Old-Croghan-Mann

Der Old-Croghan-Mann im Irischen Nationalmuseum

Der Old-Croghan-Mann ist eine gut erhaltene eisenzeitliche Moorleiche, die im Mai 2003 in einem Moor in der Nähe von Daingean im irischen County Offaly gefunden wurde. Mit geschätzten 198 cm Körperlänge ist der Mann, die größte bisher gefundene historische Person. Die Überreste des Old-Croghan-Mannes werden im Irischen Nationalmuseum in Dublin aufbewahrt.
Fundort: 53° 19′ 54″ N, 7° 18′ 6″ W53.331800555556-7.3015413888889Koordinaten: 53° 19′ 54″ N, 7° 18′ 6″ W[1]

Beschreibung

Der genaue Fundort des Old-Croghan-Mannes ist nicht mehr sicher ermittelbar, da die Leiche durch die Torfabbaumaschine weit verlagert wurde. Von der Leiche sind nur noch Thorax und beide Arme vollständig erhalten, die fehlenden Teile konnten nicht mehr gefunden werden. Bei der Auffindung wurde keine Kleidung bei dem Mann gefunden. Er trug lediglich ein kleines, mit zwei Ringen aus Kupferblech verschlossenes, geflochtenes Lederband um den linken Unterarm. Ob er aber auch nackt ins Moor kam, ist nicht sicher, da eine möglicherweise vorhandene Kleidung aus pflanzlichen Rohstoffen durch die Moorsäuren vergangen sein kann. Der Anfang 20 Jahre alte Old-Croghan-Mann hatte erkennbar gepflegte Fingernägel und sein Körper zeigte keine Anzeichen schwerer körperlicher Arbeit was ihn als Angehörigen der lokalen Oberschicht ausweisen kann. Aufgrund von Berechnungen seiner Armlänge wird seine ursprüngliche Körpergröße auf 198 cm geschätzt, was nicht nur für die damaligen Zeit, sondern auch für die Gegenwart noch eine außerordentliche Größe ist. Er ist damit die größte bisher gefundene historische Person. Seine Brust wies einen tiefen Einstich auf, er wurde geköpft und sein Körper in zwei Teile geteilt, was auf eine Ermordung hindeutet. Vor seinem Tode wurde er möglicherweise gefoltert, was tiefe Einschnitte unterhalb seiner beiden Brustwarzen andeuten. Eine Wunde auf seinem Arm zeigt an, dass er möglicherweise versuchte, sich seiner Mörder zu erwehren und der Angriff nicht überraschend für ihn kam. Vernarbtes Lungengewebe deutet auf eine Rippenfellentzündung hin. Die Untersuchung seines Mageninhalts ergab, dass seine letzte Mahlzeit wohl aus Weizen und Buttermilch bestand. Der Old-Croghan-Mann ist im Zeitraum zwischen 362 und 175 vor Chr. gestorben und im Moor versenkt worden.

Die Leiche des Old-Croghan-Mann wurde nur drei Monate nach der des Clonycavan-Mann gefunden.

Deutung

Über die Hintergründe seines Todes gibt es viele Spekulationen. Nach Eamonn P. Kelly, dem Leiter der Archäologischen Sammlung des Irischen Nationalmuseums, könnte der Old-Croghan-Mann wie auch andere Moorleichen geopfert worden sein, um möglicherweise eine gute Ernte zu erflehen. Weiterhin stellte Kelly fest, dass der Old-Croghan-Mann auf der Grenze der historischen Territorien Tuath Cruacháin und Tuath na Cille niedergelegt wurde. Er folgert aus der Tatsache, dass aus Irland mindestens 40 weitere Moorfunde auf historischen Grenzen vorliegen, dass diese Deponierungen einem besonderen Zweck gedient haben mussten.[2]

Literatur

  •  Eamonn P. Kelly: Kingship and sacrifice: Iron Age bog bodies and boundaries. In: Archaeology Ireleand Heritage Guide. Nr. 35, National Museum of Ireland, Dublin 2006 (englisch).

Einzelnachweise

  1. http://excavations.ie/Pages/Details.php?Year=2003&County=Offaly&id=10361 Irish grid 246583 231484 konvertiert mit http://www.osi.ie/calculators/converter_index.asp
  2. Kelly: Kingship and sacrifice.

Weblinks

Diese Artikel könnten dir auch gefallen

Die letzten News

22.01.2021
Ethologie | Primatologie
Befreundete Schimpansen kämpfen gemeinsam gegen Rivalen
Menschen kooperieren in großen Gruppen miteinander, um Territorien zu verteidigen oder Krieg zu führen.
22.01.2021
Ökologie | Neobiota
Invasion: Bedrohung durch den Afrikanischen Krallenfrosch wesentlich größer als gedacht
Ein internationales Forscherteam um die beiden Herpetologen Philipp Ginal und Dennis Rödder vom Zoologischen Forschungsmuseum Koenig – Leibniz-Institut für Biodiversität der Tiere (ZFMK, Museum Koenig) nutzen einen neuen Ansatz zur Abschätzung des invasiven Potenzials einer Art.
22.01.2021
Neurobiologie
Grösse von Nervenverbindungen bestimmt Stärke des Signals
Nervenzellen kommunizieren miteinander via Synapsen.
22.01.2021
Mykologie | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Getreidelagerung: Naturstoffe wirksamer als chemische Insektizide
Senckenberg-Wissenschaftler Thomas Schmitt hat die Wirksamkeit von Kieselerde und einem parasitischen Pilz als Schutz vor Schadinsekten an Getreide im Vergleich zu einem chemischen Insektizid untersucht.
22.01.2021
Biotechnologie | Insektenkunde
Bioinspirierte Robotik: Von Libellen lernen
Forschungsteam der Uni Kiel entschlüsselt Fangapparat der aquatischen Jäger.
20.01.2021
Genetik | Evolution
Was das Genom des Lungenfischs über die Landeroberung der Wirbeltiere verrät
Das vollständig sequenzierte Genom des Australischen Lungenfisches ist das größte sequenzierte Tiergenom und hilft, den Landgang der Wirbeltiere besser zu verstehen.
20.01.2021
Zoologie | Ethologie
Weniger gestresst: Hochrangige Hyänenmännchen haben bei Weibchen beste Chancen
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) haben herausgefunden, dass die Interaktion mit anderen Männchen für rangniedrige Tüpfelhyänenmännchen "stressiger" ist als für hochrangige.
18.01.2021
Zytologie | Entwicklungsbiologie
Die ersten Löwen-Embryonen aus eingefrorenen Eizellen
E
18.01.2021
Mikrobiologie | Biochemie | Biotechnologie
Mikroorganismus baut Phenol unter extremen Bedingungen ab
Forschende vom Leibniz-Institut DSMZ in Braunschweig haben den Abbau von Phenol durch Saccharolobus solfataricus charakterisiert.
18.01.2021
Physiologie | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Methanausstoß von Milchkühen messen
Wissenschaftler des Instituts für Nutztierbiologie Dummerstorf haben ein neues Verfahren zur Vorhersage des Methanausstoßes einer Milchkuh entwickelt.
18.01.2021
Zoologie | Genetik | Ethologie
Berliner Igel bilden keine genetisch isolierten Bestände
Igel leben sowohl auf dem Lande als auch in größeren Städten.
16.01.2021
Botanik | Taxonomie
Die einzigartige Flora Neukaledoniens
Sieben neue Arten der Hundsgiftgewächse (Apocynaceae) haben Forscher*innen der Universität Bayreuth in Neukaledonien entdeckt. Auf den Spuren des britischen Entdeckers James Cook untersuchten sie im Frühjahr 2019 die Flora auf der Inselgruppe im Südwestpazifik.
16.01.2021
Taxonomie | Fischkunde
Neue Fischgattung aus Indien: Der Kiemenschlitzaal
Senckenberg-Wissenschaftler Ralf Britz hat gemeinsam mit internationalen Kolleg*innen eine neue Fischgattung beschrieben.
16.01.2021
Anthropologie
Wo man lebt, prägt das Verhalten
Je nachdem, wo auf der Welt sie leben, organisieren Menschen aus Jäger- und Sammlergesellschaften sich ihr Leben zum Beispiel bei der Nahrungssuche, Fortpflanzung, Betreuung des Nachwuchses und sogar hinsichtlich ihres sozialen Umfelds ähnlich wie Säugetier- und Vogelarten, mit denen sie ihren Lebensraum teilen.
16.01.2021
Ökologie | Biochemie
Wie Pflanzen Abwehrgifte bilden ohne sich selbst zu schaden
In einer neuen Studie klären Forschende des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie und der Universität Münster die Biosynthese und genaue Wirkungsweise von Diterpen-Glykosiden in wilden Tabakpflanzen auf.
13.01.2021
Zoologie | Ethologie | Meeresbiologie
Kegelrobben fressen Seehunde, Schweinswale – und ihre Artgenossen
Kegelrobben (Halichoerus grypus) sind Deutschlands größte freilebende Raubtiere. Viele Feriengäste kennen das Bild, wenn sie auf Helgoland am Strand oder in anderen Nordseeregionen auf Sandbänken liegen – friedlich nebeneinander oder neben Seehunden.
12.01.2021
Botanik | Ökologie | Insektenkunde
Schmetterling beweist: Karpaten waren in der Eiszeit teilweise bewaldet
Senckenberg-Wissenschaftler haben die Rückzugsorte des Tagfalters Erebia aethiops während der letzten Eiszeit in Europa untersucht.
12.01.2021
Mikrobiologie | Biochemie
Bakterium produziert pharmazeutische Allzweckwaffe
Ein Wirkstoff aus den Blättern einer Zierpflanze gilt seit einigen Jahren als möglicher Vorreiter einer neuen Gruppe potenter Medikamente.
11.01.2021
Zoologie | Physiologie | Video
Neon-grünes Leuchten beim Wüstengecko
Forschende der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM), der LMU und der Hochschule München haben entdeckt, dass der Wüstengecko Pachydactylus rangei aus Namibia unter UV-Licht stark neon-grün fluoreszierende Streifen an den Körperseiten und um die Augen zeigt.
11.01.2021
Ethologie | Land-, Forst- und Viehwirtschaft
Ziegen mögen Denksport
Wissenschaftler untersuchten in einem Deutsch-Schweizer Projekt die Lernfähigkeit von Ziegen.
09.01.2021
Ethologie | Neurobiologie
Schlaf für Erholung des Gehirns unersetzlich
Forscher*innen des Universitätsklinikums Freiburg weisen erstmals direkt nach, dass während des Schlafens im Gehirn aktive Erholungsprozesse ablaufen, die sich nicht durch Ruhe ersetzen lassen. Die Erkenntnisse sind relevant für optimale Leistung.
07.01.2021
Ökologie | Biodiversität
Starker Rückgang einer einst zahlreichen Tierart
Eine erneute Untersuchung der Puku-Antilopen im Kasanka Nationalpark in Sambia dokumentiert einen starken Rückgang.
07.01.2021
Ethologie | Video | Primatologie
Guineapaviane grunzen mit Akzent
Vokales Lernen führt zur Anpassung der Lautstruktur in einer mehrstufigen Pavian-Gesellschaft.
07.01.2021
Klimawandel | Meeresbiologie
Das neue Gesicht der Antarktis
Die Antarktis könnte künftig ergrünen und von neuen Arten besiedelt werden. Andererseits dürften Spezies verschwinden.
07.01.2021
Klimawandel | Meeresbiologie | Neobiota
Biodiversitäts-Kollaps im östlichen Mittelmeer
Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Paolo G.