Russell Mittermeier

Russell Alan Mittermeier (* 8. November 1949 in Bronx, New York City) ist ein US-amerikanischer Anthropologe, Primatologe und Herpetologe.

Leben und Wirken

Mittermeiers Eltern Francis Xavier und Bertha Mittermeier waren Deutsche, die nach New York City emigrierten. Als Mitglied der Phi Beta Kappa graduierte er 1971 am Dartmouth College zum Bachelor of Arts. 1973 graduierte an der Harvard University zum Master of Arts und 1977 promovierte er zum Ph.D. in Biologischer Anthropologie. 30 Jahre führte er Feldstudien auf drei Kontinenten durch und bereiste mehr als 20 Länder in hauptsächlich tropischen Regionen, insbesondere Brasilien, Suriname und Madagaskar. Mittermeiers Arbeit konzentriert sich auf Primaten und Schildkröten, auf Schutzgebiete und auf andere Aspekte des Naturschutzes. Er gilt als Experte für die Themenbereiche Biologische Vielfalt, Erhaltung von Ökosystemen, Tropenbiologie und Artenschutz. Seit 1989 ist Mittermeier Präsident der Naturschutzorganisation Conservation International. Darüber hinaus ist er seit 1977 Vorsitzender der Primatenschutzexpertengruppe (Primate Specialist Group) der IUCN Species Survival Commission. Von 1978 bis 1989 war er Leiter des Primatenschutzprogramms des WWF. 1987 wurde er Mitglied in der Linnean Society of New York. Zwischen 1988 und 1989 war er Vorsitzender der Arbeitsgruppe Biodiversität bei der Weltbank. Seit 1995 ist er Präsident der Margot Marsh Biodiversity Foundation, die sich weltweit für den Primatenschutz einsetzt.

Mittermeier entdeckte einige neue Primatenarten, darunter die Sanje-Mangabe, das Maués-Seidenäffchen und 2010 eine neue Lemurenart aus der Gattung der Gabelstreifenmakis. Er schrieb mehrere populärwissenschaftliche und wissenschaftliche Bücher und verfasste über 300 wissenschaftliche Artikel. Zu seinen wichtigsten Werken zählen Lemurs of Madagascar (1994) und Hotspots. Earth's Biologically Richest and Most Endangered Terrestrial Ecoregions (1999). Seit 2009 ist er Chefredakteur der achtbändigen Buchreihe Handbook of the Mammals of the World, die beim spanischen Verlagshaus Lynx Edicions erscheint.

Seit 1991 ist Mittermeier mit Cristina Goettsch, einer aus Mexiko stammenden Meeresbiologin und Geschäftsführerin der International League of Conservation Photographers verheiratet. Das Paar hat zwei Söhne.

Auszeichnungen und Ehrentaxa

1988 erhielt Mittermeier die Goldmedaille des San Diego Zoos. 1995 wurde er von Prinz Bernhard der Niederlande mit dem Verdienstorden Order of the Golden the Ark geehrt. 1997 wurde er vom brasilianischen Staatsoberhaupt mit dem Orden vom Kreuz des Südens ausgezeichnet. Der Präsident von Suriname verlieh ihm 1998 den Grand Sash and Order of the Yellow Star. 1998 wurde er in die Liste der „EcoHeroes for the Planet“ des Time Magazines aufgenommen. 2004 erhielt er den Aldo Leopold Award der American Society of Mammalogists. Daneben ist sein Name in den Artepitheta des Mittermeier-Mausmakis (2006 durch Edwad E. Lewis) und des Mittermeier-Wieselmakis (2006 durch Clément Rabarivola) verewigt.

Werke (Auswahl)

Literatur

  • Nicholas Polunin, Lynn M. Curme: World who is who and does what in environment and conservation. S. 218, Earthscan, 1997, ISBN 9781853833779
  • H.W. Wilson Company: Current Biography Yearbook. Bd. 53, S. 399.

Weblinks


Diese Artikel könnten dir auch gefallen

Die News der letzten 7 Tage

22.10.2021
Physiologie | Toxikologie | Insektenkunde
Summ-Summ-Summ, Pestizide schwirr´n herum
Was Rapsfelder und Obstplantagen schützt, bedeutet für manche Organismen den Tod: Insektizide und Fungizide werden in der Landwirtschaft gegen Schädlinge und Pilze eingesetzt.
21.10.2021
Mikrobiologie | Genetik | Virologie
Kampf gegen Viren mit austauschbaren Verteidigungsgenen
Bakterien verändern mobile Teile ihres Erbgutes sehr schnell, um Resistenzen gegen Viren zu entwickeln.
21.10.2021
Genetik | Säugetierkunde
Endlich geklärt: Die Herkunft der heutigen Hauspferde
Pferde wurden zuerst in der pontisch-kaspischen Steppe im Nordkaukasus domestiziert, bevor sie innerhalb weniger Jahrhunderte den Rest Eurasiens eroberten.
21.10.2021
Bionik, Biotechnologie, Biophysik | Entwicklungsbiologie | Säugetierkunde
Eizellenentnahme bei einem von zwei Nördlichen Breitmaulnashörnern eingestellt
Nach einer speziellen, umfassenden ethischen Risikobewertung hat das Team nun beschlossen, das ältere der beiden verbleibenden Weibchen – die 32-jährige Najin –, als Spenderin von Eizellen (Oozyten) in den Ruhestand zu schicken.
20.10.2021
Toxikologie | Insektenkunde | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Verheerende Auswirkungen von Insektenvernichtungsmittel
Neonicotinoide beeinflussen menschliche Neurone und schädigen potentiell somit nicht nur Insektenzellen, sie sind synthetisch hergestellte Wirkstoffe, die zur Bekämpfung von Insekten eingesetzt werden.
19.10.2021
Biochemie | Bionik, Biotechnologie, Biophysik | Bioinformatik
Wie Künstliche Intelligenz dabei hilft, Enzymtätigkeit zu quantifizieren
Ein internationales Bioinformatikerteam entwickelte ein neues Verfahren, um die die Reaktionskinetik bestimmende Michaelis-Konstante vorherzusagen.
19.10.2021
Physiologie | Neurobiologie | Vogelkunde
Vogel-Pupillen verhalten sich anders als erwartet
Die Pupille regelt nicht nur den Lichteinfall ins Auge, sondern spiegelt den Zustand des wachen Gehirns wider.
20.10.2021
Ethologie | Neurobiologie | Säugetierkunde
Findet Rico - „den ganz besonderen Hund“
Zwei Forscherinnen sind auf der Suche nach „dem einen ganz besonderen Hund“.