Neuigkeiten zur Evolution der Hirschferkel



Bio-News vom 20.12.2022

Neue Fossilfunde aus Uganda zeigen, dass zur Zeit des Miozän vor 20,5 bis 16 Millionen Jahren deutlich mehr Hirschferkelarten auf dem afrikanischen Kontinent lebten, als bisher angenommen. Eine der Fundstellen am Akisim Mountain offenbarte die bisher älteste Gemeinschaft von mehreren Hirschferkelarten in Afrika.

Hirschferkel (Tragulidae) sind kleine Paarhufer, die heute in Zentralafrika und Süd- bis Südostasien zurückgezogen und scheu im dichten Unterholz leben. Sie sind weder Hirsche noch Schweine, auch wenn der Name das vermuten lässt, sondern eine eigene Wiederkäuergruppe. Funde fossiler Hirschferkel aus Afrika sind nur aus wenigen Regionen bekannt, die Fossilien selbst sind oft unvollständig. Bisher wusste man, dass ursprünglich nur eine kleine Hirschferkelart im frühen Miozän Afrikas lebte (vor ca. 20,5 Mio Jahren), die etwas später (vor ca. 20 Mio Jahren) Gesellschaft von einer weiteren kleinen und drei größeren Arten bekam.


Fossil von Dorcatherium, einem Hirschferkel aus dem Miozän. Das Exponat steht im Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart.

Publikation:


Sarah Musalizi, Johann Schnyder, Loic Segalen & Gertrud E. Rössner
Early and Middle Miocene Tragulidae of the Napak Region (Uganda) including the Oldest African tragulids: Taxo-nomic revision, stratigraphical background, and biochronological framework
Historical Biology

DOI: 10.1080/08912963.2022.2144285



Nun brachten neue Fossilfunde und geologische Untersuchungen Licht in die frühe Evolution der Hirschferkelfauna Afrikas. Ein Team um die Paläontologinnen Sarah Musalizi und Gertrud Rößner von der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie (SNSB-BSPG) untersuchten Zähne von fossilen Hirschferkeln aus 12 frühmiozänen Fundstellen in Napak, Uganda. Die Fossilien waren eingebettet in 700 m mächtige und 20,5 bis 16 Millionen Jahre alte Sedimentschichten am Akisim Mountain. Die Paläontologen:innen entdeckten dort nicht nur die bisher älteste Hirschferkelsympatrie Afrikas, also das gemeinsame Vorkommen mehrerer nah verwandter Arten im selben Gebiet. Sie konnten auch zeigen, dass die Vielfalt der Hirschferkel zur Zeit des frühen Miozäns größer war als bisher angenommen.


Linke Oberkieferzahnreihe von Dorcabune iririensis, eine der entdeckten Hirschferkelarten aus Uganda (NAP XV 108‘08).

„Unsere Untersuchungen widersprechen der bisherigen Annahme der anfänglichen Existenz von nur einer Hirschferkelart auf dem afrikanischen Kontinent. Auch die etwas später auftretenden größeren Arten entpuppten sich als viel diverser, als uns bisher bekannt war. Unsere Funde erfordern eine neue Sichtweise auf die Evolutionsgeschichte der miozänen afrikanischen Hirschferkel“, sagt Sarah Musalizi, Erstautorin, DAAD-Stipendiatin an der SNSB-BSPG und Hauptkuratorin für Denkmäler und Museen in Uganda.

Sarah Musalizi (Erstautorin) im Vordergrund während einer Grabung am Akisim Mountain.

„Die Wiederkäuergruppe war offenbar schon früh sehr artenreich, lange bevor Antilopen und Giraffen Afrika eroberten. Wir rechnen in Zukunft mit weiteren spannenden Fossilfunden, die unsere Ergebnisse zusätzlich untermauern“, ergänzt Gertrud Rößner, Kuratorin an der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie und Seniorautorin der Arbeit.



Diese Newsmeldung wurde mit Material Staatliche Naturwissenschaftliche Sammlungen Bayerns via Informationsdienst Wissenschaft erstellt

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