Serinweg

Der Serinweg dient methanotrophen Bakterien zur Synthese von Zellmaterial aus Formaldehyd und Bicarbonat. Aus diesen zwei C1-Verbindungen wird Acetyl-CoA gebildet. Der Stoffwechselweg wurde in Methanotrophen des Typs II identifiziert, dagegen assimilieren Methanotrophe des Typs I Formaldehyd über den Ribulosemonophosphatweg.

Der Weg wurde durch die Arbeiten von John Rodney Quayle und Mitarbeitern in Methylobacterium extorquens AM1 Anfang der 1960er-Jahre identifiziert.[1][2][3][4]

Biochemie

Der Serinweg zur Assimilation von Formaldehyd und Bicarbonat.

In einem Zyklus wird Formaldehyd (CH2O) und Bicarbonat (HCO3) zu Acetyl-CoA fixiert. CH2O stammt dabei häufig aus der aeroben Oxidation von Methan, kann aber auch direkt verwendet werden.

Im ersten Schritt der Assimilation wird Glycin mit Formaldehyd zu L-Serin umgesetzt, dabei liegt Formaldehyd gebunden an N5,N10-Methylentetrahydrofolat vor. Diesen Schritt katalysiert eine Serin-Hydroxymethyl-Transferase (auch Serintranshydroxymethylase; EC 2.1.2.1). Im folgenden Verlauf wird L-Serin durch eine Transaminase (EC 2.6.1.45) desaminiert und in weiteren Schritten zu Phosphoenolpyruvat (PEP) überführt. Dies erfordert Energie in Form von einem Molekül ATP und Reduktionsäquivalente in Form von NADH. Eine PEP-Carboxylase (EC 4.1.1.31) überträgt ein Molekül HCO3 auf PEP, wodurch Oxalacetat gebildet wird. Dieses wird durch Verbrauch von NADH und ATP mittels Coenzym A zu L-Malyl-CoA umgesetzt.

Malyl-CoA wird schließlich zu Acetyl-CoA und Glyoxylat durch eine Malyl-CoA-Lyase (EC 4.1.3.24) gespalten. Um den Kreislauf zu schließen, wird Glyoxylat zu Glycin aminiert, die dafür nötige Aminogruppe stammt aus der Desaminierungsreaktion von Serin zu Hydroxypyruvat (vgl. auch Abbildung).

Acetyl-CoA wird dann entweder über den Glyoxylatzyklus oder über den Ethylmalonyl-CoA-Weg weiter assimiliert.

Bilanz

Der Verbrauch an ATP und Reduktionsäquivalente ist gegenüber anderen CO2-Fixierungswegen niedriger. Dies liegt daran, dass Formaldehyd höher reduziert ist als CO2 bzw. HCO3. Die Gesamtreaktion bilanziert sich auf:

$ \mathrm{CH_2O + HCO_3^- + HS\text{-}CoA + 2\ NADH + 2\ H^+ + 2\ ATP \longrightarrow } $
$ \mathrm{Acetyl\text{-}CoA + 2\ NAD^+ + 2\ ADP + 2 P_i} $

Literatur

  • Georg Fuchs (Hrsg.), Hans. G. Schlegel (Autor): Allgemeine Mikrobiologie. Thieme Verlag Stuttgart, 8. Auflage 2007, ISBN 3-13-444608-1, S. 250–251.
  • Michael T. Madigan und John M. Martinko: Brock Mikrobiologie. Pearson Studium; 11. aktualisierte Auflage 2009; ISBN 978-3-8273-7358-8, S. 657–658.

Einzelnachweise

  1. Large, PJ., Peel, D. und Quayle, JR. (1961): Microbial growth on C1 compounds. II. Synthesis of cell constituents by methanol- and formate-grown Pseudomonas AM 1, and methanol-grown Hyphomicrobium vulgare. In: Biochem J. 81; S. 470–480; PMID 14462405; PDF (freier Volltextzugriff, engl.)
  2. Large, PJ., Peel, D. und Quayle, JR. (1962): Microbial growth on C(1) compounds. 3. Distribution of radioactivity in metabolites of methanol-grown Pseudomonas AM1 after incubation with [C]methanol and [C]bicarbonate. In: Biochem J. 82(3); S. 483–488; PMID 16748943; PDF (freier Volltextzugriff, engl.)
  3. Large, PJ., Peel, D. und Quayle, JR. (1962): Microbial growth on C(1) compounds. 4. Carboxylation of phosphoenolpyruvate in methanol-grown Pseudomonas AM1. In: Biochem J. 85(1); S. 243–250; PMID 16748968; PDF (freier Volltextzugriff, engl.)
  4. Large, PJ. und Quayle, JR. (1963): Microbial growth on C(1) compounds. 5. Enzyme activities in extracts of Pseudomonas AM1. In: Biochem J. 87(2); S. 386–396; PMID 16749008; PDF (freier Volltextzugriff, engl.)

Siehe auch

Weblinks


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