Ihre Aufgabe ist die Zerstörung körperfremder Strukturen durch Phagozytose und die Aktivierung der erworbenen Immunabwehr mittels Antigenpräsentation. Der wichtigste Speicherort für Monozyten ist die Milz. Die Monozyten gehören sowohl zum spezifischen als auch zum unspezifischen Abwehrsystem. [1] Zirkulierende Monozyten haben eine Lebensdauer von 1 bis 3 Tagen, bevor sie ausdifferenzieren und in die Gewebe einwandern. Dort leben sie als Makrophagen für mehrere Wochen bis Monate weiter.

Aufbau

Mit einem Durchmesser von 5–20 µm gehören Monozyten zu den größten der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) und machen ca. 3–8 % der Leukozyten-Population aus. Sie besitzen einen charakteristischen (von griech. monos, „einzig“) großen Kern von meist bohnenartiger Form und verhältnismäßig wenig Zytoplasma. Monozyten sind keine homogene Zellpopulation, sondern es werden verschiedene Subpopulationen unterschieden. Neben dem für Monozyten typischen Oberflächenmarker CD14[2] gibt es Subpopulationen, die zusätzlich den Marker CD16 tragen.[3] [4] CD14++CD16+ Monozyten sind Prädiktoren zukünftiger kardiovaskulärer Ereignisse bei Dialysepatienten [5]und bei Patienten mit chronischer, nicht dialysepflichtiger Nierenerkrankung [6]. Da bisher kein Oberflächenmarker bekannt ist, der ausschließlich auf Monozyten exprimiert wird, müssen Kombinationen von Oberflächenmarkern verwendet werden, um die Monozyten im Durchflusszytometer eindeutig zu identifizieren.

Seit 2010 besteht internationaler Konsensus, drei Subpopulationen der Monozyten zu unterscheiden [7]:

  • Classical monocytes (CD14++CD16-)
  • Intermediate monocyts (CD14++CD16+)
  • Non-classical monocytes (CD14+CD16++)

Die zur Identifikation herangezogenen Oberflächenmarker auf den Monozyten anderer Säugetiere unterscheiden sich zum Teil von denen des Menschen. Bei Ratten werden ED9, CD43 und CD62, bei Schweinen CD163 verwendet.

Entwicklung und Funktion

Im Knochenmark befindliche hämatopoetische (blutbildende) Stammzellen können sich unter Einfluss bestimmter Wachstumsfaktoren wie GM-CSF (Granulozyten-Makrophagen Kolonie-stimulierender Faktor) und M-CSF (Makrophagen Kolonie-stimulierender Faktor) in sogenannte Monoblasten entwickeln. Aus ihnen wiederum entwickeln („differenzieren“) sich Monozyten, die dabei das Knochenmark verlassen und in den Blutkreislauf übergehen. Dort zirkulieren sie für 1-3 Tage. Innerhalb dieses Zeitraums wandern sie bei Kontakt mit Infektionen in das betroffene Gewebe. Diese Fähigkeit haben Monozyten mit neutrophilen Granulozyten gemein, treffen jedoch zeitlich versetzt (bis zu einigen Tagen) am Infektionsort ein (genauere Beschreibung: siehe neutrophiler Granulozyt). Der wichtigste Speicherort der Monozyten ist die rote Milzpulpa, von der sie bei akuten Entzündungen in großer Zahl freigesetzt werden können. [1]. Während der Einwanderung in das Gewebe differenzieren sich Monozyten in Makrophagen. Auch vor der Differenzierung in Makrophagen sind Monozyten in der Lage, körperfremde Strukturen wie Mikroorganismen intrazellulär aufzunehmen und zu zerstören. Dadurch sind Monozyten zur Antigenpräsentation befähigt und initiieren auf diese Weise die erworbene Immunabwehr.

Monozyten können auch in vitro mit bestimmten Zytokinen stimuliert und in Dendritische Zellen [8] oder Makrophagen differenziert werden.

Vesikel aus Membranfragmenten von Monozyten können sogenannte im Blut zirkulierende Mikropartikel bilden, die unter anderem Thromboplastin (engl. tissue factor) enthalten. Thromboplastin ist vor allem am Prozess der Blutgerinnung beteiligt.[9]

Zelluläre Signale

Bestandteile bakterieller Zellwände, bakterielle Lipoproteine oder Antigen-gebundene Antikörper aktivieren bestimmte toll-like“-Rezeptoren (TLRs), die auf der Plasmamembran von Monozyten, Makrophagen und B-Zellen zu finden sind. Die Aktivierung von TLR2 und TLR4 wird über Signalweiterleitung ins Zell-Innere geführt. Infolgedessen werden z. B. entzündungsfördernde Stoffe (Mediatoren wie Interleukin-1β, Interleukin-6 oder der Tumor-Nekrose-Faktor) hergestellt oder der Phagozytose-Prozess eingeleitet.

Monozyten-assoziierte Krankheiten

Monozyten und Makrophagen verarbeiten in natürlichem Maße LDL, einen wichtigen Teil des Fettstoffwechsels. Ist dieses jedoch durch Acetylierung des Protein-Anteils modifiziert, kann dieses oxidierte LDL nicht mehr verarbeitet werden und häuft sich im Zell-Inneren an. Die daraus entstandenen Makrophagen nennt man Schaumzellen. Sie gelten im Zusammenhang mit verletzten Blutgefäßen als Hauptursache der Arteriosklerose.

Eine Erhöhung der Monozyten-Anzahl infolge chronischer Entzündungen oder Nekrosen wird als Monozytose bezeichnet.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Filip K. Swirski et al.: Identification of Splenic Reservoir Monocytes and Their Deployment to Inflammatory Sites. In: Science 325 (2009), S. 612–616
  2. Jonas L, Schütt C, Neels P, Walzel H, Siegl E.: Electron microscopic study of receptor mediated endocytosis of a monoclonal antibody (RoMo-1) against the surface marker CD14 of human monocytes.Acta Histochem Suppl. 1990;39:339-44. PMID 1706877
  3. "Nockher AW, Scherberich JE ": Expanded CD14+CD16+ monocyte subpopulation in patients with acute and chronic infections undergoing hemodialysis. Infect Immun 66; 2782-2790 (1998)
  4. Stec M, Weglarczyk K, Baran J, Zuba E, Mytar B, Pryjma J, Zembala M.: Expansion and differentiation of CD14+CD16(-) and CD14++ CD16+ human monocyte subsets from cord blood CD34+ hematopoietic progenitors. J Leukoc Biol. 2007 Sep;82(3):594-602. PMID 17595380
  5. Heine GH et al Kidney International 2008
  6. Rogacev et al. Eur H J 2011
  7. Nomenclature of monocytes and dendritic cells in blood. Ziegler-Heitbrock L et al Blood 2010
  8. Reddy A, Sapp M, Feldman M, Subklewe M, Bhardwaj N: A monocyte conditioned medium is more effective than defined cytokines in mediating the terminal maturation of human dendritic cells.Blood. 1997 Nov 1;90(9):3640-6.; PMID 9345048
  9. Mackman N."Role of tissue factor in hemostasis and thrombosis."Blood Cells Mol Dis. 2006 Mar-Apr;36(2):104-7. Review.

Weblinks


Diese Artikel könnten dir auch gefallen

Die News der letzten 7 Tage (10 Meldungen)

27.01.2022
Physiologie | Ethologie | Vogelkunde
Singvögel nutzen Erdmagnetfeld als Stoppschild
Dass wenige Gramm schwere Singvögel nach einem Flug über zwei Kontinente zu ihrem Brutplatz vom Vorjahr zurückfinden, erscheint selbst Fachleuten wie ein kleines Wunder.
27.01.2022
Mikrobiologie | Ökologie
Überleben am oberen Temperaturlimit
Forschende entdecken überraschende Überlebensstrategie von Mikroorganismen an der absoluten Grenze des Lebens bei Untersuchungen von Bohrkernen aus 120°C heißen Sedimenten: Schneller Stoffwechsel repariert Hitzeschäden.
26.01.2022
Zytologie | Biochemie
Neue Funktion von Mitochondrien entdeckt
Mitochondrien bieten einem Forschungsteam zufolge unerwartete Krisenhilfe für Zellen, indem sie schädliche Stoffe „veratmen“.
26.01.2022
Anthropologie | Biodiversität | Säugetierkunde
Die Zukunft der Luchse in Mitteleuropa
Deutsche Wissenschaftler*innen haben mit einem internationalen Team die genetische Vielfalt von Luchsen in Europa untersucht - in ihrer Studie zeigen sie, dass die genetische Vielfalt in den Populationen wiederangesiedelter Luchse über die Jahre stark abgenommen hat.
27.01.2022
Anthropologie | Ethologie
12.000 Jahre alt: Zerstörungsfreie Methode datiert Felskunst im Amerikanischen Westen
In Stein gravierte menschenähnliche Wesen, fantastische Tiergestalten oder geometrische Muster: Felsbilder sind oft Jahrtausende alt und erlauben uns einzigartige Einblicke in die geistige Welt unserer Vorfahren.
26.01.2022
Morphologie | Evolution | Insektenkunde
Flexible Mundwerkzeuge ermöglichten extremen Artenreichtum winziger Wespen
Ein Forschungsteam untersucht derzeit große Mengen von sehr kleinen Insekten mit Röntgenstrahlen, um den Gründen ihrer außergewöhnlichen Vielfalt auf die Spur zu kommen.
25.01.2022
Zytologie | Genetik | Biochemie
Eine unerwartete Anziehung von Nukleinsäuren und Fett
Wissenschaftler finden heraus, dass Lipide die RNA-Aktivität modulieren – ein möglicher Hinweis auf den Ursprung des Lebens und ein Werkzeug für die synthetische Biologie.
25.01.2022
Ökologie | Bionik, Biotechnologie, Biophysik | Biodiversität
Weltweit Schutzgebiete unter die Lupe genommen
Schutzgebiete gehören zu den effektivsten Mitteln, um die biologische Vielfalt zu erhalten, allerdings werden neue Schutzgebiete oft eingerichtet, ohne bereits bestehende Reservate zu berücksichtigen.
24.01.2022
Anthropologie | Ethologie | Primatologie
Werkzeuggebrauch bei Schimpansen ist kulturell erlernt
Werden Schimpansen Nüsse und Steine vorgesetzt, wissen sie damit von sich aus nicht viel anzufangen.
24.01.2022
Ethologie | Biochemie
Partnersuche bei Spinnen
In einer Studie an der Wespenspinne „Argiope bruennichi“ haben Wissenschaftlerinnen zeigen können, dass die Weibchen ihre Pheromonmenge strategisch an die Paarungssituation anpassen können.