Athenaea


Athenaea
Systematik
Kerneudikotyledonen
Asteriden
Euasteriden I
Ordnung: Nachtschattenartige (Solanales)
Familie: Nachtschattengewächse (Solanaceae)
Gattung: Athenaea
Wissenschaftlicher Name
Athenaea
Sendtn.

Athenaea ist eine Pflanzengattung aus der Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae). Sie besteht aus sieben Arten, die im südöstlichen Brasilien verbreitet sind.

Beschreibung

Vegetative Merkmale

Athenaea sind 1,5 bis 3 m hoch werdende Sträucher. Die Laubblätter stehen meist paarweise, nur selten auch einzeln. Die Blattstiele werden meist 9 bis 20 (selten auch nur 6) mm lang, die Blätter von Athenaea martiana sind aufsitzend. Haben die Blätter Blattstiele, laufen die Blattspreiten nicht an ihnen herab. Die Form der Blattspreite ist eiförmig, elliptisch oder schmal-elliptisch, meist werden sie etwa 13 cm (selten auch 19,5 bis zu 40,5) cm lang und zwischen 9,3 und 14,6 (selten auch nur 5,7) cm breit. Vor allem die Laubblätter und Blütenkelche, aber auch andere Teile der Pflanzen sind auffällig behaart. Die Behaarung kann borstig, rauhaarig oder filzig, sowie drüsig oder klebrig-drüsig sein. Die Trichome sind vielzellig, unverzweigt und gelblich-braun oder drüsig und dann weißlich und mit einer verlängerten, rosa oder dunkelviolett gefärbten Spitze versehen.

Blütenstände und Blüten

Die Blüten stehen meist in Gruppen aus zwei bis sechs, selten auch einzeln an langen Blütenstielen. Der Kelch ist je nach Art entweder 2,5 bis 5 mm oder 6 bis 10 (selten 5 bis 12) mm lang. Die einzelnen Kelchblätter sind kaum miteinander verwachsen und gleich groß oder nahezu gleich groß. Ihre Form ist dreieckig, eiförmig oder langgestreckt, in Ausnahmen auch herzförmig. Die Basis ist ohrförmig und länger als breit. Die radförmige, weiße und innen unbehaarte und mit grünen oder roten Punkten besetzte Krone ist je nach Art 6 bis 8,5 mm oder 10 bis 17 mm lang und fünfteilig. Die einzelnen Kronlappen sind eiförmig bis schmal eiförmig und zwei bis vier mal so lang wie der relativ kurze Bereich, in dem die Kronblätter miteinander verwachsen sind.

Die fünf Staubblätter besitzen dorsal fixierte Staubbeutel, die je nach Art 1,5 bis 2,2 mm oder 2,5 bis 3 mm lang und damit meist länger als die unbehaarten Staubfäden sind. Selten sind die Staubfäden auch genauso lang oder etwas länger als die Staubbeutel. Die Theka stehen nur in einem kleinen, unten befindlichen Bereich frei voneinander. Die vergrößerte Basis der Staubfäden, die mit den Kronblättern verwachsen ist, ist deutlich ausgeprägt und mit zwei kurzen seitlichen Zähnen oder Öhrchen besetzt, die gelegentlich halb so lang wie der miteinander verwachsene Teil der Kronblätter werden können. Der Fruchtknoten ist unbehaart oder nur im oberen Teil mit kurzen köpfchenförmigen Trichomen besetzt, ein ringförmiges Nektarium ist vom Fruchtknoten umschlossen. Der Griffel ist nahezu pfriemförmig und innerhalb von Blüten einer Pflanze verschiedengestaltig und entweder 2,5 bis 4 mm lang oder nur 0,8 bis 1,5 (selten bis 3,5) mm lang. Die Narbe ist scheibenförmig und eingedrückt.

Früchte und Samen

Die Früchte sind eiförmige, etwa 15 mm lange und 9 mm breite Beeren ohne Steinkörper, die vollständig oder zumindest zum Teil von den sich auf die bis zu siebenfache Länge vergrößernden Kelchblättern umgeben werden. Das Perikarp der Früchte ist gelblich, unbehaart, verkahlend oder fein behaart, wobei die Trichome gelegentlich köpfchenförmig sind. Sie enthalten eine Vielzahl nahezu nierenförmiger, flacher und eingedrückter Samen, die eine Länge von 2,7 bis 3,8 (selten auch 2,4 bis 4,2) mm aufweisen. Die Samenoberfläche ist wabenartig strukturiert. Die Zellen der Samenoberfläche besitzen tiefe, schwach wellige, senkrecht nach oben stehende Zellwände, die an den Ecken säulenartige Verdickungen unterschiedlicher Höhe bilden. Der Embryo ist gebogen, die Keimblätter sind deutlich kürzer als der restliche Embryo, Endosperm ist reichlich vorhanden.

Vorkommen

Die Arten der Gattung kommen ausschließlich im südöstlichen Brasilien zwischen dem 14 und 28 südlichen Längengrad vor. Diese Gebiet umfasst die brasilianischen Bundesstaaten Bahia, Espírito Santo, Minas Gerais, Rio de Janeiro, São Paulo, Paraná und Santa Catarina. Die Pflanzen wachsen an hellen Standorten in Höhenlagen bis zu 2000 m.

Systematik

Äußere Systematik

Innerhalb der Systematik der Nachtschattengewächse wird die Gattung Athenaea in die Unterfamilie Solanoideae eingeordnet. In der Systematik nach Armando Hunziker ist sie in der Tribus Solaneae und dort im Untertribus Capsicinae eingeordnet. Phylogenetische Untersuchungen ordnen die Gattung jedoch nicht nahe den Paprika (Capsicum) ein, sondern stellen sie zusammen mit den Gattungen Archiphysalis, Aureliana, Discopodium, Mellissia, Nothocestrum, Physaliastrum, Tubocapsicum und Withania in die Klade Withaninae, die wiederum Teil der Klade Physaleae ist[1].

Innere Systematik

Die Gattung besteht aus sieben Arten:[2]

  • Athenaea anonacea Sendtn.
  • Athenaea cuspidata Witas.
  • Athenaea martiana Sendtn.
  • Athenaea micrantha Sendtn.
  • Athenaea pereirae Barboza et A.T. Hunz.
  • Athenaea picta (Mart.) Sendtn.
  • Athenaea pogogena (Moric.) Sendtn.

Die Typusart ist Athenaea picta.

Literatur

  • Armando T. Hunziker: The Genera of Solanaceae. A.R.G. Gantner Verlag K.G., Ruggell, Liechtenstein 2001. ISBN 3-904144-77-4.

Einzelnachweise

  1. Richard G. Olmstead und Lynn Bohs: A Summary of Molecular Systematic Research in Solanaceae: 1982-2006. In: D.M. Spooner et al. (Hrsg.): Solanaceae VI: Genomics Meets Biodiversity, ISHS Acta Horticulturae 745, Juni 2007. ISBN 9-789066-054271.
  2. Lucia d’Ávila. Freire de Carvalho, Lucio Heron P. Costa und Aline Castellar Duarte: Diversidade taxonômica e distribuição geográfica das solanáceas que ocorrem no Sudeste Brasileiro (Acnistus, Athenaea, Aureliana, Brunfelsia e Cyphomandra). In: Rodriguésia, Band 52, Nummer 80, 2001. Seiten 31–45.

Die News der letzten Tage

27.01.2023
Land-, Forst-, Fisch- und Viehwirtschaft | Neobiota | Ökologie
Auswirkungen von fremden Baumarten auf die biologische Vielfalt
Nicht-einheimische Waldbaumarten können die heimische Artenvielfalt verringern, wenn sie in einheitlichen Beständen angepflanzt sind.
27.01.2023
Biochemie | Botanik | Physiologie
Wie stellen Pflanzen scharfe Substanzen her?
Wissenschaftler*innen haben das entscheidende Enzym gefunden, das den Früchten der Pfefferpflanze (lat Piper nigrum) zu ihrer charakteristischen Schärfe verhilft.
26.01.2023
Biochemie | Mikrobiologie | Physiologie
Ein Bakterium wird durchleuchtet
Den Stoffwechsel eines weit verbreiteten Umweltbakteriums hat ein Forschungsteam nun im Detail aufgeklärt.
26.01.2023
Bionik, Biotechnologie und Biophysik | Botanik | Physiologie
Schutzstrategien von Pflanzen gegen Frost
Fallen die Temperaturen unter null Grad, bilden sich Eiskristalle auf den Blättern von winterharten Grünpflanzen - Trotzdem überstehen sie Frostphasen in der Regel unbeschadet.
26.01.2023
Entwicklungsbiologie | Genetik
Neues vom Kleinen Blasenmützenmoos
Mithilfe mikroskopischer und genetischer Methoden finden Forschende der Universität Freiburg heraus, dass die Fruchtbarkeit des Laubmooses Physcomitrella durch den Auxin-Transporter PINC beeinflusst wird.
26.01.2023
Klimawandel | Mikrobiologie | Mykologie
Die Art, wie Mikroorganismen sterben beeinflusst den Kohlenstoffgehalt im Boden
Wie Mikroorganismen im Boden sterben, hat Auswirkungen auf die Menge an Kohlenstoff, den sie hinterlassen, wie Forschende herausgefunden haben.
25.01.2023
Entwicklungsbiologie | Evolution
Wie die Evolution auf unterschiedliche Lebenszyklen setzt
Einem internationalen Forscherteam ist es gelungen, eines der Rätsel der Evolution zu lösen.
24.01.2023
Biochemie | Ökologie | Physiologie
Moose verzweigen sich anders... auch auf molekularer Ebene
Nicht-vaskuläre Moose leben in Kolonien, die den Boden bedecken und winzigen Wäldern ähneln.
24.01.2023
Bionik, Biotechnologie und Biophysik | Genetik
Verfahren der Genom-Editierung optimiert
Im Zuge der Optimierung von Schlüsselverfahren der Genom-Editierung ist es Forscherinnen und Forschern in Heidelberg gelungen, die Effizienz von molekulargenetischen Methoden wie CRISPR/Cas9 zu steigern und ihre Anwendungsgebiete zu erweitern.
24.01.2023
Ökologie | Zoologie
Kooperation der männlichen australischen Spinnenart Australomisidia ergandros
Forschende konnten in einer Studie zeigen, dass Männchen der australischen Spinne Australomisidia ergandros ihre erjagte Beute eher mit den anderen Mitgliedern der Verwandtschaftsgruppe teilen als die Weibchen.
24.01.2023
Bionik, Biotechnologie und Biophysik | Physiologie
Mutante der Venusfliegenfalle mit Zahlenschwäche
Die neu entdeckte Dyscalculia-Mutante der Venusfliegenfalle hat ihre Fähigkeit verloren, elektrische Impulse zu zählen.
23.01.2023
Biochemie | Physiologie
neue Einblicke in Mechanismen der Geschmackswahrnehmung
Die Komposition der Lebensmittel, aber auch die Speisenabfolge ist für das perfekte Geschmackserlebnis eines Menüs entscheidend.
19.01.2023
Biodiversität | Neobiota | Ökologie
Starke Zunahme von gebietsfremden Landschnecken
Invasive Landschneckenarten können heimische Arten verdrängen und der menschlichen Gesundheit schaden.