Juwelwespe


Juwelwespe

Juwelwespe (Ampulex compressa)

Systematik
Klasse: Insekten (Insecta)
Ordnung: Hautflügler (Hymenoptera)
Überfamilie: Apoidea
Familie: Ampulicidae
Gattung: Ampulex
Art: Juwelwespe
Wissenschaftlicher Name
Ampulex compressa
(Fabricius, 1781)

Die Juwelwespe (Ampulex compressa) ist eine parasitär lebende Grabwespe aus der Familie der Ampulicidae. Sie kommt in den tropischen Gebieten Indiens, Afrikas und des pazifischen Raums vor. Ihr Brutverhalten ist einzigartig.

Merkmale

Die Juwelwespe gehört zu den größeren Arten der Gattung Ampulex. Die Weibchen werden bis zu 22 Millimeter lang, die Männchen bleiben etwas kleiner. Besonders auffällig ist ihr blau-grün metallisch glänzender Körper und die rot gefärbten Schenkel der hinteren und mittleren Beinpaare.

Die Weibchen besitzen einige Anpassungen, die zum großen Teil für ihr Brutverhalten von Bedeutung sind. Dazu gehören die seitlich abgeflachte (kompresse) Gaster, die nasenartige Stirnplatte und die sichelförmigen, zusätzlich nach oben gebogenen Mandibeln. Die Weibchen besitzen einen Giftstachel, der bei den Männchen fehlt.[1]

Verbreitung

Ursprünglich vor allem in der Orientalischen Region der Paläotropis heimisch, sind die Juwelwespen heute in Australien und dem Indonesischen Archipel sowie auf vielen Inseln des Indischen und des Pazifischen Ozeans wie den Seychellen, den Cook-Inseln, den Midway-Inseln, St. Helena, Mauritius, Réunion, Neu-Kaledonien und Hawaii eingeführt worden.

Lebensweise

Die Juwelwespe bedient sich dabei der Amerikanischen Großschabe (Periplaneta americana), der Australischen Schabe (Periplaneta australasiae) oder der Harlekinschabe (Neostylopyga rhombifolia) als Wirt. Nach einem die Vorderbeine lähmenden Stich in den Thorax setzt die Wespe einen zweiten gezielten Stich in einen bestimmten Bereich der Ganglien und lähmt damit den Fluchtreflex der Schabe.[2] Sodann führt die Wespe, da sie zu klein ist, um die Schabe zu tragen, das derart präparierte Insekt an einem seiner Fühler zu einer Höhle, wo sie ein Ei im Körper der Schabe ablegt und das Tier in der Höhlung einschließt. Die Schabe unternimmt wegen der Manipulation an ihrem Nervensystem keinen Versuch, sich zu befreien.

Einmal geschlüpft verzehrt die parasitoide Larve der Juwelwespe ihren Wirt im Verlauf einer Woche nach und nach, bis die Schabe schließlich verendet. Die Larve verpuppt sich danach in der Hülle der Schabe. Sie bildet einen braunen Kokon, aus dem sie nach etwa vier Wochen schlüpft.

Juwelwespe und Mensch

Versuche, das Brutverhalten der Juwelwespe als Mittel der biologischen Schädlingsbekämpfung zu nutzen (1941 auf Hawaii), scheiterten an der territorialen Lebensweise der Wespen und an der relativ geringen Zahl von zur Brut benötigten Schaben, die die Schabenpopulation nicht zu dezimieren vermag.[3]

Wegen ihrer Schillernden Farben wird die Juwelwespe oft in Terrarien gehalten.

Weblinks

Commons: Juwelwespen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Richard Mitchell Bohart und Arnold S. Menke: Sphecid wasps of the world: a generic revision. University of California Press, 1976, S. 74–78 ISBN 978-0-52002-318-5
  2. Gal Haspel, Lior Ann Rosenberg and Frederic Libersat: Direct Injection of Venom by a Predatory Wasp into Cockroach Brain. Journal of Neurobiology, 56, 4, S. 287–292, 2003 doi:10.1002/neu.10238 PDF (englisch)
  3. F. X. Williams: Ampulex compressa (Fabr.), a cockroach-hunting wasp introduced from New Caledonia into Hawaii. Procedures of the Hawaiian Entomological Society, 11, S. 221–233, 1942

Die News der letzten Tage

17.11.2022
Meeresbiologie | Taxonomie
Dornenkronenseesterne aus dem Roten Meer sind endemisch!
Neben dem Klimawandel stellen korallenfressende Dornenkronenseesterne (Acanthaster spp.
17.11.2022
Klimawandel | Meeresbiologie
Eisbedeckung im Südpolarmeer: Auswirkungen auf Meiofauna und Makrofauna
Wissenschaftlerinnen haben erstmals untersucht, wie sich Gemeinschaften von Meiofauna und Makrofauna unter verschiedenen Umweltbedingungen im Südpolarmeer zusammensetzen.
16.11.2022
Biochemie | Physiologie
Pflanzen zwischen Licht und Schatten
In der Forschung werden Pflanzen häufig unter konstantem Licht angezogen, was nicht den natürlichen Bedingungen in der Natur entspricht.
15.11.2022
Anthropologie | Ethologie | Paläontologie
Guten Appetit! Homo hat bereits vor 780.000 Jahren Fisch gekocht
Fischzähne der archäologischen Fundstelle Gesher Benot Ya’aqov in Israel liefern den frühesten Hinweis auf das Garen von Nahrungsmitteln durch unsere Vorfahren.
15.11.2022
Biodiversität | Bioinformatik | Botanik
Eine Weltkarte der Pflanzenvielfalt
Warum gibt es an manchen Orten mehr Pflanzenarten als an anderen?
15.11.2022
Biodiversität | Land-, Forst-, Fisch- und Viehwirtschaft | Ökologie
Biodiversität von Wiesen- und Weideflächen: Ein Gewinn für Natur, Landwirtschaft und Tourismus
Ein internationales Team hat in einer langangelegten Studie nachgewiesen, wie wichtig die Biodiversität von Wiesenflächen für ein breites Spektrum von Ökosystemleistungen und unterschiedliche Interessengruppen ist.
15.11.2022
Biochemie | Land-, Forst-, Fisch- und Viehwirtschaft | Zytologie
Wie funktioniert der Mangantransport in Pflanzen?
Das Protein BICAT3 ist einer der wichtigsten Mangan-Verteiler in Pflanzen - ist es defekt, hat das einen verheerenden Einfluss auf das Wachstum der Pflanzen.
14.11.2022
Ökologie | Säugetierkunde
Kollisionsrisiko für Fledermäuse bei großen Windkraftanlagen
Um Fledermäuse vor der Kollision mit Windenergieanlagen zu schützen, werden in Genehmigungsverfahren akustische Erhebungen durchgeführt.
09.11.2022
Physiologie | Vogelkunde
Kohlmeisen: Hormonschwankungen als Überlebensvorteil?
Bei freilebenden Kohlmeisen gibt es zwischen Individuen große Unterschiede in der Menge an Stresshormonen im Blut.
14.11.2022
Amphibien- und Reptilienkunde | Paläontologie
Grube Messel: eine lebendgebärende Schlange vor 47 Millionen Jahren
Ein argentinisch-deutsches Forschungsteam hat den weltweit ersten fossilen Beleg für eine Lebendgeburt bei Schlangen erbracht.