Monro-Kellie-Doktrin

Die Monro-Kellie-Doktrin, auch Monro-Kellie-Hypothese genannt, besagt, dass die Summe der drei Komponenten: Gehirngewebe, Blut, und Liquor cerebrospinalis innerhalb der Schädelhöhle stets gleich bleiben muss, um den intrakraniellen Druck konstant zu halten.

Definition

Die bereits im 19. Jahrhundert formulierte Doktrin basiert auf der Tatsache, dass die Schädelhöhle ein starrer Hohlraum mit definiertem Volumen ist (rigid box). Sie besagt, das die Summe der drei Komponenten:

  • Gehirngewebe (etwa 80 Prozent)
  • Blut (etwa 12 Prozent)
  • Liquor (etwa 8 Prozent)

innerhalb der Schädelhöhle stets gleich bleiben muss, um den intrakraniellen Druck konstant zu halten. Das verfügbare intrakranielle Volumen beträgt dabei etwa 1600 ml.

Bei Zunahme einer der drei Komponenten kann der Druck durch die Abnahme einer anderen Komponente, wie etwa durch Liquorresorption, weitestgehend konstant gehalten werden. Diese Möglichkeit der Kompensation ist jedoch schnell erschöpft und der Hirndruck steigt dann bei weiteren kleinsten Volumenzunahmen steil an.[1][2]

Durch den steigenden Hirndruck kann der cerebrale Perfusionsdruck (CPP), der die Differenz zwischen dem mittleren arteriellen Druck und dem Hirndruck darstellt, sinken. Fällt dieser für mehrere Minuten unter einen Wert von 50 mmHg, so verringert sich die Blutversorgung des Gehirns und irreversible Schäden treten nach kurzer Zeit auf.[2]

Beispiel für die Monro-Kellie-Doktrin

Bei einer Vergrößerung des Liquorvolumens, z.B. infolge einer chronischen Störung des Liquorabflusses, kommt es zu einer Ausweitung der Liquorräume (Hydrocephalus occlusus) mit Schrumpfung des Hirngewebes (Hirnatrophie).

Geschichtliches

Der schottische Anatom Alexander Monro II. (1733–1817) hat 1783 als erster den menschlichen Schädel als rigid box („starres Behältnis“) bezeichnet, der mit dem nahezu uneindrückbarem Gehirn gefüllt ist.[3][4] George Kellie bestätigte 1824 diesen Denkansatz,[5] der später Monro-Kellie-Doktrin benannt wurde.

Literatur

  • M. R. Gaab: Die Registrierung des intrakraniellen Druckes. Grundlagen, Techniken, Ergebnisse und Möglichkeiten. In: Fortschr Med. 102/1984, S. 957–962.
  • M. R. Gaab: Intrakranielle Drucksteigerung: Therapeutische Optionen. In: Anästhesiologie Intensivmed Notfallmed Schmerzth. 34/1999, S. 71–78.
  • A. J. Popp u.a.: Pathophysiologic of traumatic brain injury. In: Neurosurgery. McGraw-Hill, 1996, S. 2623–2637.
  • F. Servadei u.a.: Analysis of 37 patients with evolving intracranial lesions in the first 12 hours after trauma: Value of ICP-monotoring. In: Intracranial Pressure IX. Springer, 1994, S. 335–338.
  • G. D. Silverberg: Intracranial pressure monitoring. In: Neurosurgery. McGraw-Hill, S. 185–190.
  • D. W. Taylor: The Mnauscript Lecture-Notes of Alexander Monro, Secundus (1733–1817). In: Medical History. 22/1978, S. 174–186.
  • B. Mokri: The Monro–Kellie hypothesis: Applications in CSF volume depletion.. In: Neurology. 56/2001, S. 1746–1748.

Einzelnachweise

  1. Czosnyka M: Cerebrospinal fluid dynamics. In: Physiol. Meas.. 25, 2004, S. R51-R76. doi:10.1088/0967-3334/25/5/R01.
  2. 2,0 2,1 G. Brinksmeier: Experimentelle Messung ortsdifferenter Druckentwicklung an einem Kunstkopf bei supratentoriellen Raumforderungen, Dissertation, Universität Münster, 2003 (PDF-Datei; 3,85 MB)
  3. Alexander Monro: Observations on the structure and function of the nervous system. Creech & Johnson, Edinburgh 1823, S. 5.
  4. whonamedit.com: Monro-Kellie doctrine. abgerufen am 8. August 2007
  5. G. Kellie: An account of the appearances observed in the dissection of two of the three individuals presumed to have perished in the storm of the 3rd, and whose bodie were discovered in the vicinity of Leith on the morning of the 4th November 1821 with some reflections on the pathology of the brain. In: The Transactions of the Medico-Chirurgical Society of Edinburgh. 1/1824, S. 84–169.


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