Ludolf von Krehl

(Albrecht) Ludolf von Krehl (* 26. Dezember 1861 in Leipzig; † 26. Mai 1937 in Heidelberg), geadelt seit 1904, war ein deutscher Mediziner.

Leben

Ludolf von Krehl
Ludolf von Krehls Grab auf dem Heidelberger Bergfriedhof

Krehl war Sohn des Leipziger Professors für Orientalistik Ludolf Krehl. Er studierte 1881 bis 1886 in Leipzig, Jena, Heidelberg und Berlin und wurde 1886 in Leipzig promoviert. Während seines Medizinstudiums in Heidelberg wurde Krehl Mitglied der Burschenschaft Frankonia. 1886–1892 war er Assistent von Ernst Leberecht Wagner und Heinrich Curschmann an der Leipziger Medizinischen Klinik. Dort habilitierte er sich 1888 für Innere Medizin. Es folgten Berufungen an die Medizinischen Polikliniken in Jena 1892, Marburg 1899 und Greifswald 1900. 1902 übernahm er die Medizinischen Kliniken in Tübingen, 1904 in Straßburg und 1907 in Heidelberg. Dort konnte er 1922 die neue Klinik beziehen, war an der Gründung des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Medizinische Forschung beteiligt und übernahm 1931 nach seiner Emeritierung die Leitung der Abteilung für Pathologie an diesem Institut. 1903 wurde Krehl geadelt, 1925 Mitglied des Ordens Pour le mérite für Wissenschaft und Künste und 1927 Ehrendoktor der Evangelisch-Theologischen Fakultät Tübingen. 1926 wurde Krehl in die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina aufgenommen. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde er Mitglied des NS-Lehrerbundes.[1] 1936 zeichnete ihn Adolf Hitler mit dem Adlerschild des Deutschen Reiches aus.[1]

Wirken

Haupteingang der ehemaligen Ludolf-Krehl-Klinik in Heidelberg
Neue Krehl-Klinik im Neuenheimer Feld

Das Denken Krehls ist gekennzeichnet durch vielfache Versuche, medizinische Klinik und Arztsein miteinander zu verbinden. Im Mittelpunkt seines Werks steht die Pathologische Physiologie, die seit 1893 mit leicht variierten Titeln bis 1932–1934 in 14 Auflagen erschien. Sie erweitert die Struktur-Pathologie der Organe (Giovanni Battista Morgagni) und der Zellen (Rudolf Virchow) um die Pathogenese und Symptombildung der gestörten Funktionen. Krehls Hauptarbeitsgebiet, die Erkrankungen des Herzens, zeigte ihm, dass es Leistungsstörungen gibt, für die kein pathologisch-anatomisches Substrat existiert (Die Erkrankungen des Herzmuskels und die nervösen Herzkrankheiten, in:Spezielle Pathologie und Therapie. Hrsg. Hermann von Nothnagel. Bd. XV/1, 1901). Ähnliches beobachtete er bei Verdauungsstörungen (Dyspepsien) und am Musterbeispiel der Hysterien. Dass an Infektionen nicht alle Menschen und wenn, dann auf unterschiedliche Weise erkranken, veranlasste Krehl, den Allgemeinkrankheiten ihr Recht neben den Organkrankheiten einzuräumen: nämlich den das Krankwerden begünstigenden und die Krankheitsverläufe prägenden Bedingungen (Konstitution, Diathesen; Krankheitsform und Persönlichkeit, 1929). Einerseits wollte und konnte Krehl die naturwissenschaftliche Grundlage der medizinischen Forschung und Diagnostik als Voraussetzung für eine rational begründbare Therapie, die experimentell-induktive Methode, nicht aufgeben. Andererseits drängte ihn die ärztliche Erfahrung zu einem offenen Blick auf die seelischen Bedingungen für Krankwerden und Kranksein. Schon 1902 würdigte er die Arbeit Sigmund Freuds und Josef Breuers. In Symptomen erkannte er Ausdrucksgemeinschaften des Körperlichen und Seelischen und die Wirkungen des Unbewussten. Neben das kausale trat ein teleologisches Denken. Damit trat das Individuum, die Person des Kranken, in den Vordergrund. In der Therapie wird die Stärkung des Gesundungswillens im Kranker-Arzt-Verhältnis wirksam. Hinter Konstitution, Person und Gespräch des Kranken mit seinem Arzt steht der Gedanke einer Ganzheit. Aus den darin wirksamen Wertebezogenheiten folgte Krehl für die ärztliche Praxis eine Sicht auf den Kranken und ein Verhalten zu ihm, das naturwissenschaftliche und geisteswissenschaftliche Sichtweisen vereinigt (Der Arzt, 1937). Das Gespräch überformt zwei Personen zu einer existentiellen Einheit. Auf diesem Wege sind Krehl vor allem seine Mitarbeiter Viktor von Weizsäcker und Richard Siebeck (1883–1965) gefolgt.

Er ist der Namensgeber einer der medizinischen Universitätskliniken in Heidelberg.

Werke (Auswahl)

  • Ludolf Krehl (Hrsg.): Handbuch der ärztlichen Erfahrung im Weltkrieg 1914–1918. 3 Bände: Innere Medizin, Leipzig 1921
  • Ludolf Krehl (Hrsg.): Über Standpunkte der Inneren Medizin, In: Münchner Medizinische Wochenschrift. 73 (1926) S. 1547–1552

Literatur

  • Paul Christian: Ludolf Krehl und der medizinische Personalismus, In: Heidelberger Jahrbücher 6 (1962) S. 207–210
  • Friedrich Curtius: Das Individualitätsprinzip im Denken Ludolf Krehls, In: Münchner Medizinische Wochenschrift 103 (1961) S. 2494–2497
  • Rolf Uebe: Das medizinische Konzept Ludolf Krehls und sein Versuch einer Kritik der Therapeutik. Med. Diss., Heidelberg (1972)
  • Viktor von Weizsäcker: Ludolf von Krehl - Gedächtnisrede, In: Ders.: Gesammelte Schriften, Bd. 1, Frankfurt am Main (1986), S. 415–423

Schriften

  • Grundriß der allgemeinen klinischen Pathologie, Leipzig 1893
  • Über die Naturheilkunde, 1935

Weblinks

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Fischer Taschenbuch Verlag, Zweite aktualisierte Auflage, Frankfurt am Main 2005, S. 338.

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