Holarktis

Die Holarktis ist eine biogeographische Region und stellt sowohl ein Florenreich als auch ein Faunenreich dar. Sie umfasst den Großteil der nördlichen Hemisphäre der Erde und ist die größte der Regionen. Die Südgrenze der Holarktis verläuft im Norden Mexikos (reicht jedoch im Hochland weiter nach Süden als an der Küste), schließt die Kapverdischen Inseln ein, verläuft entlang dem Nordrand der Sahara und der Arabischen Halbinsel, entlang dem Himalaya nach Südchina, schließt Taiwan aus und Japan ein.

Florenreich

Charakteristische Vertreter der Holarktis sind die Kieferngewächse (Pinaceae), Birkengewächse (Betulaceae), Buchengewächse (Fagaceae), Weidengewächse (Salicaceae) und mehrheitlich die Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae) und Rosengewächse (Rosaceae). Des Weiteren haben auch die Kreuzblütler (Brassicaceae), Nelkengewächse (Caryophyllaceae), die Binsengewächse (Juncaceae) und die Gattung der Seggen (Carex) hier ihren Schwerpunkt.

Eine gewisse Differenzierung innerhalb des Florenreichs ergab sich durch die Eiszeiten des Pleistozäns: In Europa starb ein großer Teil der Pliozänflora aus, sodass die Flora Europas heute verarmt ist. Einige Familien wie die Magnoliengewächse, Hamamelidaceae und Styracaceae kommen deshalb nur in Nordamerika und in Asien, nicht mehr jedoch in Europa vor.

Die Florenregionen Europas

Das Florenreich der Holarktis wird in die arktische, boreale, atlantische, südeurosibirische, mediterrane und irano-turanische Florenregionen unterteilt. Die Florenregionen werden nach den in der Region vorkommenden taxonomischen Pflanzenarten bestimmt:

arktische – Hauptverbreitung in der baumlosen arktischen Tundra, bis in die Nadelwaldzone hinein reichend, auch in den Alpen, brauchen nur eine sehr kurze Vegetationszeit mit Tagesmittel unter 10 °C

boreale – wesentlicher Bestandteil der großen Nadelwaldzone, Charakterbaum ist die Fichte – Picea abies. Viele dieser Florenelemente reichen weit nach Mitteleuropa hinein und einige subboreale Arten, z. B. Pinus sylvestris, sogar weit nach Süden

atlantische – eine Gruppe von Florenelementen, welche stark an das ozeanische Klima gebunden sind, teilweise in Mitteleuropa, aber kaum in Ost-Europa vertreten sind

eumitteleuropäische – im Wesentlichen Arten, aus denen sich die Laubwaldzone zusammensetzt. Es handelt sich um mitteleuropäische Arten im engeren Sinne, deren Verbreitung nicht nach Osteuropa hineinreicht. Mitteleuropäische Arten im weiteren Sinne erreichen dagegen noch ganz Mittelrussland, jedoch teilweise bis zum Ural

mediterrane – hier handelt es sich um Geoelemente, welche die mediterrane Hartlaubzone bilden. Sie sind typisch für Gebiete mit Winterregen und einer ausgeprägten sommerlichen Dürrezeit

pontische – Arten der baumlosen osteuropäischen Steppen, in denen zwar die Sommer heiß, die Winter jedoch im Gegensatz zu dem mediterranen Gebiet viel kälter als in Mitteleuropa (Walter 1986:38) sind.

südsibirische – diese Arten haben ihren Verbreitungsschwerpunkt in den Übergangszonen zwischen den westsibirischen Steppen und der Taiga

turanisch-zentralasiatische – Arten der südosteuropäischen Halbwüste, in Mitteleuropa selten auf Salzböden und manchmal auch an Meeresküsten.

Faunenreich

Das Faunenreich Holarktis wird in zwei Regionen Nearktis (Grönland und Nordamerika) und Paläarktis gegliedert. Die Grenze des Faunenreichs verläuft weiter im Süden, bzw. wird hier teilweise ein breiter Übergangsbereich zu den anderen Faunenreichen definiert. Die Grenze in Amerika wird entweder wie beim Florenreich gezogen (H. J. Müller) oder eine Übergangszone, die ganz Mittelamerika und die Karibik umfasst,[1] angenommen. In Afrika verläuft die Grenze südlich der Sahara, oder die Sahara wird als Übergangsbereich angenommen, gleiches gilt für Arabien, wobei der Südrand der Arabischen Halbinsel nicht dazuzählt.

Charakteristische Säugetiere sind die Elche (Alcinae), Echte Hirsche (Cervinae), die Luchse (Lynx), die Ziegen und Schafe (Caprinae), die Biber (Castoridae), die Pfeifhasen (Ochotonidae), unter den Insektenfressern die Maulwürfe (Talpidae) und Spitzmäuse (Soricidae) und unter den Nagern die Hüpfmäuse (Zapodinae) und Wühlmäuse (Arvicolinae). Typische Vogelfamilien sind die Raufußhühner (Tetraoninae), Alcidae (Alken) und Seidenschwänze (Bombycillidae). Unter den Insekten die Schmetterlingsfamilien Hesperiidae, Lycaenidae, Noctuidae, Notodontidae, Nymphalidae, Pieridae und Sphingidae.

Belege

  • H.J. Müller: Ökologie. 2. Auflage, Gustav Fischer, Jena 1991, S. 133f. ISBN 3-334-00398-1
  • P. Sitte, E. W. Weiler, J. W. Kadereit, A. Bresinsky, C. Körner: Strasburger – Lehrbuch der Botanik für Hochschulen. 35. Auflage, Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2002, S. 986, ISBN 3-8274-1010-X
  • H. Walter, S.-W. Breckle: Ökologie der Erde. Band 1: Grundlagen. 2. Auflage, Gustav Fischer, Stuttgart 1991, S. 11f. ISBN 3-437-20454-8

Einzelnachweise

  1. Nentwig, Bacher, Beierkuhnlein, Brandl, Grabherr: Ökologie. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2004. ISBN 3-8274-0172-0

Die News der letzten Tage

30.01.2023
Ökologie | Physiologie
Ernährungsumstellung: Die Kreativität der fleischfressenden Pflanzen
In tropischen Gebirgen nimmt die Zahl der Insekten mit zunehmender Höhe ab.
27.01.2023
Land-, Forst-, Fisch- und Viehwirtschaft | Neobiota | Ökologie
Auswirkungen von fremden Baumarten auf die biologische Vielfalt
Nicht-einheimische Waldbaumarten können die heimische Artenvielfalt verringern, wenn sie in einheitlichen Beständen angepflanzt sind.
27.01.2023
Biochemie | Botanik | Physiologie
Wie stellen Pflanzen scharfe Substanzen her?
Wissenschaftler*innen haben das entscheidende Enzym gefunden, das den Früchten der Pfefferpflanze (lat Piper nigrum) zu ihrer charakteristischen Schärfe verhilft.
26.01.2023
Biochemie | Mikrobiologie | Physiologie
Ein Bakterium wird durchleuchtet
Den Stoffwechsel eines weit verbreiteten Umweltbakteriums hat ein Forschungsteam nun im Detail aufgeklärt.
26.01.2023
Bionik, Biotechnologie und Biophysik | Botanik | Physiologie
Schutzstrategien von Pflanzen gegen Frost
Fallen die Temperaturen unter null Grad, bilden sich Eiskristalle auf den Blättern von winterharten Grünpflanzen - Trotzdem überstehen sie Frostphasen in der Regel unbeschadet.
26.01.2023
Entwicklungsbiologie | Genetik
Neues vom Kleinen Blasenmützenmoos
Mithilfe mikroskopischer und genetischer Methoden finden Forschende der Universität Freiburg heraus, dass die Fruchtbarkeit des Laubmooses Physcomitrella durch den Auxin-Transporter PINC beeinflusst wird.
26.01.2023
Klimawandel | Mikrobiologie | Mykologie
Die Art, wie Mikroorganismen sterben beeinflusst den Kohlenstoffgehalt im Boden
Wie Mikroorganismen im Boden sterben, hat Auswirkungen auf die Menge an Kohlenstoff, den sie hinterlassen, wie Forschende herausgefunden haben.
25.01.2023
Entwicklungsbiologie | Evolution
Wie die Evolution auf unterschiedliche Lebenszyklen setzt
Einem internationalen Forscherteam ist es gelungen, eines der Rätsel der Evolution zu lösen.
24.01.2023
Biochemie | Ökologie | Physiologie
Moose verzweigen sich anders... auch auf molekularer Ebene
Nicht-vaskuläre Moose leben in Kolonien, die den Boden bedecken und winzigen Wäldern ähneln.
24.01.2023
Bionik, Biotechnologie und Biophysik | Genetik
Verfahren der Genom-Editierung optimiert
Im Zuge der Optimierung von Schlüsselverfahren der Genom-Editierung ist es Forscherinnen und Forschern in Heidelberg gelungen, die Effizienz von molekulargenetischen Methoden wie CRISPR/Cas9 zu steigern und ihre Anwendungsgebiete zu erweitern.
24.01.2023
Ökologie | Zoologie
Kooperation der männlichen australischen Spinnenart Australomisidia ergandros
Forschende konnten in einer Studie zeigen, dass Männchen der australischen Spinne Australomisidia ergandros ihre erjagte Beute eher mit den anderen Mitgliedern der Verwandtschaftsgruppe teilen als die Weibchen.
24.01.2023
Bionik, Biotechnologie und Biophysik | Physiologie
Mutante der Venusfliegenfalle mit Zahlenschwäche
Die neu entdeckte Dyscalculia-Mutante der Venusfliegenfalle hat ihre Fähigkeit verloren, elektrische Impulse zu zählen.
23.01.2023
Biochemie | Physiologie
neue Einblicke in Mechanismen der Geschmackswahrnehmung
Die Komposition der Lebensmittel, aber auch die Speisenabfolge ist für das perfekte Geschmackserlebnis eines Menüs entscheidend.