Wolfgang Böhme (Zoologe)

Wolfgang Böhme (* November 1944[1]) ist ein deutscher Herpetologe.

Leben

Böhme wuchs in Kiel auf. In seiner Kindheit hielt er selbst gefangene Eidechsen, die er nach ihrem Tod konservierte. 1965 begann Böhme ein Studium an der Universität Kiel in Zoologie, Botanik und Paläontologie. 1971 promovierte er über die Systematik der Echten Eidechsen (Lacertidae). Kurz darauf wurde Böhme Leiter für Herpetologie am Museum Koenig in Bonn. Böhme habilitierte 1988 an der Universität Bonn. 1989 wurde Böhme Leiter der Abteilung Wirbeltiere am Museum Koenig, daneben stieg er zum Stellvertretenden Direktor des Museums auf.[1] 2010 emeritierte Böhme,[2] nachdem ihm zuvor schon das Wissenschaftsministerium ein zusätzliches Jahr Amtszeit gewährt hatte.[1] Sein Nachfolger ist Dennis Rödder.[3] Daneben ist Böhme Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT). Er war von 1983 bis 1991 Vorsitzender der DGHT.[1]

Wirken

Böhme baute am Museum Koenig eine herpetologische Arbeitsgruppe auf, die vor allem diverse Aspekte der Biologie von Reptilien in der West-Paläarktis, West- und Zentralafrika, Bolivien, Peru, Vietnam und Indonesien erforscht.[1] Am bekanntesten ist seine vorwiegend taxonomische Arbeit an bei den Waranen (Varanus): Er ist Erstbeschreiber von zwölf Arten, zwei Unterarten und einer Untergattung. Zusammen mit Thomas Ziegler (1997) revidierte anhand der Hemipenismorphologie der Warane die interne Systematik der Gattung. Viele neue Arten beschrieb Böhme anhand von verschollenen Museumsexemplaren und Exemplaren aus dem Heimtierhandel. Obwohl zahlreiche von ihm beschriebene Arten aus diesem Land stammen, war er noch nie in Indonesien. Den Jemen-Waran (Varanus yemenensis) entdeckte Böhme in den 80er Jahren in einer TV-Dokumentation.[2] Böhme ist Herausgeber des Standardwerks Handbuch der Amphibien und Reptilien Europas.

Axel Kwet bezeichnet Wolfgang Böhme als „bekannteste Schaltstelle der deutschen Herpetologenszene“, wo er nach Kwet auch ein „wichtiges Bindeglied zwischen Amateuren und Profis“ war.[3] Er gilt als bedeutendes Mitglied der DGHT.[1] Zahlreiche seiner einstigen Schützlinge sind heute bekannte Herpetologen.[2] Aufgrund der zentralen Arbeit Böhmes auf dem Gebiet wurden bereits etliche neu entdeckte Arten nach ihm benannt, so listet die Reptile Database zwölf gültige Arten (Varanus boehmei, Tropiocolotes wolfgangboehmei, Tropidophorus boehmei, Trapelus boehmei, Tarentola boehmei, Pseudoboodon boehmei, Pachydactylus boehmei, Lygosoma boehmei, Kinyongia boehmei, Cerastes boehmei und Alsophylax boehmei)[4] sowie drei gültige Unterarten (von Darevskia derjugini, Gloydius halys und Phelsuma madagascariensis).[5]

Quellen

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 Vorstellung der Mitglieder des DGHT-Fachbeirates. elaphe 18(2): 79–80
  2. 2,0 2,1 2,2 A. Koch, K. Philipp & T. Ziegler (2010): The Monitor Man: A Story of Stunning Discoveries and Charismatic Creatures. Biawak, 4(4): 132–152
  3. 3,0 3,1 A. Kwet: Dennis Rödder wird Nachfolger von Wolfgang Böhme in Bonner Museum Alexander Koenig. Abgerufen am 3. März 2011
  4. Artnamen „boehmei“ in The Reptile Database, abgerufen am 4. Mai 2012.
  5. Unterartnamen „boehmei“ in The Reptile Database, abgerufen am 4. Mai 2012.

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