Koma

Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Koma (Begriffsklärung) aufgeführt.
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Klassifikation nach ICD-10
R40.2 Koma, nicht näher bezeichnet
ICD-10 online (WHO-Version 2011)

In der Medizin ist ein voll ausgeprägtes Koma (griechisch κῶμα, „tiefer Schlaf“) die schwerste Form einer quantitativen Bewusstseinsstörung. In diesem Zustand kann das Individuum auch durch starke äußere Stimuli, wie wiederholte Schmerzreize, nicht geweckt werden.

Das Koma ist somit ein Symptom (Krankheitszeichen) und keine Krankheit. In der internationalen Klassifikation der Gesundheitsstörungen (ICD-10) wurde es daher in die Rubrik „R“ (Symptome und Befunde) eingeordnet (R40.2). Das Koma ist Ausdruck einer schweren Störung der Großhirnfunktion und zumeist lebensbedrohend. Die weitere Entwicklung (Prognose) des Komatösen ist von der zugrunde liegenden Erkrankung und medizinischen Versorgung abhängig.

Ursachen

Primäre Gehirn-Erkrankungen

  • Schlaganfall (Gefäßverschluss oder Blutung)
    • plötzliches Ereignis, Koma überwiegend bei Hirnstammschädigung
    • Hirnblutungen können zur Bewusstlosigkeit führen, wenn sie den Hirnstamm direkt, oder über eine generelle Druckerhöhung im Schädel schädigen.
  • Schädel-Hirn-Trauma
    • Koma besonders bei Hirnstammschädigung
  • Meningitis / Enzephalitis
    • entzündliche Erkrankung meist mit hohem Fieber
    • Entwicklung eines Komas meist über Stunden
  • epileptischer Anfall
    • plötzliches Ereignis, meist spontane Erholung
  • Hirntumor
    • langsame Entwicklung – Koma meist durch Hirndruck

Stoffwechselstörung – metabolisches Koma

  • Zuckerstoffwechselstörung
    • Unterzuckerung (Hypoglykämie)
    • Überzuckerung (Hyperglykämie, diabetisches Koma, siehe Diabetes mellitus)
  • Sauerstoffmangel (Hypoxie, Hypoxämie) oder CO2-Überschuss im Blut (Hyperkapnie)
    • bei Sauerstoffaufnahmestörung (Atemwege, Lunge)
    • bei Kreislaufversagen (nach wenigen Sekunden)
  • Niereninsuffizienz (urämisches Koma)
  • Leberinsuffizienz (hepatisches Koma)
  • andere metabolische Ursachen (angeborene Stoffwechselstörungen usw.)
  • hormonale Ursachen (Hypophyseninsuffizienz, Nebenniereninsuffizienz usw.)

Vergiftungen

  • als Unfall (akzidentell)
  • durch Drogen (z. B. Alkohol, Rauschmittel)
  • medizinisch erwünschte (Sedierung, Narkose, künstliches Koma)

Komatiefe

Die Einteilung erfolgt nach klinischen Gesichtspunkten, also entsprechend der Reaktion auf bestimmte Reize. Je nach verwendeter Klassifikation werden zumeist drei bis vier Grade unterschieden:

  1. Grad – gezielte Abwehr auf Schmerz, Pupillenbewegung intakt, Augenbewegung bei Reizung des Gleichgewichtsorgans (Vestibulookulärer Reflex) intakt
  2. Grad – ungerichtete Abwehr auf Schmerz, Massenbewegungen, Außenschielen (divergente Augäpfel)
  3. Grad – keine Abwehr, nur noch Fluchtreflexe, Vestibulookulärer Reflex fehlt, Pupillenreaktion abgeschwächt
  4. Grad – keine Schmerzreaktion, keine Pupillenreaktion, Ausfall weiterer Schutzreflexe

In der Notfallmedizin etabliert ist die Glasgow-Koma-Skala – die auch als Entscheidungshilfe z. B. für Beatmung herangezogen wird. Sie umfasst auch leichtere Bewusstseinsstörungen.

Abgeleitete Begriffe

„Künstliches Koma“, „künstlicher Tiefschlaf“

Diese vor allem in den Medien genutzten Begriffe[1] bezeichnen eine medikamentös herbeigeführte Bewusstseinsminderung, die nach dem Absetzen der Arzneistoffe reversibel ist. Darum sollte hier die Benutzung des Begriffes Koma vermieden werden, da Koma im medizinischen Sinne einen ungeregelten Bewusstseinsverlust beschreibt. Treffender sind die Begriffe Sedierung oder Langzeit-Narkose. Sedierung ist ein kontrollierter Zustand; Patienten, die in schwierigen Phasen einer Intensivbehandlung betäubt werden, erhalten zu diesem Zweck Medikamente in wirkungsabhängiger Dosierung. Dabei werden, meist in Kombination, Medikamente mit verschiedener Wirkung eingesetzt: Schlaf- und Beruhigungsmittel (Sedativa, Hypnotika, etwa Benzodiazepine oder Propofol), Schmerzmittel (Opioidanalgetika), andere Narkotika sowie Psychopharmaka. Auch beatmete Patienten werden manchmal nicht die ganze Zeit in tiefer Narkose gehalten, wenn möglich nur sediert (vgl. Ramsay-Skala).[2]

Durch Beobachtung, Patientenbefragungen und technische Überwachungs- und Untersuchungsmethoden ist das Bild immer differenzierter geworden, welche Leistungen des Gehirns während einer Narkose, gerade auch Dauernarkose, herabgesetzt werden: Wachheit (Vigilanz), Stress, Schmerzempfindung, Angst, motorische Reaktion, Erinnerung. Die meisten eingesetzten Medikamente beeinflussen mehrere Hirnleistungen, mit unterschiedlichem Schwergewicht.

Dabei gibt es nicht nur Unterschiede von Medikament zu Medikament, sondern auch in der Wirkung desselben Medikamentes auf verschiedene Patienten. So kann ein gut sedierter, aber durchaus nicht komatöser Patient bei Behandlungsmaßnahmen kooperieren, ohne sich anschließend an irgendetwas zu erinnern (Amnesie), ein bewegungslos und ohne vegetative Stresszeichen im Bett liegender Patient sich nachher an zahlreiche Einzelheiten erinnern, ein dritter trotz hoher Dosen an Beruhigungs- und Schmerzmitteln zwar nicht ansprechbar, aber motorisch unruhig sein.

Wachkoma

Hierbei handelt es sich um eine schwere Hirnschädigung, bei der die Funktion des Großhirns stark beeinträchtigt, teilweise ausgefallen oder sogar ganz erloschen ist. Daher wird sie auch als apallisches Syndrom („ohne Hirnrinde“) bezeichnet. Die Lebensfunktionen werden – wie normalerweise auch – durch den Hirnstamm aufrechterhalten, die Patienten erlangen aber mangels kognitiver Funktionen nicht das Bewusstsein. Als Folge werden die Betroffenen zwar wach, können aber in keinerlei Kontakt mit der Umwelt treten (weder aktiv noch passiv). Fachlich exakt wird das Wachkoma als Persistierender Vegetativer Status (PVS) bezeichnet.

Wachkomapatienten haben, soweit das Großhirn nicht zu stark geschädigt ist, eine gute Prognose, wieder aufzuwachen. Entsprechendes wird weltweit immer wieder berichtet. Der Zeitraum kann jedoch – wie beim gewöhnlichen Koma auch – stark variieren: Von wenigen Tagen bis hin zu etlichen Jahren. Durch entsprechende Rehabilitationsmaßnahmen kann der Prozess erheblich unterstützt werden, insbesondere, wenn der Betroffene schon Anzeichen der Rückbildung des Komas zeigt.

Siehe auch

Literatur

  • Manfred Stöhr, Thomas Brandt, Karl M. Einhäupl: Neurologische Syndrome in der Intensivmedizin. Kohlhammer, 1998, ISBN 3-17-014557-6
  • Wolfgang J. Bock, Christel Bienstein: Bewusstlos, eine Herausforderung für Angehörige, Pflegende und Ärzte, Verlag Selbstbestimmtes Leben, Düsseldorf, 1994, 2. Auflage, ISBN 3-910095-20-8

Einzelnachweise

  1. U. Herrmann: Zum Begriff "künstliches Koma": Nur im Tiefschlaf taz, 16. Januar 2009
  2. H.-W. Striebel: Analgosedierung beim (beatmeten) Intensivpatienten. in: H.-W. Striebel: Operative Intensivmedizin. Schattauer; 2007. ISBN 978-3-7945-2480-8

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Koma – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
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