Moorea-Rohrsänger

Moorea-Rohrsänger
Systematik
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeri)
Familie: Rohrsängerartige (Acrocephalidae)
Gattung: Rohrsänger (Acrocephalus)
Art: Moorea-Rohrsänger
Wissenschaftlicher Name
Acrocephalus longirostris
Gmelin, 1789

Der Moorea-Rohrsänger (Acrocephalus longirostris) ist eine vermutlich ausgestorbene Vogelart aus der Gattung der Rohrsänger. Er war auf der Insel Moorea in Französisch-Polynesien endemisch.

Systematik

Der Moorea-Rohrsänger wurde 1789 von Johann Friedrich Gmelin als Turdus longirostris beschrieben. Die Erstbeschreibung basiert auf Exemplaren von Moorea, die der Naturforscher John Latham in den Sammlungen von Sir Ashton Lever („Museum Leverianum“) und Sir Joseph Banks entdeckt hatte. In der Folgezeit wurde der Moorea-Rohrsänger als Unterart des Langschnabel-Rohrsängers (Acrocephalus caffer) klassifiziert. Nach phylogenetischen Untersuchungen wird das Taxon in einer 2008 im Journal Ibis veröffentlichen Studie [1] als eigenständige Art betrachtet.

Beschreibung

Der Moorea-Rohrsänger erreichte eine Länge von 19 Zentimetern. Oberkopf, Hinternacken, Rücken, Schulterfedern und Oberschwanzdecken waren dunkeloliv. Der Bürzel war strohgelb. Die Federn wiesen gelbliche Ränder auf. Die Schwanzfedern waren nelkenbraun. Die Handschwingenfedern hatten schmale gelbliche Ränder an den Außenfahnen und weißliche Spitzen. Die innersten Handschwingen und die Armschwingen hatten breitere cremeweiße Spitzen. Die Flügeldecken waren nelkenbraun mit breiten bariumgelben Rändern. Der Flügelbug war bariumgelb. Die mittleren Steuerfedern waren nelkenbraun mit cremeweißen Spitzen. Die unteren Augenlider, ein schmaler Überaugenstreif, die Zügel, die Wangen und die komplette Unterseite waren bariumgelb. Die Schwanzunterdecken waren mausgrau. Die Iris war olivbraun. Der Oberkiefer war hornfarben, der Unterkiefer war fleischfarben. Beine und Füße waren blaugrau.[2]

Lebensraum und Lebensweise

Über die Lebensweise des Moorea-Rohrsängers ist kaum etwas bekannt. Wie sein Verwandter – der Langschnabel-Rohrsänger von Tahiti – ernährte er sich von Insekten, Eidechsen und kleinen Wirbellosen. Sein Lebensraum waren Flusswälder, Hangwälder, Bambusdickicht und Sekundärwälder.

Status

1921 wurden während der Whitney South Sea Expedition nur drei Exemplare gesammelt. Zwischen 1971 und 1973 wurden zwei Paare beobachtet. Die letzte bestätigte Sichtung stammt aus dem Juli 1981. Eine Suche nach der Art zwischen 1986 und 1987 blieb ergebnislos. Die Hauptgründe für sein Verschwinden waren vermutlich die Degradierung der Bambuswäldchen und die Konkurrenz mit dem Hirtenmaina.

Es existieren zwei Zeichnungen von William Ellis und John Webber (1751–1793), die zwischen 1776 und 1780 während der dritten Cook-Südseereise entstanden sind. Mehrere Exemplare erwarb der Naturforscher Leopold von Fichtel (1770–1810) für das Hof-Naturalien-Cabinet in Wien. Zwei davon, Lathams Typusexemplar und ein Weibchen, wurden jedoch nicht konserviert.

Literatur

  • Gregory Matthews, Robert Cushman Murphy: Birds collected during the Whitney South Sea Expedition. 1928 (online, PDF-Datei; 1,78 MB)
  • Alice Cibois, Jean-Claude Thibault, Eric Pasquet: Systematics of the extinct reed warblers Acrocephalus of the Society Islands of eastern Polynesia. In: Ibis. 150, 2008, S. 365–376.
  • J. Del Hoyo, A. Elliot, David A. Christie (Hrsg.): Handbook of the Birds of the World. Band 11: Old World Flycatchers to Old World Warblers. Lynx Edicions 2006, ISBN 849655306X.

Einzelnachweise

  1. Alice Cibois, Jean-Claude Thibault, Eric Pasquet: Systematics of the extinct reed warblers Acrocephalus of the Society Islands of eastern Polynesia. In: Ibis. 150, 2008, S. 365–376
  2. Gregory Matthews, Robert Cushman Murphy: Birds collected during the Whitney South Sea Expedition. 1928

Diese Artikel könnten dir auch gefallen

Die News der letzten 7 Tage

13.06.2021
Anthropologie | Virologie | Immunologie
Wie Viren Immunzellen zu Trojanischen Pferden machen
Zytomegalieviren programmieren Fresszellen der Lunge so um, dass sie selbst Viren produzieren und diese in der Lunge verbreiten.
13.06.2021
Bionik und Biotechnologie | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Zuckerhirse: Süßes Versprechen für die Umwelt
Zuckerhirse lässt sich zur Herstellung von Biogas, Biokraftstoffen und neuen Polymeren nutzen, zudem kann sie dazu beitragen, Phosphatdünger zu ersetzen.
13.06.2021
Botanik | Physiologie
Todesduft der Pfeifenwinde lockt Sargfliegen in die Blüten
Ein internationales Pflanzenforscherteam hat in einer neuen Studie eine ungewöhnliche und bisher unbekannte Fortpflanzungsstrategie bei Pflanzen entdeckt.
11.06.2021
Ökologie | Biodiversität | Meeresbiologie
Untermieter auf Manganknollen: Schwämme sorgen für Artenreichtum
Tief auf dem Meeresgrund lagern wertvolle Rohstoffe – beispielsweise Knollen aus Mangan, Eisen, Kobalt und Kupfer.
11.06.2021
Morphologie
Das Metallgebiss des Borstenwurms
Metallatome sind für die bemerkenswerte Stabilität von Borstenwurm-Kiefern verantwortlich, zeigen Experimente der TU Wien.
11.06.2021
Paläontologie | Entwicklungsbiologie
Versteinert: 99 Millionen Jahre alte Geburt
Einem Forschungsteam ein außergewöhnlicher Fund gelungen: Sie fanden eine fossile weibliche Landschnecke, die gemeinsam mit ihren fünf Jungtieren in einem 99 Millionen Jahre alten Bernstein eingeschlossen wurde.
09.06.2021
Genetik | Neurobiologie
Menschen-Gen macht Mäuse schlauer
Ein Gen, das nur beim Menschen vorkommt, führt bei Mäusen zu einem größeren Gehirn, erhöhter Flexibilität des Gedächtnisses und weniger Ängstlichkeit.
09.06.2021
Taxonomie
„Zombie-Frosch“ entdeckt
Senckenberg-Wissenschaftlerinnen haben mit einem internationalen Team drei neue Froscharten aus dem nördlichen Amazonasgebiet beschrieben.
09.06.2021
Klimawandel | Primatologie
Kein Platz für Menschenaffen
Der Klimawandel wird das Verbreitungsgebiet afrikanischer Menschenaffen in den nächsten 30 Jahren drastisch verkleinern.
07.06.2021
Ökologie | Klimawandel | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Art der Waldnutzung beeinflusst Lebensrhythmus der Wildpflanzen
Durch die Klimaerwärmung verschieben sich bei vielen Pflanzen die jahreszeitlichen Rhythmen, zum Beispiel die Blütezeit.
07.06.2021
Ethologie | Vogelkunde
Junge Seeadler bleiben länger im elterlichen Revier
Seeadler reagieren sensibel auf Störungen durch den Menschen, weshalb in unmittelbarer Umgebung der Horste forst- und landwirtschaftliche Nutzungen beschränkt sind.
07.06.2021
Ethologie | Vogelkunde
Vertrauen bei Rabenvögeln
Rabenvögel benutzen soziale Informationen, um sich vor Täuschung durch Artgenossen aus Nachbarterritorien zu schützen.