Sägeblättlinge

Sägeblättlinge
Getigerter Sägeblättling (Lentinus tigrinus)

Getigerter Sägeblättling (Lentinus tigrinus)

Systematik
Unterabteilung: Agaricomycotina
Klasse: Agaricomycetes
Unterklasse: unsichere Stellung (incertae sedis)
Ordnung: Stielporlingsartige (Polyporales)
Familie: Stielporlingsverwandte (Polyporaceae)
Gattung: Sägeblättlinge
Wissenschaftlicher Name
Lentinus
Fr.

Die Sägeblättlinge (Lentinus) sind eine Gattung aus der Familie Stielporlingsverwandten (Polyporaceae). Die Arten der Gattung sind Holzbewohner (Saprobionten) auf Nadel- und Laubbäumen und erzeugen je nach Art im befallenen Holz Weiß- oder Braunfäule.

Merkmale

Die Arten der Gattung bilden meist mittelgroße bis große Pilze mit exzentrischem, lateralen oder fast zentralem Stiel, der allerdings bei einigen Arten kaum ausgebildet ist (nabelings- bis seitlingsartige Fruchtkörper). Der Hut ist anfangs konvex, bei älteren Exemplaren wird er niedergedrückt mit eingesenkter Mitte, der Rand ist jung eingerollt. Die Hutmitte ist meist filzig oder schuppig. Die Fruchtschicht bildet am Stiel herablaufende, ziemlich gedrängte Lamellen, diese sind weißlich bis fleischfarben oder ockerbräunlich. Die Schneiden der Lamellen sind zumindest bei alten Fruchtkörpern schartig und grob gesägt bis zerrissen, worauf sich auch der deutsche Gattungsname bezieht. Die weißliche Trama ist zunächst weich, wird beim Trocknen holzartig und zäh.

Die Gattung umfasst weltweit etwa 70 Arten, die hauptsächlich tropisch verbreitet sind, in Deutschland kommen davon 7 Arten vor. Früher wurde die Untergattung Panus, die sich von der Untergattung Lentinus durch glatte oder nur schwach gesägte Lamellenschneiden und das Fehlen dickwandiger Skeletthyphen in der Trama des Hutes unterscheiden, als eigene Gattung (Knäuelinge) abgetrennt.

Arten mit Vorkommen in Europa

Der Schuppige Sägeblättling wird neuerdings als Neolentinus lepideus in eine eigene Gattung gestellt.

Bedeutung

Einige Arten werden durch Befall und Zerstörung von verbautem Holz schädlich.

Namen

Der deutsche Namen nimmt auf die gesägte Lamellenschneide einiger Arten Bezug. Der wissenschaftliche Name ist von lateinisch lentus - zäh, biegsam, langsam abgeleitet und das lederig-feste, bei Trockenheit knochenharte Fleisch der Fruchtkörper an. Der Name der Untergattung Panus ist abgeleitet von lat. panus = Büschel und bezieht sich auf das büschelige, gemeinsame Auftreten der Fruchtkörper.

Sonstiges

Der heute in eine eigene, monotypische Gattung gestellte Shiitake (Lentinula edodes) wurde früher zur Gattung Lentinus gezählt.

Literatur

  • G. J. Krieglsteiner, A. Gminder: Die Großpilze Baden-Württembergs. Band 3, Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2001, ISBN 3-8001-3536-1
  • H. Dörfelt, G. Jetschke: Wörterbuch der Mycologie. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg-Berlin 2001, ISBN 3-8274-0920-9
  • H. Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. 3. Ausgabe, Nikol Verlagsgesellschaft mbh & Co. KG, Hamburg 2005, ISBN 3-937872-16-7
  • E. Horak: Röhrlinge und Blätterpilze in Europa. 6. völlig neu bearbeitete Auflage, Elsevier - Spektrum Akademischer Verlag, München 2005

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