Hylonomus

Hylonomus
Lebensbild von Hylonomus lyelli

Lebensbild von Hylonomus lyelli

Zeitraum
Oberes Karbon
318,1 bis 313,4 Mio. Jahre
Fundorte
  • Nordamerika (Kanada)
Systematik
Wirbeltiere (Vertebrata)
Landwirbeltiere (Tetrapoda)
Reptilien (Reptilia)
Eureptilia
Protorothyrididae
Hylonomus
Wissenschaftlicher Name
Hylonomus
Dawson, 1851

Hylonomus lyelli (dt. Waldmaus) ist eine ausgestorbene Reptilart. Sie lebte im Oberkarbon vor rund 315 Millionen Jahren in der kanadischen Provinz Nova Scotia und stellt einen der ersten Amnioten, der ersten "echten" Landwirbeltiere, dar. Hylonomus wurde von Sir John William Dawson im Jahr 1851 entdeckt. Das Art-Epitheton lyelli wählte Dawson nach seinem Lehrer, Sir Charles Lyell, der ihn auf seiner Expedition begleitete.

Fundorte

Einziger Fundort von Hylonomus ist die weltberühmte Fossilienstätte Joggins in Kanada. Hier stehen 315 Millionen Jahre alte oberkarbonische Schichten aus dem Westfal A an (Bashkirium).[1] Viele Hylonomus-Exemplare sind sehr gut erhalten. So können einige Fossilien intakte Schuppen und kleinste unversehrte Knochen vorweisen. Hylonomus-Fossilien wurden meistens in versteinerten Baumstümpfen gefunden, die dem Bärlapp-Gewächs Sigillaria zuzuordnen sind.

Dieser Umstand könnte wie folgt zu Stande gekommen sein: Bei Überschwemmungen starben die Bäume ab und hinterließen hohle Baumstümpfe, in denen sich organisches Material ansammelte, z. B. Pflanzenreste. Diese wiederum lockten Insekten an, denen Hylonomus folgte. Das 20 cm lange Tier stürzte hinein und kam nicht mehr heraus, weshalb es verhungerte. Dort wurde es anschließend von Schlamm begraben, der sich in Millionen von Jahren und unter hohem Druck in Schiefer verwandelte.

In Joggins wurden über dreißig solcher fossiler Baumstümpfe freigelegt.

Eigenschaften

Hylonomus war eines der ersten Lebewesen, die vollständig an das Leben an Land angepasst waren und die ersten Eier mit einer schützenden, harten Schale und einer Eihaut (Amnion) legten. Diese Form der Eier befähigte sie, sich weiter vom Wasser zu entfernen, als jedes andere Tier ihrer Zeit. Als das älteste, bisher gefundene Fossil eines Amnioten ist Hylonomus somit ein Meilenstein der Evolution.[2]

Hylonomus war ca. 20 cm lang, lebte in einem tropischen Klima und ernährte sich wahrscheinlich von Insekten (Insektivor), die er mit seinen konischen Zähnen zerdrückte. Einige der Zähne in der vorderen Reihe waren länger als die dahinter, was ein Merkmal für höhere Reptilien ist. Vieles an seinem Skelett war dem einer Amphibie sehr ähnlich (zum Beispiel der Kopf, die Schultern, das Becken, sowie die „Übergangszähne“ und -wirbel. Der Rest des Skelettes war das eines Reptils: Starke Kaumuskeln, keine palatalen Fangzähne und noch kein Trommelfell.

Einordnung

Durch Merkmale wie die Zähne oder die fensterlose (Anapside) Schädelform konnte nachgewiesen werden, dass diese Echse bereits mehr ein Reptil war als ein Amphibium. Im Jahr 2006 wurde daher entschieden, dass Hylonomus nach aktuellem Wissensstand, das älteste Reptil darstellt. Westlothiana aus Schottland ist zwar älter, aber eher ein Stammgruppenvertreter der Amnioten, der noch nicht dazu gehört. Hylonomus ist demnach die erste Art der Amnioten, zu denen Dinosaurier, Vögel und Säugetiere gehören.

Einzelnachweise

  1. van Tuninen, M. & Hadly, E.A. (2004): Error in Estimation of Rate and Time Inferred from the Early Amniote Fossil Record and Avian Molecular Clocks. Journal of Mulecular Biology, no 59: pp 267-276 PDF
  2. Laurin, M. & R. R. Reisz. 1995. A reevaluation of early amniote phylogeny. Zoological Journal of the Linnean Society 113, S. 165-223

Quellen

  • Lexikon der Dinosaurier und anderer Tiere der Urzeit. Dorling Kindersley Verlag, ISBN 3-8310-0342-4, Seite 68/69

Weblinks


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