Tiefseefischerei

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Geangelter Degenfisch auf dem Markt von Funchal

Als Tiefseefischerei wird üblicherweise ein Fischen mit Schleppnetzen auf Hoher See jenseits des Kontinentalschelfs verstanden. Die Schleppnetze werden dabei über den Meeresgrund gezogen, und nach dem derzeitigen Stand der Technik kann Tiefsee-Fischerei bis in eine Tiefe von 2 000 m betrieben werden. Diese Art der Schleppnetzfischerei stellt eine Gefährdung der Tiefseefischarten dar, die unter den Lebensbedingungen der Tiefsee keine hohe Reproduktionsrate erreichen.

Geschichte

Mit der Entwicklung schwimmender Fischfabriken, die den frischen Fang sofort an Bord verarbeiten und einfrieren, nahm der Tiefseefischfang in den 1950ern und 1960ern einen raschen Aufschwung. Vor allem die Länder Osteuropas und der ehemaligen UdSSR waren zu dieser Zeit an der Tiefseefischerei beteiligt. Diese Beteiligung ging jedoch schon bald zurück, als Ende der 1970er Jahre die AWZ-Konvention weltweit von immer mehr Staaten anerkannt wurde und sich Ende der 1980er Jahre mit der Auflösung des Ostblocks die Staaten dieser Gruppe weitgehend aus der Tiefseefischerei zurückzogen.

Diese Staaten wurden durch andere Tiefseeflotten ersetzt, die während der 1980er und 1990er anfangs entlang des Kontinentalschelfs und auf untermeerischen Hochflächen innerhalb ihrer 200 Seemeilen breiten ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ, engl. Exclusive Economic Zone, EEZ) fischten, später dann auch über diese Begrenzungen hinaus. Zu ihnen gehörten vor allem in den späten 1970er Jahren Fischfangflotten aus Neuseeland und in den 1980ern französische Flotten im Nordost-Atlantik.

Auswirkungen

Die Netze, mit denen die Fischerei-Industrie heute auf Fischfang geht, gehen tiefer als 1,5 Kilometer und holen binnen 20 Minuten bis zu 60 Tonnen Fisch (oft 80-90 % Beifang) aus den Tiefen der Meere. 40 % aller Fischereigründe liegen inzwischen in der Tiefsee, tiefer als der Kontinentalschelf. Die modernen Technologien sind so effektiv, dass das Potenzial an Fischen nicht mehr nur geerntet, sondern im wahren Sinn des Wortes abgebaut wird.

Die Verwüstungen, so Naturschutzorganisationen wie Greenpeace, die von Trawlern mit ihren Schleppnetzen angerichtet werden, sind vergleichbar mit dem Kahlschlag in den Regenwäldern.

Nach Aussage der Naturschutzorganisationen zerstört die Grundschleppnetzfischerei auf hoher See unwiederbringlich einzigartige Unterwasser-Ökosysteme. Sie fordern die UN-Generalversammlung daher auf, sich für ein Moratorium für die Tiefseefischerei auszusprechen. Tiefsee-Riffe, die 5000 Jahre für die Entstehung gebraucht haben, werden durch Tiefsee-Fischerei in wenigen Minuten zerstört.

2002 UN-Verbot von Schleppnetzen, 2008 Verbot auch in der Ostsee

Gefährdete Arten

Eine Studie kanadischer Wissenschaftler (siehe Kapitel: Literatur) hat gezeigt, dass mindestens fünf Arten von Tiefseefischen stark gefährdet und vom Aussterben bedroht sind: der Blauhecht (Antimora rostrata), der Stumpfnasen-Dornrückenaal (Notacanthus chemnitzi), der Rundnasen-Grenadier (Coryphaenoides rupestris), der Raue Grenadier (Macrourus berglax) und der Grönlandrochen (Bathyraja spinicauda). Tiefseefische brauchen, wahrscheinlich in Abhängigkeit von den ökologischen Bedingungen, oft 12 bis 30 Jahre, um geschlechtsreif zu werden und Nachkommen zu produzieren. Diese lange Reifezeit ist zusammen mit der Überfischung in den vergangenen Jahren verantwortlich für den starken Rückgang der Populationen.

Literatur

  • Jennifer A. Devine, Krista D. Baker und Richard L. Haedrich (2006): Fisheries: Deep-sea fishes qualify as endangered. In Nature, 439: 29 doi:10.1038/439029a

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