Robert Sibbald

Sir Robert Sibbald (* 15. April 1641 bei Leslie, Fife; † August 1722) war ein schottischer Arzt und Naturwissenschaftler.

Leben und Wirken

Robert Sibbald ist der Sohn von David Sibbald (um 1602–1660), einem Bruder von Sir James Sibbald († 1650), und Margaret Boyd. 1650 begann er Latein auf der Stadtschule von Cupar zu lernen, zog aber mit seinen Eltern im folgenden Jahr nach Dundee. Er begann an der Universität Edinburgh zu studieren. Im März 1660 ging er nach Holland und absolvierte an der Universität Leiden Kurse in Anatomie und Chirurgie. Hier wurde er 1661 zum Doktor der Medizin promoviert. Über Paris, Angers, wo er ein Jahr bleibt, und London kehrt er im Oktober 1662 nach Edinburgh zurück.

Gemeinsam mit Andrew Balfour (1630–1694) legte er 1670 den Botanischen Garten Edinburgh an. Sibbald gehörte zu einer Gruppe von Ärzten die sich 1681 bei Karl II. für die Gründung des Royal College of Physicians of Edinburgh einsetzte.[1]

1682 verlieh ihm Jacob Stuart der Herzog von York den Ehrentitel Sir.

Durch den Earl von Perth James Drummond (1648–1716) angeregt sammelte er Material für eine geographische, statistische und naturhistorische Beschreibung Schottlands. Diese erschien 1684 unter dem Titel Scotia Illustrata. Durch Drummonds Einfluss wird er am 30. September 1682 zum „Königlichen Geograph von Schottland“ ernannt. Später wird er auch Arzt von Karl II.

Im Dezember 1684 wurde er zum Präsidenten des Royal College of Physicians of Edinburgh gewählt und im März 1685 auf Beschluss der Stadt Edinburgh erster Professor für Medizin an der Universität.

1692 beschrieb Robert Sibbald als erster den Blauwal.

Ehrentaxon

Carl von Linné benannte ihm zu Ehren die Gattung Sibbaldia der Pflanzenfamilie der Rosengewächse (Rosaceae).[2][3] Sibbald hatte in Scotia Illustrata zum ersten Mal eine Pflanze dieser Gattung, den Alpen-Gelbling Sibbaldia procumbens, beschrieben.[4]

Werke (Auswahl)

  • Disputatio medica de variis tabis speciebus... Leiden, 1661 - Dissertation unter Frans de Le Boë (1614-1672)
  • An account of the Scotish atlas, or, The description of Scotland ancient & modern by His Sacred Majestie's special command to be published presently by Sir Robert Sibbald D.M. His Majestie's physician in ordinary, and geographer for his ancient kingdom of Scotland. Edinburgh, 1683
  • Scotia illustrata : sive, Prodromus historiae naturalis : in quo regionis natura, incolarum ingenia & mores, morbi iisque medendi methodus, & medicina indigena accurratè explicantur... Edinburgh, 1684
  • Phalainologia nova sive observationes de rarioribus quibusdam balaenis in Scotiæ littus nuper ejectis in quibus nuper conspectae balaenae per genera & species, secundum characteres ab ipsa naturâ impressos distribuuntur, quaedam nunc primum describuntur; errores etiam tirea descriptas deteguntur, & breves de dentium, spermatis ceti, & ambræ griseae ortu, naturâ & usu dissertationes traduntur. Edinburgh, 1692
  • Auctarium musaei Balfouriani, e musæo Sibbaldiano, sive, Enumeratio & descriptio rerum rariorum, tàm naturalium quam artificialium, tàm domesticarum quàm exoticarum quas Robertus Sibbaldus M.D. eques auratus, Academie Edinburgenae donavit : quae quasi manuductio brevis est, ad historiam naturalem. Edinburgh, 1697
  • The history, ancient and modern, of the sheriffdoms of Fife and Kinross : with the description of both, and of the firths of Forth and Tay, and the islands in them ... with an account of the natural products of the land and waters. Edinburgh, 1710

Quellen

  • James Britten und George S. Boulger: A Biographical Index of Deceased British and Irish Botanists. London, 1931
  • William Anderson: The Scottish Nation. Edinburgh, 1863, 3 Bände

Einzelnachweise

  1. Der königliche Erlass zur Gründung des College trägt das Datum vom 29. November 1681.
  2. Carl von Linné: Critica Botanica. Leiden 1737, S. 94
  3. Carl von Linné: Genera Plantarum. Leiden 1742, S. 134
  4. James Edward Smith, James Sowerby: English Botany, or coloured figures of British plants, with their essential characters, synonyms, and places of growth. To which will be added occasional remarks. London, 1801, Band 13, S. 897

Weblinks


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