Hans Reiter (Bakteriologe)

Hans (Conrad Julius) Reiter (* 26. Februar 1881 in Reudnitz; † 25. November 1969 in Kassel) war ein Berliner Bakteriologe und Hygieniker. Ab 1933 war er Präsident des Reichsgesundheitsamts.

Leben

Reiter, Sohn des Fabrikbesitzers Richard Reiter und seiner Frau Margarete, studierte nach seinem Abitur an der Thomasschule zu Leipzig ab 1900 in Leipzig, Breslau und Tübingen Medizin, wurde 1906 zum Dr. med. promoviert und erhielt im selben Jahr seine Approbation als Arzt. 1913 habilitierte er sich in Königsberg. Nach seiner Teilnahme als Arzt und Oberarzt im Ersten Weltkrieg wurde er 1918 zum außerplanmäßigen Professor in Berlin ernannt.

Von 1919 bis 1922 war Reiter Erster Assistent und Abteilungsleiter am Institut für Hygiene der Universität Rostock. Er wurde außerordentlicher Professor für Sozialhygiene in Rostock und 1926 Leiter des Landsgesundheitsamts Mecklenburg.[1] Nachdem er 1931 der NSDAP beigetreten war, wurde er 1932 Abgeordneter des Landtages des Freistaates Mecklenburg-Schwerin,[1] dem er bis 1933 angehörte.

Hans Reiter war in der Zeit des Nationalsozialismus ab 1933 Präsident des Reichsgesundheitsamts und gehörte dem Sachverständigenbeirat für Bevölkerungs- und Rassenpolitik im Reichsinnenministerium an. Daneben war er Leiter der Reichsarbeitsgemeinschaft für Volksernährung und gehörte dem Reichsausschuss für Volksgesundheit an.[1] In seiner Festrede anlässlich des 60-jährigen Bestehens des Reichsgesundheitsamts 1936 sagte er unter anderem: „Jedes vorzeitige Sterben eines Menschen [vor dem 65. Lebensjahr] gestattet nicht die volle Ausnutzung seines Geburtswertes“.[2] Ferner ist von ihm der Ausspruch überliefert, dass der Arzt „als biologischer Soldat um die Gesundheit seines Volkes“ kämpfe.[2] Als Präsident des Reichsgesundheitsamtes vertrat er uneingeschränkt die rassenhygienische Ideologie des Nationalsozialismus.

Am 18. August 1942 ernannte ihn Adolf Hitler zum außerordentlichen Mitglied des Wissenschaftlichen Senats des Heeressanitätswesens.[1] 1944 wurde er zusätzlich in den Wissenschaftlichen Beirat des Karl Brandt berufen.[1]

Nach dem Zweiten Weltkrieg war Reiter von 1945 bis 1947 in amerikanischer Internierung. Anschließend war er von 1949 bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand im Jahre 1952 als Arzt an der Königin-Elena-Klinik in Kassel beschäftigt.[1]

Er war Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina.

Reiter-Syndrom

1916 beschrieb Reiter die Reaktive Arthritis, in der Öffentlichkeit vor allem als Reiter-Syndrom bekannt. Es handelt sich um eine reaktive entzündliche Systemerkrankung, die sich vor allem in der sog. Reiter-Trias aus Konjunktivitis, Urethritis und Arthritis äußert.

Schriften

  • Das Reichsgesundheitsamt. Sechs Jahre nationalsozialistischer Führung. J. Springer, Berlin 1939.

Literatur

  • Robin Maitra: "... wer imstande und gewillt ist, dem Staate mit Höchstleistungen zu dienen!" Hans Reiter und der Wandel der Gesundheitskonzeption im Spiegel der Lehr- und Handbücher der Hygiene zwischen 1920 und 1960. Matthiesen Verlag, Husum 2001 (Abhandlungen zur Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaften 88), ISBN 978-3-7868-4088-6

Weblinks

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. 2. aktualisierte Auflage. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2005, ISBN 978-3-596-16048-8, S. 490.
  2. 2,0 2,1 Hans Reiter: Das Reichsgesundheitsamt 1933-1939. Sechs Jahre nationalsozialistische Führung. J. Springer, Berlin 1939, S. 286.

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